23.07.2026
Der Bürgerkrieg im Jemen droht zu eskalieren

Die nächste Seeblockade

Die jemenitische islamistische Houthi-Miliz kündigt gegen das benachbarte Saudi-Arabien eine Seeblockade der zweiten wichtigen Meerenge der Region an, dem Bab al-Mandeb am Roten Meer. Zugleich droht der Bürgerkrieg im Jemen erneut zu eskalieren und damit die humanitäre Krise im Land.

Der Kampf um die Kontrolle der Wasserstraßen entscheidet sich nicht nur am Persischen Golf, sondern auch am Roten Meer. Während die USA und der Iran um die Kontrolle der Straße von Hormuz erneut Krieg führen, eskaliert im Jemen ein Konflikt, der die zweite große Meerenge der Region, den Bab al-Mandeb am Roten Meer, für den internationalen Seehandel blockieren könnte. Und auch hier ist die Islamische Repu­blik Iran beteiligt.

Seit dem Donnerstag vergangener Woche droht die schiitisch-islamistische jemenitische Houthi-Miliz mit der Blockade des Bab al-Mandeb, der die Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Roten Meer darstellt und damit den direktesten Wasserweg von Asien nach Europa ermöglicht. Die Blockade werde Houthi-nahen Quellen zufolge erfolgen, falls die US-Armee die Drohung von US-Präsident Donald Trump wahrmache, iranische Energieanlagen anzugreifen. Die Entscheidung zum Angriff auf Schiffe mit Drohnen und Raketen am Bab al-Mandeb fiele demnach Abgesandten der iranischen Revolutionsgarden zu, die sich bei den Houthis im Jemen aufhielten und nur noch auf ein Signal zum Angriff aus Teheran warteten. Eine vollständige Schließung der Meerenge würde die Schifffahrt von Asien und Ostafrika nach Europa zu einem Umweg um den gesamten afrikanischen Kontinent zwingen und damit die Weltwirtschaft durch stark erhöhte Transportkosten zusätzlich belasten.

Am Montag kündigte der Militärsprecher der Houthis eine Seeblockade zunächst nur gegen die Schifffahrt Saudi-Arabiens an.

Am Montag kündigte der Militärsprecher der Houthis eine Seeblockade zunächst nur gegen die Schifffahrt Saudi-Arabiens an.

Seit 2014 ausgetragener Konflikt zuletzt wieder verschärft

Hintergrund ist der Konflikt zwischen der vor allem im Nordjemen aktiven jemenitischen Houthi-Miliz und dem Iran auf der einen Seite und der vor allem im Südjemen aktiven jemenitischen Regierung sowie Saudi-Arabien auf der anderen Seite. Dieser hat sich wieder zugespitzt, als am Montag vergangene Woche ein saudisches Flugzeug mit Unterstützung der jemenitischen Regierung eine Landebahn des Flughafens der von den Houthis kontrollierten jemenitischen Hauptstadt Sanaa angriff. Damit sollte die Landung eines Flugzeugs mit einer Delegation der Houthis verhindert werden, die der Begräbniszeremonie des getöteten iranischen Diktators Ali Khamenei beigewohnt hatte. Der jemenitische Präsident Rashad al-Alimi rechtfertigte den Angriff damit, der jemenitische Luftraum sei durch nicht abgesprochene Direktflüge aus dem Iran ins von den Houthis kontrollierte Territorium verletzt worden; die Houthis bezeichnete er als Terroristen. Solche Flüge, die für Waffenlieferungen missbraucht werden könnten, untergrüben Friedensbemühungen und zögen den Jemen in einen Krieg hinein, der iranischen Interessen diene. Als Reaktion auf den Angriff attackierten die Houthis den saudischen Flughafen Abha mit Raketen und Drohnen und drohten im Falle weiterer saudischer Luftschläge mit Gegenangriffen auf Flughäfen und Energieanlagen des Nachbarlands.

Gerade Angriffe auf saudische Energieanlagen hätten enorme Konsequenzen für die Weltwirtschaft, da Saudi-Arabien ein wichtiger Ölproduzent ist. Zudem exportiert das Land trotz der Schließung der Straße von Hormuz Erdöl über eine Pipeline zum Roten Meer. Die Schließung des Bab al-Mandeb und Angriffe auf Energieanlagen treffen nun diese Exportroute und die saudische Wirtschaft und damit auch die Weltwirtschaft empfindlich. Schließlich müssen Saudi-Arabiens Ölexporte auf ihrem üblichen Weg in die Länder Asiens nun um den ganzen afrikanischen Kontinent herum fahren.

Letztlich gefährdet die Eskalation auch den brüchigen Waffenstillstand und die bescheidene Verständigung, die seit 2022 zwischen der jemenitischen Regierung sowie Saudi-Arabien und den Houthis sowie dem Iran herrschte. Dieser Dialog hatte den seit 2014 andauernden jemenitischen Bürgerkrieg zwischen der Houthi-Miliz und der jemenitischen Regierung entschärft, in den eine saudisch geführte Militärkoalition mit Luftangriffen gegen die Houthis eingegriffen und der im Land zu einer humanitären Krise geführt hatte. Einer UN-Schätzung zufolge waren allein zwischen 2014 und 2022 mindestens 377.000 Menschen im Land an den Folgen des Kriegs gestorben, 40 Prozent davon durch Gewalteinwirkung, 60 Prozent davon durch indirekte Folgen wie den Mangel an Lebensmitteln und den Zusammenbruch des Gesundheitssystems.

Beiden Seiten wurden Kriegsverbrechen vorgeworfen. So wurde Saudi-Arabien beschuldigt, zivile Infrastruktur angegriffen und durch eine Seeblockade der von den Houthis kontrollierten Gebieten die humanitäre Krise im Land verschärft zu haben. Umgekehrt wird den Houthis unter anderem vorgeworfen, immer wieder die Arbeit von UN-Hilfsorganisationen behindert oder gar deren Güter geplündert zu haben. Ebenso werden den Houthis äußerst repressive Herrschaftspraktiken sowie enorme Einschränkungen der Frauenrechte vorgeworfen, passend zum Motto der Houthis: »Gott ist groß, Tod den USA, Tod Israel, verdammt seien die Juden, Sieg dem Islam!«

Die Houthis mögen eher Verbündete des iranischen Regimes sein als dessen bloße Handlanger; gefährlich ist diese Verbindung und die damit verbundene erneute Eskalation des Konflikts im Jemen so oder so, vor allem für die Menschen im Land.