Arbeit? Schriftstellerin!
Als Marcel Reich-Ranicki sich in seiner Fernsehsendung »Lauter schwierige Patienten« Anfang der nuller Jahre eine Folge ausschließlich Ingeborg Bachmann widmete, kam diese einer character assassination gleich. Der Literaturkritiker hatte über die Texte der Schriftstellerin eigentlich überhaupt nichts zu sagen, dafür aber ziemlich viel über ihre Person, ihre »Aura«, wie er es nannte.
Diese »Aura«, zu guten Teilen eine typisch chauvinistische Phantasie, fasziniert Reich-Ranicki fast 30 Jahre nach dem Tod der Schriftstellerin 1973 noch immer so sehr, dass er sich in seinen Anekdoten über »die Bachmann« geradezu verrannte. Zum Beispiel in der über einen Auftritt Bachmanns bei der Gruppe 47, dem bundesdeutschen Nachkriegsliteraturkreis, dessen Preis sie 1953 erhielt.
Die Tatsache, dass Bachmann des Öfteren in Interviews direkt gefragt wurde, ob »Malina« autobiographisch sei, kann man besonders gut mit einer misogynen Hilflosigkeit erklären.
»Sie saß bei dieser Lesung vorne am Tisch, sollte beginnen, und da fielen ihr alle Blätter, das ganze Manuskript, das sie in der Hand hatte, fiel auf den Boden. Sofort stürzten drei Herren nach vorne, man sammelte die Papiere ein, gab sie ihr, sie ordnete die Papiere, und gleich war eine Frage da: Waren ihr die Papiere runtergefallen oder hat sie die absichtlich runtergeschmissen?« Reich-Ranicki zufolge war Bachmann entweder außerordentlich tollpatschig oder doch eher eine gewiefte Männerfresserin, denn nicht nur ihre Manuskripte, auch ihre »Handtasche« sei bei anderen Gelegenheiten auf den Boden gefallen, manchmal sei es auch ein »Taschentuch« gewesen, das sie wohl fallen ließ, wenn sie mal nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stand und diese wieder auf sich lenken wollte.
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