09.07.2026
Nackenkühler als Trend

Neue Nackenkühler

Auch das Warenangebot hält mit den sich wandelnden Bedürfnissen des Klimawandels schritt. Die neueste Erfindung: eine Klimaanlage für den Kopf.

Beim WM-Spiel Kanada gegen Südafrika sitzt die Familie auf dem Sofa und jeder schwitzt vor sich hin. Die Außentemperatur hat sich immerhin ein wenig erbarmt und bei 28 Grad eingependelt, doch im Wohnzimmer zeigt das Thermometer standhaft 31,5 Grad. Dad ist bereits hochrot angelaufen, daher die Empfehlung an ihn, er solle sich seiner halblangen Jeans entledigen – ein logistischer Kraftakt. Töchterchen leiht ihm sogar selbstlos den USB-Miniventilator, der bislang zwischen uns wortlos hin und her gewechselt ist. Da die Gespräche sich seit zwei Tagen auf absolutem Demenzniveau bewegen – die Gehirnzellen sollen ja leider besonders hitzeempfindlich sein –, wurde das Miteinanderreden fast komplett eingestellt.

Als Töchterchen auf akutem Ventilatorentzug bedenklich zu stöhnen beginnt, raune ich ihr mit schwacher Stimme die Überlebensklassiker meiner Oma zu: kaltes Fußbad, eiskalter Waschlappen für den Nacken. Wirkt auch gleich!

Funktional betrachtet ist das Gerät ein absoluter Traum für alle, die auf das sonore Dröhnen einer Dunstabzugshaube stehen. Auf der »Turbo-Kühlungsstufe« erreicht ein günstiges Exemplar den Dezibelwert eines soliden Handföns direkt unterhalb des Trommelfells.

Doch während ich die Tage unter dem Hitzedom mit Sommergrippe, einer Bindehautentzündung (danke, Freibad Pankow) sowie Hausmitteln von Großmama verbracht habe, flanierten auf den Straßen Berlins bereits Visionäre mit der neuesten technischen Errungenschaft des Großstadtmenschen: Klimaanlagen fürs Gesicht, auch Nackenkühler genannt.

Auf den ersten Blick sieht das Gadget aus, als hätte man sich klobige Over-Ear-Kopfhörer um den Hals gehängt. Es fehlt allerdings der verschämte 
Sorry-war-ein-Geschenk-meines-uncoolen-Patenonkels-Blick. Im Gegenteil: Der Hightech-Nackenkrausen-Träger führt sein Accessoire mit Stolz aus.

Wohlwollend betrachtet, könnte man es auch für ein Stethoskop von Cyberärzt:innen halten. Bei den besonders beliebten weißen Modellen drängt sich allerdings unweigerlich das Bild eines WC-Sitzrings mit Öffnung auf Halshöhe auf.

Funktional betrachtet ist das Gerät ein absoluter Traum für alle, die auf das sonore Dröhnen einer Dunstabzugshaube stehen. Auf der »Turbo-Kühlungsstufe« erreicht ein günstiges Exemplar den Dezibelwert eines soliden Handföns direkt unterhalb des Trommelfells. Es gibt schließlich auch noch Stufe eins, die in etwa dem Rascheln der Blätter im Abendwind – jetzt bloß nicht an »Platanenhusten« denken – gleicht.

Preislich bewegt sich der Nackenkühler für Klima-Avantgardisten zwischen 30 Euro vom Online-Grabbeltisch und 300 Euro für die Luxusvariante. Das derzeitige Spitzenmodell bei Amazon hört auf den bescheidenen Namen »Coolify Cyber AI Hals-Klimaanlage«. »Wrapped in Ice« klingt erst einmal verheißungsvoll.

Geworben wird dann aber ernsthaft mit »kneifenfreiem Nackenkomfort«, einem »Puls-Modus zur Vermeidung von Taubheitsgefühlen« und einem »Therapie-Modus zur Linderung der Nackenbelastung«. Auch zukünftig wird also ganz analog das Handtuch nass gemacht.