Nirgendwo zu Hause
Wir marschieren einer letzten Mitternacht entgegen«, rappt Grim104 im Opener seines neuen Albums »No Country for Old Grim«. In dem Titeltrack stolpern Junkies durch ein Zugabteil, ihre »Haut so grau wie Truthahnfleisch«. Doch nicht nur Obdachlosigkeit in Berlin ist Thema, es geht vielmehr um das Gefühl transzendentaler Obdachlosigkeit. Grim104 ist »verlassen von der Hoffnung«, dass irgendwann noch ein Gott kommen wird. In einer Strophe erinnert er an den 7. Oktober und den Krieg in Gaza: »Das ist für Kibbuzniks, die ihr Leben glauben an Ausgleich und Frieden / Bis am 7. Hamas-Kämpfer ihre Kinder erschießen / Für Menschen in Rafah, ein gutes Leben, ein paar schattige Bäume / Die Sieben-Kilo-Bombe sprengt auch diese einfachen Träume«.
Wenn Grim104, bürgerlich Moritz Wilken und seines Zeichens eine Hälfte des Rapduos Zugezogen Maskulin, über Terror und Kriege in den vergangenen Jahren rappt, klingt er ernst und empathisch. Es geht dabei aber auch um Abgrenzung, sein Track ist »kein Anti-War-Song für den SDAJ-Landesverband, sondern für Anarcho-Hools aus Kyjiw mit der Waffe zur Hand«.
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