Der Snitch vor Gericht
Die Bilder aus dem Gerichtssaal wirken, als könne es der 63jährige Angeklagte im Mordfall Tupac Shakur, Duane »Keefe D« Davis, nicht glauben, dass er wegen dieser alten Geschichte hinter Gitter soll. Davis war eine Unterweltgröße im kalifornischen Gang-Milieu der Achtziger und Neunziger. Als Führungsfigur der Drogenbande »South Side Compton Crips« zog er im blutigen Revierkampf zwischen »Crips« und »Bloods« die Fäden, der damals mit den Konflikten in der HipHop-Szene zwischen »East Coast« und »West Coast« vermischt war. Der Mord an dem Rapper Tupac Shakur, der aus einem vorbeifahrenden Cadillac im September 1996 in Las Vegas von vier Kugeln getroffen wurde, war der Höhepunkt des Konflikts zwischen Shakurs Label Death Row Records (West Coast/Bloods) und dem Label Bad Boy Records (East Coast/Crips). Aufgrund dieser Fehde sowie Zeugenaussagen fiel der Verdacht auf die Crips und ihren Anführer Davis.
In dem Buch »Compton Street Legend« (2019) schildert Davis, wie er dem Schützen die Waffe anreichte. Das Buch gilt als Beweismittel, auch wenn die Verteidigung erklärt, es sei nur »Entertainment«.
30 Jahre nach dem Drive-by-Shooting steht er als mutmaßlicher Auftraggeber in Las Vegas vor Gericht. Ironischerweise, weil er den Ermittlern seine Täterschaft regelrecht unter die Nase rieb. In dem Buch »Compton Street Legend« (2019) schildert er, wie er dem Schützen die Waffe anreichte. Das Buch gilt als Beweismittel, auch wenn die Verteidigung erklärt, es sei nur »Entertainment«.
Aufgewachsen in Compton, baute Davis ein milliardenschweres Kokain-Imperium auf. Als es 2008 eng für ihn wurde, kooperierte er mit den Behörden, um der Haftstrafe wegen Drogenhandels zu entgehen. Von einer »Proffer-Vereinbarung« mit der Staatsanwaltschaft, die ihm Immunität zusicherte, wähnte er sich offenbar umfassend geschützt. Warum also nicht den Fall Tupac Shakur monetarisieren? Als »Geschäft seines Lebens« bezeichnete er laut CNN die Immunitätszusage: »Ich hätte niemals ein Wort gesagt, wenn sie mir nicht so ein süßes Angebot gemacht hätten.« Es war vermutlich eine Falle. Dass der Schutz endet, sobald er seine Aussagen in der Öffentlichkeit ausbreitet, darüber belehrt ihn nun die Justiz.
»Don’t snitch«, »petze nicht«, besagt der Ehrenkodex des Gangstertums. Davis hat ihn gebrochen, Shakur bis zuletzt daran festgehalten. Dem Polizisten, der ihm nach den Schüssen zu Hilfe eilte, soll er die Antwort auf die Frage nach dem Täter verweigert haben. Das Urteil wird für September erwartet.