Machtspiel mit Menschenleben
Mindestens 40.000 Menschen aus Marokko, Algerien und anderen afrikanischen Staaten sind vergangenen Donnerstag in die spanische Enklave Ceuta gelangt. In den zurückliegenden 20 Jahren haben immer wieder Menschen, und auch größere Menschenmengen, versucht, die sich auf dem afrikanischen Kontinent befindenden Außengrenzen der EU in Ceuta und in der zweiten spanischen Exklave, Melilla, zu überwinden. Doch nie war dabei eine so große Zahl an Menschen in so kurzer Zeit in Bewegung. Über siebzig Menschen starben bei diesem Versuch, spanischen Medien zufolge rechnet die Polizei damit, dass noch weitere Leichen im Meer gefunden werden.
Ebenfalls erstaunlich ist, dass es der Regierung unter Spaniens sozialdemokratischem Ministerpräsident Pedro Sánchez gelang, fast alle der Angekommenen innerhalb von 48 Stunden weitgehend gewaltfrei wieder nach Marokko zurückzuschieben – obwohl so mancher EU-Staat Spanien sofort offen vorgeworfen hatten, die Angekommenen nach Europa »durchwinken« zu wollen. Ceuta und Melilla gehören zwar eigentlich dem Schengen-Raum an, doch genießen sie einen Sonderstatus, so dass eine Weiterreise nach Europa nicht ohne weiteres möglich ist. Die italienische Regierung forderte deshalb gar, Spanien aus der Schengen-Gemeinschaft auszuschließen.
Auffällig sei die Zunahme von Beiträgen in den sozialen Medien in den Tagen vor Donnerstag gewesen, deren Botschaft lautete: Der Weg in die EU ist offen, Spanien schiebt niemanden ab.
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