09.07.2026
AfD-Influencer im Donbass

Hannover, Grosny, Donbass

Weil seine deutsche Heimat angeblich in Gefahr sei, zieht ein rechtsextremer Influencer tschetschenier Herkunft das Leben in Russland vor.

Rechtsextremer Internationalismus hat bei der AfD ein Gesicht und einen Namen: Noah Krieger. 1989 in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny geboren, hieß der Inhaber eines deutschen und russischen Passes ursprünglich Murad Dadajew (oder Dadaev). Mit fast 400.000 Followern zählt er inzwischen zu den bekanntesten AfD-Mitgliedern auf Instagram. Sein Profil strotzt vor provokativen Inhalten. Ein Foto von sich mit braunem Hemd und Seitenscheitel teilte er mit dem Satz »Ich suche neuen Bundeskanzler – Gerne auch ein Österreicher!«

Seinem Wohnort Hannover hat der Partei-Influencer bis auf Weiteres den Rücken gekehrt. Weil seine Heimat in Gefahr sei, bleibe er in Russland, auch wenn er Deutschland liebe, schrieb er im April. Im Frühjahr absolvierte Krieger ein Schießtraining in Tschetschenien, vergangene Woche präsentierte er sich im von Russland besetzten Donbass in Kampfmontur. Unklar ist, ob er sich den russischen Truppen angeschlossen hat oder, wie er schreibt, sich nur persönlich ein Bild von der Lage machen wollte.

Ein Foto zeigt Krieger im April in Tschetschenien mit Wehrmachtsdolch samt Hakenkreuz, ein weiteres an der Seite Samid Tschalajews, des Kommandeurs eines tschetschenischen Spezialpolizeiregiments.

Auf seinem Instagram-Account sieht man ein Foto des »Gotteskriegers«, als den er sich selbst bezeichnet, die zeigen, wie er noch vor einem Jahr lächelnd neben den AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner und Jörn König posierte. Ein anderes Foto zeigt Krieger im April in Tschetschenien mit Wehrmachtsdolch samt Hakenkreuz, ein weiteres an der Seite Samid Tschalajews, des Kommandeurs eines tschetschenischen Spezialpolizeiregiments, das Menschenrechtsorganisationen zufolge für außergerichtliche Hinrichtungen verantwortlich ist.

Als Kind und Jugendlicher erlebte Krieger den Tschetschenien-Krieg. Die Familie floh später nach Österreich, dann nach Deutschland. Sein älterer Bruder Sulejman Dadajew wurde 2011 in Wien wegen Beteiligung an der Ermordung eines tschetschenischen Oppositionellen zu 19 Jahren Haft verurteilt, wurde jedoch vorzeitig entlassen und kehrte 2022 nach Russland zurück. Noah Dadajew-Krieger pflegte in Deutschland nicht nur Kontakte zur extremen Rechten, sondern auch zu Kadyrow nahestehenden Exiltschetschenen. Kriegers Umtriebe schien die AfD-Parteifunktionäre erst gestört zu haben, als dieser im April in Kadyrows Anwesenheit einer Sitzung des tschetschenischen Parlaments beiwohnte. Auf eine Anfrage des Investigationsportals Correctiv teilte die Partei damals mit, ein Parteiausschlussverfahren sei eingeleitet worden.