Das Absolvieren von Praktika gehört zu den Pflichtaufgaben für angehende Schreiberlinge. Auch für diejenigen, die es mit Lebenslaufgestaltung nicht so haben. Der Begriff Praktikant verschleiert ja meistens, dass es sich dabei um eine unbezahlte Arbeitskraft handelt, die sich um Aufgaben kümmert, die sonst liegenbleiben.
Auch die Jungle World-Kollektivmitglieder waren mal jung – sind es ja immer noch (Anm. d. Red.) – und erinnern sich an die eigenen Irrungen und Wirrungen bei der Suche nach Festanstellung. So erzählte ein Kollege, dass sein einziges Praktikum bei der Lokalzeitung damit endete, dass ihn der Herausgeber minutenlang anbrüllte. Grund dafür war, dass er in seiner Rezension einer äußerst beliebten regionalen Kabarettgruppe wohl nicht ganz auf Linie blieb und sich einige Leser:innen darüber beschwert hatten. Ein anderer Kollege berichtete davon, dass der reiche Besitzer der Zeitung, bei der er ein Praktikum absolvierte, immer wieder auf Stippvisite vorbeikam. Das geschah aber nicht aus Nettigkeit, sondern um nie den Überblick zu verlieren, was die Angestellten in seiner hauseigenen Bastion der Pressefreiheit so von sich gaben.
Am Ende schworen gleich mehrere Kolleg:innen darauf, dass das Praktikum im Supermarkt aber das Beste war.
Auch die Geschichte vom Literaturfest, welches allein durch die Arbeit unzähliger (natürlich unbezahlter) Praktikant:innen zustande kam, weil die tatsächlich bezahlten Angestellten niemals die Aufgabenlast hätten stemmen können, soll nicht unerwähnt bleiben. Ein anderes Kollektivmitglied erzählte, warum er bei seinem ersten Praktikum in der Medienbranche nach wenigen Wochen nicht mehr hingegangen sei. Der Chef vom Dienst und einzige Festangestellte sei fast nie zur Arbeit erschienen, und irgendwann sei klar gewesen, dass er sein einst durchaus gut laufendes Musik- und Lifestyle-Magazin, das mittlerweile nur noch eine Website war, mittels Praktikanten wieder aufzubauen versuchte, während er eigentlich nichts tat. Der Kollege quittierte dann verständlicherweise den (unbezahlten) Dienst.
Einige Mitglieder Ihrer Lieblingsredaktion absolvierten ihr Praktikum sogar in dem Hause, das heute ihr eigenes ist. Da kam das eine wohl zum anderen. Auch Ihre Lieblingszeitung hat regelmäßig Praktikant:innen, die ein paar Wochen in den ehrwürdigen Hallen Ihrer Lieblingsredaktion wandeln und sich nützlich machen – der derzeitige Praktikant ist sogar mit einem Text in dieser Ausgabe vertreten.
Am Ende schworen gleich mehrere Kolleg:innen darauf, dass das Praktikum im Supermarkt aber das Beste war. Falls jemand trotzdem Lust auf ein Praktikum im Jungle World-Kollektiv hat: Meldet euch gerne, die Getränke stehen kalt und es gibt immer was zu tun.