13.08.2026
Sommer ist Urlaubszeit

Homestory #33/2026

Auch die Redaktionsmitglieder Ihrer Lieblingszeitschrift brauchen gelegentlich Urlaub. Wo geht's denn so hin?

Auch im Gartenhaus vergeht die Zeit wie im Flug. Die neue autoritäre Linke, allerlei Landtagswahlen, die Entwicklungen im Iran und sowieso: Reformen, Reformen, Reformen … halten die Kollektivmitglieder ihrer Lieblingszeitung quasi nonstop auf Trab. Da passiert es schon mal, dass plötzlich August ist und man erstaunt feststellt: Ich habe ja noch gar keinen Urlaub gemacht. Also fix ein Reiseziel aussuchen, Bahn buchen und hoffen, dass der Zug auch fährt.

Andere Kollektivmitglieder scheinen da besser vorbereitet zu sein. »Ich mache seit zehn Jahren immer die zwei letzten Augustwochen Urlaub«, berichtet ein Kollege und hat sich sogar schon seine Urlaubslektüre zurechtgelegt. Eines der »bis jetzt« elf Bücher ist die Autobiographie von Grace Jones mit dem schönen Titel »I’ll Never Write My Memoirs«.

»Das Konzept Urlaub ist mir seit jeher unbekannt, denn Arbeiten bei der Jungle World ist wie Urlaub«, schreibt eine Kollegin.

Routine hilft offenbar. Bei der Kolumnistin ist klar, einmal im Jahr verreist sie mit ihren Tunten-Freundinnen. Deren Bedingung: Es muss ein schwuler Hotspot sein. Das macht die Zielsuche aber offenbar nicht einfacher. Gran Canaria ist der Kolumnistin mittlerweile zu öde, die Sturmfront auf Teneriffa ist dem Lippenstift nicht zuträglich und auf Mykonos sieht man quasi nur noch geschmacklose Tuntenfummel vom Online-Händler Ali-Express. In diesem Jahr wird es also kein schwuler Hotspot, sondern Lissabon. Mit dabei im Gepäck: »Die Chefin verzichtet« von Max Goldt.

Routine mag helfen, aber die Abwechslung macht es. »Ich würde gern mal wieder Urlaub ohne Kinder machen«, seufzt eine Kollegin. Ihr Urlaub im Juli war wohl fest in der Hand pubertierender Teenager. Ruhe fand sie demnach nur auf dem Balkon ihrer Ferienwohnung beim Lesen von Luther Blissets »Q«. Nicht ganz ohne Stolz ergänzt sie aber, ihr Sohn habe in diesem Urlaub angefangen, Bernd Langes »Antifaschistische Aktion« zu lesen.

»Das Konzept Urlaub ist mir seit jeher unbekannt, denn Arbeiten bei der Jungle World ist wie Urlaub«, schreibt eine Kollegin, und »schlafen kann ich, wenn ich tot bin.« Das erntet ein Augenrollen des Kollegen, der fast seinen Urlaub vergessen hätte, bis ihm einfällt, dass die Kollegin sich ja gerade im Urlaub an einem bayerischen Bergsee befindet und wohl ein wenig Ironie im Spiel war. Bei so viel demonstrativer Arbeitsmoral bleibt dem Kollegen nur, ihr einen schönen Urlaub zu wünschen. Er verlässt nun selbst das Gartenhaus und freut sich bereits auf die Berge, auf Schnitzel und Kaiserschmarrn, auf die Biographie von Karl Nagel, Initiator der Chaostage und ehemaliger APPD-Kanzlerkandidat, und vor allem darauf, für eine ganze Weile nicht in Berlin zu sein.