11.06.2026
Antiamerikanismus, Hot Dogs und Harald Juhnke

Homestory #24/2026

In der Redaktion der »Jungle World« blickt man mit bestenfalls gemischten Gefühlen auf die anstehende Fußball-WM der Männer in Nordamerika.

Die spinnen, die Amis, servieren den Spielern Hot Dogs in der Trinkpause! Es war dann aber nur ein Internet-Hoax, der beim Testspiel USA gegen Deutschland im brühheißen Chicago für antiamerikanische Wallungen bei deutschen Fernsehzuschauern sorgte.

An Trinkpausen an der Seitenlinie wird sich das Publikum bei dieser WM ohnehin gewöhnen müssen, zwei in jedem Spiel, nicht aber an Fastfood-Buffets am Spielfeldrand. Aber warum eigentlich nicht? Hot Dogs sind das ultimative Symbol der US-amerikanischen Stadionkultur, insbesondere im Baseball.

Zur Sportlegende wurde ein Spieler, der mit zwei unterm Trikot versteckten Hotdogs aufs Spielfeld rannte. Gates Brown von den Detroit Tigers hatte sich gerade einen leckeren Wursthappen gönnen wollen, als er unerwartet eingewechselt wurde. Die Würste einfach beiseite zu legen, kam für ihn nicht in Frage.

Aus antideutscher Sicht kann einiges gegen den Hot Dog vorgebracht werden.

Eigentlich sind Hot Dogs aber auch nur Frankfurter Würstchen. Oder eben Franks. Ein deutscher Einwanderer hat den Imbiss 1897 in den USA populär gemacht. Er packte die Brühwurst kurzerhand in ein weiches Brötchen, verkaufte sie von einem Handkarren mit Herdplatte und machte ein Vermögen damit.

Streng genommen kann aus antideutscher Sicht also einiges gegen den Hot Dog vorgebracht werden. Allerdings weist die US-amerikanische Wurstvariante dann doch entscheidende kulinarische Verbesserungen auf. Nicht nur, dass die US-Brühwurst eine Mischung aus Schweine- und Rindfleisch ist (während die Frankfurter Grundwurst nur aus Schwein besteht), beim Hot Dog kommen auch noch würzige Zwiebelkrümel, Gurken-Relish, Senf und Ketchup dazu.

Als Kind durch Berti Vogts traumatisiert

Aber wen interessiert’s? In der Redaktion eigentlich niemanden. Ein Kollege würde am liebsten in die Spree springen, um seine Ruhe vor dem Fußballrummel zu haben; eine Kollegin wünscht sich, dass ein afrikanisches Team gewinnt, zweifelt aber daran, ob das klappen kann.

Ein Dritter wurde schon als Kind durch Berti Vogts traumatisiert und möchte sich nicht weiter zur WM äußern. Ein Vierter mag das Public Viewing, aber bitte nicht zur Schlafenszeit!

Ein Werder-Fan orientiert sich frei an einem Harald-Juhnke-Ausspruch, in dem es eigentlich um Silvester und Saufen ging: »WM ist immer anstrengend, da gucken auch die ganzen Amateure.«