06.08.2026
In Syndey darf eine entweihte Kirche nicht für Drag-Shows benutzt werden

Die Kirche im Dorf

In Sydney soll eine seit Ewigkeiten entweihte Kirche zum Veranstaltungsort für Drag-Shows werden – doch die kalten Brüder der Gemeinde sehen darin Gotteslästerung.

Als klugscheißende Tunte umspannt mein Informationsnetzwerk selbstredend die ganze Welt. Daher weiß ich, dass nicht nur hierzulande Kulturkämpfer und rückgratflexible Politiker gegen alles zu Felde ziehen, was ihnen zu bunt, zu laut oder schlicht zu anders erscheint.

Die Geschichte beginnt in Sydney, Australien, vor fast 100 Jahren. Die St John the Evangelist Church schloss in den dreißiger Jahren und diente seither als Schule, Theater und Veranstaltungsort. In den folgenden Jahrzehnten war sie also ein Ort für alles Mögliche, nur eben nicht mehr für Gott und seine Fangemeinde.

Aus ein paar Rosenkränzen wurde rasch ein nationaler Kulturkampf, den konservative Politiker befeuerten. 

Im Frühjahr 2026 mietete das Veranstalterkollektiv Heaps Gay das Gebäude an, um daraus einen Kulturort für Drag, Theater, Comedy, Konzerte und Clubnächte zu machen. Das wurde mit 100.000 Dollar aus einem Kulturförderprogramm unterstützt. Man hätte also meinen können, einem erfolgreichen Start stünde nichts im Wege. Doch die Kombination aus Drag, einer ehemaligen Kirche und dem ursprünglich geplanten Namen »Unholy Playhouse« beschwor – wie sollte es anders sein – hochfromme Männerbünde herauf, die fortan mit Rosenkränzen, Petitionen und dem üblichen Krampf aufwarteten.

Die Umbenennung in »Divine Playhouse« half nichts. Aus ein paar Rosenkränzen wurde rasch ein nationaler Kulturkampf, den konservative Politiker befeuerten. Bald war von Blasphemie die Rede: Der christliche Glaube werde verspottet. Offenbar musste erst der Heilige Geist durch den Mietvertrag wehen, bevor dem Vermieter dessen Inhalt wieder einfiel. Prompt kündigte er den Vertrag und begründete dies mit einem »offensive trade« – einem Rechtsbegriff für übelriechende oder gesundheitsgefährdende Gewerbe. So also der Stand der australischen Rechtsfortbildung.

Selbst Politiker trugen ihren Teil bei: Chris Minns, Premier von New South Wales, zeigte Verständnis für die Kritiker, sein Kulturminister John Graham sprach aber von einem Rückschritt. Aus dem Umfeld des Rathauses wurde zudem daran erinnert, dass Widerspruch nicht zur Einschüchterung werden dürfe. Der Club bleibt allerdings geschlossen.

Was verrät uns diese Geschichte? Kulturkämpfe verlaufen weltweit nach demselben Drehbuch: Wo Drag auf Verachtungen trifft, gilt ein Mietvertrag schnell als Gotteslästerung und die Nutzung einer seit Jahrzehnten entweihten Kirche als Sakrileg. An religiös gegerbtem Pathos soll noch jede Tunte zerschellen. Das eigentliche Theater fand auch hier nicht auf der Bühne statt, sondern davor.