Heuchelei von rechts
Der islamistische Anschlag auf den Berliner CSD lag kaum zwei Tage zurück, da wurde er schon Gegenstand von Wahlkampfdebatten. In der Fernsehdiskussion zwischen zwei Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD), wurde über Konsequenzen aus dem Anschlag gestritten. »Wir dürfen das einfach nicht mehr zulassen, dass hier Menschen bei uns leben, die unsere Kultur nicht akzeptierten«, sagte Schulze und forderte härtere Strafen. Siegmund hielt ihm entgegen, dass er Forderungen der AfD übernehme, wegen derer man diese als extremistisch ablehne.
Um Empathie für die Opfer des Anschlags ging es hingegen nicht; auch nicht darum, wie man künftig queere Anliegen besser unterstützen könnte. Das wäre auch verwunderlich. Denn wie die sachsen-anhaltische AfD zum Thema steht, lässt sich in ihrem Landtagswahlprogramm nachlesen. Regenbogenflaggen sollen demnach nicht mehr an Schulen hängen, weil die »LGBTQ-Bewegung« die »angebliche Vertretung der Interessen nicht heterosexueller Menschen zum bloßen Vorwand« nehme, »um in Wahrheit die tradierte Normalität, die wir für die gedeihliche Entwicklung unserer Gesellschaft brauchen, zu zerstören«. Dem freien Radio Corax sollen Gelder entzogen werden, weil es allen Spielarten »der perversen Regenbogenideologie und des Genderismus« eine Plattform biete. Und der Klassiker rechtsextremer Homophobie, die Behauptung, dass Homosexuelle Kinder verderben wollen, darf natürlich auch nicht fehlen. Dem Wahlprogramm zufolge nehmen »pervers-linke Fanatiker die Seelen unserer Kinder ins Visier«, weil sie an Kindergärten und Grundschulen darüber aufklären wollen, dass es mehr Familienentwürfe gibt als nur das traditionelle Modell von Mutter-Vater-Kind.
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