16.07.2026
Rechtsextremer Ex-Politiker prangert Haftbedingungen an

Lektionen aus Rebibbia

Nach Verbüßung einer Haftstrafe kritisiert der ehemalige Bürgermeister Roms, Gianni Alemanno, die Zustände in italienischen Gefängnissen – eine seltene Haltung in rechtsextremen Parteien.

Gianni Alemanno ist ein eher ungewöhnlicher Kritiker der Zustände in Gefängnissen. Der ehemalige Bürgermeister Roms gilt als rechter Hardliner. Kürzlich musste er jedoch selbst Erfahrung mit dem Strafsystem machen. Erst Ende Juni wurde er aus dem Gefängniskomplex Rebibbia bei Rom entlassen. Anfang 2024 war er wegen Vorteilsgewährung und illegaler Parteifinanzierung sowie einer späteren Verletzung von Bewährungsauflagen zu einer Haftstrafe von 22 Monaten verurteilt worden, die er im Dezember 2024 antrat. Direkt im Anschluss an seine Entlassung traf er sich mit Roberto Vannacci, dem Gründer der extrem rechten Partei Futuro Nazionale, bei der Alemanno inzwischen Mitglied ist. Sie könnte bei den nächsten italienischen Parlamentswahlen 2027 eine ernste Konkurrenz für Ministerpräsidentin Giorgia Melonis rechte Regierungspartei Fratelli d’Italia darstellen.

Alemanno prangerte erbärmliche Haftbedingungen an, beklagte Personalmangel und fehlende Bildungsmöglichkeiten für Häftlinge, die ein neues Leben beginnen wollten.

Während Vannacci sich bei dem Treffen unter Zuhilfenahme einer Kain-und-Abel-Analogie zu rigorosen Strafen und langen Haftzeiten bekannte, nahm der entlassene Alemanno eine für Rechtsextreme eher untypische Perspektive auf Gefängnisse ein. Er prangerte erbärmliche Haftbedingungen an, beklagte Personalmangel und fehlende Bildungsmöglichkeiten für Häftlinge, die ein neues Leben beginnen wollten. Das System, so sagte er, ermutige Kriminelle dazu, kriminell zu bleiben. 

Bereits in Haft machte sich Alemanno einen Namen, indem er Missstände und Gewalt im Gefängnis in einem Facebook-Blog dokumentierte, den er mit einem Mithäftling betrieb. Nach seiner Entlassung fand er klare Worte für die Zustände in italienischen Gefängnissen, die mit einer Belegungsrate von rund 140 Prozent zu den überfülltesten in ganz Europa zählen. Es sei eine »Schande für die Republik, eine Beleidigung aufgrund der Art und Weise, wie dort Menschen behandelt werden«.

Ob die beiden Politiker ein Bündnis für Reformen im Strafjustizwesen schließen, bleibt abzuwarten. Alemanno selbst sinnierte, dass nur Inhaftierte oder deren Angehörige das Problem mit den Gefängnissen verstünden. Andere nähmen es seiner Auffassung nach gar nicht wahr. Vielleicht ließe sich ja sein rechtsextremer Verbündeter Vannacci zu einem Bildungsaufenthalt überreden.