Der Rassismus der Regenbogennation
Johannesburg. Die genaue Zahl der Todesopfer ist noch umstritten. Am Dienstag vergangener Woche erschütterten fremdenfeindliche Ausschreitungen Südafrika. Die Regierung des Nachbarlands Mosambik sagt, dabei seien fünf seiner Staatsbürger ermordet worden, die südafrikanische Regierung bestätigt nur zwei Tote. Ghana teilte mit, ein Staatsbürger sei ermordet worden; Südafrika leugnete, dass dies im Zuge der rassistischen Ausschreitungen geschah. Nigeria vermeldete, ein Staatsbürger sei in Südafrika von Unbekannten ermordet worden, ein anderer von Polizisten, die »grausame Verhörmethoden« verwendet hätten.
Migrationsfeindliche Gruppen hatten den Tag – es war der 30. Juni – als Frist gesetzt: Bis dahin sollten alle Migrant:innen ohne Aufenthaltsgenehmigung das Land verlassen. In etlichen Provinzen gab es Demonstrationen, darunter Gauteng, KwaZulu-Natal, Westkap, Ostkap, Mpumalanga und Limpopo. Die Teilnehmerzahlen reichten von 100 in Kapstadt bis zu 5.000 in Durban. Fast überall kam es zu gewalttätigen Übergriffen. Menschen, die verdächtigt wurden, Ausländer zu sein, wurden angehalten und gezwungen, sich auszuweisen. Viele wurden aus der Menge heraus angegriffen, Wohnungen und Häuser wurden gestürmt. Auch Läden wurden geplündert, beispielsweise im Township KwaDabeka bei Durban.
Das Projekt Xenowatch an der Universität Witwatersrand zählte seit 1994 in Südafrika mehr als 1.300 fremdenfeindliche Angriffe oder Ausschreitungen. 700 Menschen seien umgebracht worden.
Die Polizei tat offenbar kaum etwas dagegen. Sie sprach anschließend von »überwiegend friedlichen Protesten«. Offiziellen Angaben zufolge wurden insgesamt 900 Personen festgenommen, bei den meisten habe es sich der Polizei zufolge um »illegale Ausländer« gehandelt, die »im Zuge der parallel zu den Protesten durchgeführten Polizeieinsätze wegen Plünderungen festgenommen wurden«.
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