Homestory #32/2026
Es gibt Namen, die vergisst man nie. Nicht unbedingt, weil ihre Träger berühmt geworden wären, sondern weil sie prägnant sind. Bei Ihrer Lieblingszeitung begann das Gespräch über unvergessliche Namen mit dem pensionierten israelischen General und Politiker Gadi Eizenkot. Der wohl aussichtsreichste Konkurrent von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei den anstehenden Parlamentswahlen im Oktober, hatte erst im September vergangenen Jahres seine Partei Yashar gegründet.
»Wie kommt man bloß zu so einem Nachnamen?«, fragt ein Kollektivmitglied. »Der hätte meine Sportlehrerin Frau Klohocker heiraten sollen.« Tatsächlich würden diese Namen erst in Kombination ihre ganze Poesie entfalten. Der in Europa gängige Name Eizenkot oder Eisenkot entsprang allerdings wohl eher deutsch-österreichischer Beamtenlust an herabsetzender Verballhornung jüdischer Namen.
»Wenn zwei heiraten, die zufällig beide Schmidt heißen – dürfen die dann Schmidt-Schmidt werden?«
Überhaupt sind Doppelnamen geradezu ein eigenes literarisches Genre. Manche klingen nach Schlossbesitzern, wieder andere nach Biohof mit Hofladen. Historisch entstanden sie oft aus Erbschaftsgründen, um gerade bei Adligen Familienlinien und damit Besitz zusammenzuhalten. Seit der Reform des Namensrechts im Mai 2025 dürfen Ehepaare ihre Nachnamen nun offiziell zu einem echten Doppelnamen kombinieren. Vorher konnte nur ein Partner einen Doppelnamen führen, der andere musste sich für einen der beiden Namen entscheiden.
Namen verraten viel über Herkunft, Dialekte, Berufe oder Landschaften. Schmidt, Fischer, Becker erzählen von altem Handwerk, andere gehen auf Wohnorte oder Eigenschaften zurück. Und manche sind schlicht das Ergebnis jahrhundertelanger Lautverschiebungen, bis etwas entsteht, das heutzutage wie ein Kalauer klingt.
So wie Eizenkot. Der Name geht auf den marokkanisch-jüdischen Familiennamen Azencot zurück, aus der Berbersprache Tashelhiyt, wo azenko »Gazelle« oder »Reh« bedeutet – im übertragenen Sinn also auch »schön, elegant«. Klohocker wiederum ist ein alter süddeutscher Familienname, vermutlich von einem Handelsberuf abgeleitet, geklärt ist es nicht. Mit Sanitäranlagen hat er jedenfalls nichts zu schaffen.
»Ich finde ja, beim Thema seltsame Doppelnamen werden die gewöhnlichen unterschätzt«, wirft ein anderes Kollektivmitglied ein. »Wenn zwei heiraten, die zufällig beide Schmidt heißen – dürfen die dann Schmidt-Schmidt werden?« Die neue Regelung verbietet das jedenfalls nicht ausdrücklich.
Ein Redakteur sagt: »Würde mein Freund meinen Nachnamen annehmen, würde er genauso heißen wie mein Bruder.« Das wird er wahrscheinlich abwenden können, denn zum Thema Heirat fällt ihm nur ein schauderndes »Brrr« ein. Einem weiteren Kollektivmitglied ist etwas Ähnliches passiert: »Mein Schwager hat meinen Vornamen und hat den Namen meiner Schwester angenommen. Der heißt jetzt frecherweise so wie ich.«
Dass es auch poetisch geht, zeigte 2020 ein Paar aus Dorset: Keiran White und Tilly Christmas heirateten und waren fortan Mr and Mrs White-Christmas. Aber, wie das Paar verriet, mit der festen Absicht, ihre Tochter trotzdem nicht »Mary« zu nennen.