13.08.2026
»Einmal mehr mit dir gegen die Furcht« von Klez.e

Zeitreise in die Achtziger

Die Berliner Band Klez.e macht keinen Hehl aus ihren Vorbildern, was man ihrer neuen Platte auch anhört.

Künst­ler:in­nen, die von ihrer Musik behaupten, dass sie partout keine Vorbilder habe, sollte man misstrauen. Aber es gibt auch Bands, die aus ihren Einflüssen kein Geheimnis machen. So gehen Klez.e offen damit um, dass sie musikalisch in der Tradition von Robert Smith stehen. Wenn die Berliner Band nicht auf Deutsch texten würde, gäbe es bei manchen Songs fast Verwechslungsgefahr. Ihr 2017 erschienenes viertes Album heißt sogar »Desintegration«, eine sehr direkte Anspielung auf The Cures fast gleichnamigen Meilenstein von 1989.

Wenn die Berliner Band nicht auf Deutsch texten würde, gäbe es bei manchen Songs fast Verwechslungsgefahr.

Schwermut, Endlichkeit und Melancholie werden auch auf »Einmal mehr mit dir gegen die Furcht«, dem sechsten Album von Klez.e, verhandelt. Doch die Stimmung ist heiterer, als das Album­cover suggeriert, auf dem eine junge Frau mit einem Skelett Händchen zu halten scheint. Dieses Mal gibt es »ein Licht, das auf uns scheint für diese superkurze Zeit«. Poppige Lieder in der Manier von The Cures »Friday I’m in Love« sucht man vergeblich, doch ­dafür ist das Sommerabschiedslied »Melancholia« ein im Kern optimistischer Lovesong mit eigenwilliger Poesie geworden, der etwas Kitsch wagt: »Du bespritzt mich mit deiner Leichtigkeit und ich bin wirklich sicher, dass mir das schon reicht«, singt Tobias Siebert hier.

Dessen Gitarre und Daniel Moheits Synthesizer streben wieder Zeitreisen in die Achtziger an. Atmosphärisch besonders dicht ist das »Mailied«, eine Melange aus New Wave und Shoegaze, während »Call It Love« klingt wie New Order zur Zeit von Peter Hook. »Ist Freiheit nur ein Wirtschaftswunder?«, heißt es dort. Anderswo geht es um redundante Parolen, Selbst- und Gesellschaftskritik. Nicht nur deshalb riskiert das Trio nie, wie ein reiner Abklatsch von The Cure zu wirken – was aber, um ehrlich zu sein, auch gar nicht so schlimm wäre.

 

Klez.e: Einmal mehr mit dir gegen die Furcht (Windig)