Alles für die Konzerne
Die Rechtspopulistin Laura Fernández Delgado, die am 8. Mai ihr Amt als neue Präsidentin Costa Ricas antrat, hat mit Verlautbarungen über das Verhältnis zur Diktatur im nördlichen Nachbarland Nicaragua über Costa Rica hinaus für Aufsehen gesorgt. In einem Interview mit dem kolumbianischen Privatsender NTN24 wurde die 39jährige Politikwissenschaftlerin, die dem Partido Pueblo Soberano (PPSO) angehört, gefragt, wie ihre konservative Regierung die Beziehungen zu dem autoritären Präsidentenpaar, Daniel Ortega und Ehefrau Rosario Murillo, handhaben werde. Fernández antwortete, dass die beiden zentralamerikanischen Länder »historische Handelsbeziehungen und ein nachbarschaftliches Miteinander« pflegten, das auf Respekt und Stabilität an der Grenze beruhe.
Fernández verwies El País zufolge auf ein günstiges Investitionsklima und wirtschaftliche Stabilität, die Nicaragua in eine andere Lage versetzten als Kuba oder Venezuela – Staaten, die sie kritisiert hatte, weil die Duldung linker »Diktaturen« sie in den »Ruin« geführt habe.
Während Fernández ansonsten weitgehend der außenpolitischen Linie der USA folgt, schert sie in Sachen Nicaragua aus.
Während Fernández ansonsten weitgehend der außenpolitischen Linie der USA folgt, schert sie in Sachen Nicaragua aus. US-Außenminister Marco Rubio hatte im Juni gesagt, dass die dortige Diktatur ein »Feind der Menschheit« sei; die US-Regierung fordert einen Regimewechsel in Nicaragua.
Aber Fernández weiß, dass rund 14 Prozent der costa-ricanischen Exportwaren auf dem Weg nach Norden über Nicaragua transportiert werden. Zudem sind Konzerne aus Costa Rica in Nicaragua tätig. Nahezu alle früheren Präsident:innen Costa Ricas kritisierten Fernández nach dem Interview scharf, darunter die immer noch populäre Laura Chinchilla (2010–2014) vom sozialdemokratischen Partido Liberación Nacional (PLN), die einst die Diktatur in Nicaragua deutlich angeprangert hatte.
Fernández schimpfte daraufhin über die viejillas majaderas (verrückten alten Frauen), die keine Ahnung von ihrer Politik hätten. Costa Rica wurde lange vom PLN geprägt, erst der Wahlsieg Rodrigo Chaves’ 2022 von der PPSO-Vorgängerpartei Partido Progreso Social Democrático hat das geändert. Chaves ist Minister im Präsidialamt sowie Finanzminister.