Homestory #29/2026
Der Pride Month mag vorbei sein, die CSD-Saison ist es hingegen noch lange nicht. Nahezu jedes Wochenende kann man irgendwo in diesem Land für die Rechte queerer Menschen auf die Straßen gehen; zum letzten Mal in diesem Jahr am 7. November im bayerischen Ansbach. Gründe gibt es immerhin ausreichend. Dazu aber mehr auf dem Themenseiten drei bis fünf.
Gerade im ländlichen Raum sind CSD-Demonstrationen eine relativ neue Entwicklung. »Ich bin früher, als ich noch zu Hause gewohnt habe, jedes Jahr mit Freunden nach Köln zum CSD gefahren«, erinnert sich eine Redakteurin Ihrer Lieblingszeitung an ihre Ausflüge in die Großstadt. »Es war ganz klassisch das Gefühl von raus aus dem Kleinstadtmief.« Sie merken schon, das Kollektiv der Jungle World ist CSD-erfahren.
Das Kollektiv der Jungle World ist CSD-erfahren.
»Als der Kreuzberger CSD noch Transgenialer CSD hieß, war es mit der alevitischen Gemeinde immer nett, die sehr neugierig gefragt haben, worum es geht, und mitgeschunkelt haben«, erzählt ein Kollektivmitglied. Mittlerweile meide er allerdings große Menschenaufläufe: »Da kann kaum was Gutes bei rumkommen.« Ähnlich äußerten sich ein paar Antifas aus Sofia, als sie mal in der Roten Flora in Hamburg von der Pride in der bulgarischen Hauptstadt berichteten. »Normalerweise nutzen Linke so etwas ja, um Werbung für ihre Events zu machen und international einzuladen«, so eine Kollegin, die Ohrenzeugin war, doch die bulgarischen Gäste hätten ihre deutschen Gastgeber darum gebeten, lieber zu Hause zu bleiben. Gerade ausländische Besucher seien zuletzt besonders unvorsichtig gewesen und man bekomme »da ohnehin regelmäßig dolle von Faschos aufs Maul«.
Gewalttätige Rechtsextreme begleiteten laut einem Kollegen auch die Kyiv Pride in den Anfangsjahren. Zum ersten Mal fand die 2013 statt und war noch sehr klein. Das mit der ständigen Bedrohung der Pride-Teilnehmer hat sich ihm zufolge 2018 nach politischem Druck auf die Stadtregierung geändert, die dann für ausreichend Schutz sorgte. In dem Jahr nahmen einige Tausend Menschen an der Demonstration teil.
Ein Erlebnis der anderen Art hatte die hauseigene Abrissdirne. Die hatte vor ein paar Jahren nach dem Berliner CSD noch einen Auftritt im Tuntenhaus, wo sich zwei ihrer Tuntenschwestern im Backstage genüsslich an der Bowle bedient hätten. »Kurz vor unserem Auftritt benahmen sie sich sogar für ihre Verhältnisse seltsam«, so die Kollegin. Eine der beiden habe es »unglaublich witzig« gefunden, der Moderatorin während ihres Auftritts am Stöckelschuh zu zerren: »Die versuchte, die kichernde Wahnsinnige zu ignorieren und nebenbei abzuschütteln.« Es stellte sich heraus, dass die Bowle keine einfache Bowle war, sondern, nun ja, ein Zaubertrank.