Jungle+ Artikel 02.07.2026
Debatte um den Einfluss der Haudenosaunee auf die US-Verfassung

Steile Mythen

Als die USA vor 50 Jahren den 200. Verfassungsgeburtstag begingen, wurde auch die als progressiv ­angesehene »Irokesen-Einfluss-These« gefeiert. Inzwischen gilt sie als obsolet – und das hat ­ausnahmsweise nichts mit Donald Trump zu tun.

1977 veröffentlichte Donald Grinde Jr. das Buch »The Iroquois and the Founding of the American Nation«, 1982 folgte Bruce Johansens »Forgotten Founders«. Die Historiker entwickelten darin die Theorie, die Gründerväter der USA hätten sich die Ideale von Föderalismus, Ge­waltenteilung und Konsensprinzip bei den Irokesen beziehungsweise Haudenosaunee abgeschaut. Haudenosaunee ist die Eigenbezeichnung der Konföderation aus den sechs Nationen der Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Seneca und Tuscarora. Der gebräuchliche Begriff des »Irokesen« ist dagegen kolonialen Ursprungs.

Die »Irokesen-Einfluss-These« (Iroquois Influence Thesis), wonach die politische Struktur und die demokratischen Prinzipien der irokesischen Verfassung, das Große Gesetz des Friedens (Great Law of Peace), die Verfassung der Vereinigten Staaten maßgeblich beeinflusst haben, war höchst umstritten, fand aber mancherorts Eingang in den Schulunterricht. Populär wurde sie im Zuge der 200-Jahr-Feier der US-Verfassung vor 50 Jahren. 1987 verabschiedete der Senat eine Resolution, die anerkannte, dass die Ideen der Konföderation die demokratischen Prinzipien der USA inspiriert hätten. Die »H.Con.Res.331« betitelte gemeinsame Resolution beider Häuser des Kongresses bestätigte dies im Folgejahr. Die legislativen Weihen haben die Kritik an dieser Darstellung mit ihren sehr allgemein gehaltenen Bezügen aber eher noch befeuert. Ob die Freiheitsliebe der Amerikaner oder das in der Verfassung festgehaltene Streben nach Glück (pursuit of happiness) – vieles ist seither als von Indigenen beeinflusst beschrieben worden.

Die Haudenosaunee mit ihrer Erbfolge in der Mutterlinie dienen seit den Forschungen Lewis Henry Morgans im 19. Jahrhundert als Projektionsfläche progressiver Denker.

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