16.07.2026
Börsengang von Space X

Zu den Sternen

Space X ist an die Börse gegangen, und dank einer neuen Regelung kaufen ETF-Anleger:innen die Aktien nun automatisch mit -- ob sie wollen oder nicht.

Ka­pita­lan­le­ger:in­nen sind häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, sie interessiere nur der schnöde Mammon, der kurzfristige Profit, während ihnen die Zukunft der Menschheit egal sei. Oder kommt es nur darauf an, wer ihnen die Zukunft wie verkauft? Am 12. Juni ging Space X an die Börse, erforderlich dafür ist in den USA eine in Zusammenarbeit mit der Börsenaufsicht SEC erstellte Präsentation, genannt IPO (initial public offering). Sie verkündet hehre Ziele: »Unsere Mission ist es, die Systeme und Technologien zu entwickeln, die notwendig sind, um multiplanetares Leben zu ermöglichen, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins bis zu den Sternen auszudehnen.« Die Formulierung »extend the light of consciousness to the stars« taucht noch zehn weitere Male in der IPO auf. Elon Musk, Gründer, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär von Space X, scheint sie besonders zu lieben, vermutlich weil sie sein Sendungsbewusstsein wiedergibt: Die Welt ist nicht genug. Und zumindest die Geschäftswelt sah das Licht, das ins Universum erstrahlen soll, offenbar zunächst als profitabel an. Space X erreichte auf Anhieb einen Börsenwert von 1,7 Billionen, später sogar mehr als zwei Billionen ­US-Dollar, so dass Musk zeitweise Billionär wurde.

Man investiert also auch in die ­Verbreitung rechtsextremer Hetze, wenn man Space-X-Aktien kauft.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass keineswegs Billionen investiert wurden. Verkauft wurden am 12. Juni Aktien im Wert von knapp 86 Milliarden US-Dollar, daraus ergibt sich ein Börsenwert, der mit dem realen Geschäft des Unternehmens kaum noch etwas zu tun hat. Space X fuhr im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden US-Dollar Verluste von 4,94 Milliarden US-Dollar ein. Profitabel ist das Starlink-Satellitensystem und potentiell das Raketengeschäft, wenn auch vor allem, weil die US-Raumfahrt mittlerweile von Space X abhängig ist. Weniger klar sind die Geschäftsaussichten des nun ebenfalls zu Space X gehörenden KI-Unternehmens XAI, zu dem der von Musk zu seinem persönlichen Propagandainstrument gemachte Microblogging-Dienst X gehört. Man investiert also auch in die ­Verbreitung rechtsextremer Hetze, wenn man Space-X-Aktien kauft.

Allerdings haben viele nun keine Wahl mehr. Seit Dienstag voriger Woche ist Space X im Aktienindex Nasdaq 100 vertreten – aufgrund eines häufig als »Lex Musk« bezeichneten neuen Verfahrens weit schneller, als es zuvor möglich gewesen wäre. Anleger, die in ETFs (exchange-traded funds) investieren, müssen die nun im Nasdaq 100 geführten Space-X-Aktien erwerben. Dennoch sank deren Kurs im Lauf der vergangenen Woche unter den am 12. Juni erreichten.

Wer die Wahl hat, ahnt wohl, dass er nicht in die Erleuchtung der Sterne mit Bewusstsein, sondern in Musk investiert, der 42 Prozent der Aktien hält, die aber als supervoting stock gelten, so dass er 82 Prozent der Stimmrechte hat. Der Kurs ist eine Art Muskometer, und es ist beruhigend, dass seine Macht und sein Einfluss derzeit wenigstens nicht als groß genug eingeschätzt werden, um ihn zum ­Billionär zu machen.