Jungle+ Artikel 11.06.2026
Grim104 disst auf seinem neuen Album »No Country for Old Grim« die Musikindustrie und Berlin

Nirgendwo zu Hause

Auf dem neuen Album des Rappers Grim104, »No Country for Old Grim«, bekommen dumpfe Linke genauso ihr Fett weg wie die Musikindustrie und das »vercrackte« Berlin. Die Rückkehr des Musikers in sein Heimatdorf macht ihn aber auch nicht glücklich.

Wir marschieren ­einer letzten Mitternacht ent­gegen«, rappt Grim104 im Opener seines neuen Albums »No Coun­try for Old Grim«. In dem Titeltrack stolpern Junkies durch ein Zugabteil, ihre »Haut so grau wie Truthahnfleisch«. Doch nicht nur Obdachlosigkeit in Berlin ist Thema, es geht vielmehr um das Gefühl transzendentaler Obdachlosigkeit. Grim104 ist »verlassen von der Hoffnung«, dass irgendwann noch ein Gott kommen wird. In einer Strophe erinnert er an den 7. Oktober und den Krieg in Gaza: »Das ist für Kibbuzniks, die ihr Leben glauben an Ausgleich und Frieden / Bis am 7. Hamas-Kämpfer ihre Kinder erschießen / Für Menschen in Rafah, ein gutes Leben, ein paar schattige Bäume / Die Sieben-Kilo-Bombe sprengt auch diese einfachen Träume«.

Wenn Grim104, bürgerlich Moritz Wilken und seines Zeichens eine Hälfte des Rapduos Zugezogen Maskulin, über Terror und Kriege in den vergangenen Jahren rappt, klingt er ernst und empathisch. Es geht dabei aber auch um Abgrenzung, sein Track ist »kein Anti-War-Song für den SDAJ-Landesverband, sondern für Anarcho-Hools aus Kyjiw mit der Waffe zur Hand«.

Grim104, der auf einer verregneten Fläche steht und Richtung Kamera blickt

Doch noch was Richtiges machen? Grim104 hadert auf seinem neuen Album mit seiner Musikerexistenz

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