20.08.2026
Kampf für bessere Arbeitsbedingungen

Organisiert euch, ihr Drückeberger

Eine Studie hat ergeben, dass Beschäftigte es mit der Arbeitszeiterfassung im heimischen Büro nicht ganz so genau nehmen.

Seit ein Knilch auf Tiktok einen Song drüber gemacht hat, kennen alle zumindest den Begriff: »Arbeitszeitbetrug«. Früher hieß das »Lockermachen« oder »Bummelstreik« und war wahrscheinlich gang und gäbe. Heute ist es ein Grund für eine fristlose Kündigung. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeit geschummelt hat: Pausen nicht eingetragen, öfter rauchen gegangen, auf dem Klo stundenlang »Quizduell« gespielt? All das kann als Betrug gelten, sofern es sich um mehrere Stunden nicht ­geleisteter Arbeit während vereinbarter Arbeitszeiten handelt.

Hierzulande geben 31 Prozent an, keine einzige Minute der offiziellen Arbeitszeit mit nichtberuflichen Tätigkeiten zu verbringen. In Frankreich und Italien sagen das jeweils nur zehn Prozent.

Vor allem im Home­office wittern Vorgesetzte den Schlendrian. Eine Yougov-Studie zeigt, dass es viele Eu­ropäer:in­nen tatsächlich nicht so ernst mit der Arbeit zu Hause nehmen. Befragt wurden über 5.000 Personen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich. Demnach mogeln vier von fünf der Befragten im Homeoffice. Die Deutschen sind freilich am pflichtversessendsten. Hierzulande geben 31 Prozent an, keine einzige Minute der offiziellen Arbeitszeit mit nichtberuflichen Tätigkeiten zu verbringen. In Frankreich und Italien sagen das jeweils nur zehn Prozent.

Besonders junge Leute steigern ihren Stundenlohn mit eigenverantwortlicher Arbeitszeitverkürzung. Bei den 15- bis 29jährigen geben 38 Prozent an, sich täglich mehr als eine Stunde mit Dingen wie Social Media, Online-Shopping, Telefonieren oder Sport zu beschäf­tigen. Bei den 45- bis 59jährigen sind es nur 22 Prozent.

Aber Vorsicht: Auch Betrug sollte gut gemacht sein. Anfang 2025 entschied das Landesarbeitsgericht Köln zugunsten eines Verkehrsbetriebs. Ein Fahrkartenkontrolleur, der seine Arbeitszeit bei seiner Freundin, in Cafés oder beim Friseur verbracht hatte, durfte fristlos gekündigt werden. Außerdem musste er die Kosten für einen Detektiv in Höhe von 21.000 Euro übernehmen.

In den sozialen Medien boomt derweil das Thema. User bejubeln die Lifehacks und verehren die Schlawiner. Influencer feiern den verlängerten Klogang wie Schulkinder. Für El Hotzo ist der Arbeitszeit­betrug »die kleinste Form der Rebellion«.

Klar kann man sich über das bisschen Aufmüpfigkeit in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft freuen. Direkte Aktionen sind es aber nicht, die Kol­leg:in­nen sind weder organisiert noch sprechen sie sich ab. Der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen kann nicht allein auf der Damentoilette gewonnen werden. Sobald der Arbeitszeitbetrug aber zu einer kollektiven Handlung wird, kann sie politische Wirkmacht bekommen.