Wind of Change
Abgeordnete des schottischen Parlaments konnten es noch als Kuriosität werten, dass Donald Trump ihnen auf die Frage nach Belegen für die schädliche Wirkung von Windrädern beschied: »Ich bin der Beweis.« Das war 2012. Sechs Jahre zuvor hatte Trump einen Golfplatz in Aberdeenshire gekauft und umgehend den Kampf gegen eine in der Nähe geplante Offshore-Windkraftanlage begonnen. Er beschwerte sich beim Besuch in Schottland 2025 über die »hässlichen« Windräder, die trotz seiner Bemühungen gebaut worden waren.
Als Präsident der USA hat Trump natürlich bessere Möglichkeiten, dort gegen Offshore-Windkraftanlagen vorzugehen. Ein »Vergleich« über den Verzicht auf drei für den Bau von Windrädern in den USA gepachtete Gebiete »erledigt die Rechtsansprüche von RWE U.S. Offshore und sieht Ausgleichszahlungen in Höhe von 1,22 Milliarden US-Dollar vor«, teilte das Unternehmen am 6. August mit. RWE erhält damit in etwa bereits gezahlte Pachtgebühren zurück. Eine großzügige Entschädigung dafür, ein großes Projekt aufzugeben, ist das nicht, dennoch möchte man Trump nicht dadurch kränken, mit dem Geld anderswo Offshore-Windkraftanlagen zu finanzieren. Vielmehr erwirbt die Tochtergesellschaft RWE Americas für 900 Millionen US-Dollar eine indirekte Beteiligung an einem Flüssiggasprojekt in Louisiana und für 300 Millionen US-Dollar »die Reservierung von Gasturbinenkapazitäten«. Man investiert also fast genau die erhaltene Summe in fossile Energie, auch wenn die Website weiter unverdrossen behauptet, es handele sich um »ein führendes Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien in den USA«. Einem ähnlichen Vorschlag hatte Total Energies im März zugestimmt, aus dem Investitionsvolumen von einer Milliarde US-Dollar des französischen Konzerns flossen 928 Millionen in die Gas- und Ölproduktion.
Man investiert also fast genau die erhaltene Summe in fossile Energie, auch wenn die Website weiter unverdrossen behauptet, es handele sich um »ein führendes Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien in den USA«.
Es wäre noch nachvollziehbar, dass beide Konzerne die juristische Auseinandersetzung mit einer Regierung scheuen, die missliebige Gerichtsbeschlüsse gern ignoriert, und sich lieber auszahlen lassen. Doch sie wollen im Geschäft bleiben und unterstützen Trumps Sabotage der Klimapolitik – die auch ein Kampf gegen demokratisch regierte Bundesstaaten ist. »Wir wehren uns, um diese illegale Vereinbarung zu stoppen, die mehr als 1.000 Arbeitsplätze von organisierten Gewerkschaftern zu vernichten droht und Millionen von New Yorkern um saubere, bezahlbare Energie betrügt«, erklärte die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates New York, Letitia James, zum Vertrag mit Total Energies, gegen den sieben Bundesstaaten klagen.
Dass Trump unermüdlich, zuletzt bei einer Pressekonferenz am 3. August, gegen Windenergie hetzt (»Jedes Land mit Windmühlen ist ein Verlierer«), sollte als Absichtserklärung ernst genommen werden. Die EU und Großbritannien dürften das nächste Ziel sein. Dort beheimatete Unternehmen sind, wie das Beispiel von RWE zeigt, leicht zu gewinnen, und die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) befand im März bei der Cera Week, einer Konferenz der Öl-und Gaslobby in Texas, die EU solle ihre Klimaziele »flexibler« handhaben.