27.08.2026
Ska in Potsdam

Der analoge Mann

Aus Kreuzberg und der Welt: Im Ska-Fieber

»Andi, haben eigentlich alle Ska-Bands Songs gegen Homophobie?«, fragt mich Rebecca während des Auftritts der finnischen Ska-Band Kerjääjät. Die Frage spielte darauf an, dass vor den Finnen bereits die Berliner Ska-Band Hatless Cat einen Song gespielt hatte, der sich gegen Homophobie richtete. »Ich denke nicht«, versuche ich zu erklären: »Das hat speziell mit diesen zwei nichttraditionellen, linken Bands zu tun, die zudem in ihren Landessprachen singen. Das ist wie bei vielen Punkbands, da gehört, gegen Homophobie zu sein, einfach dazu.«

Rebecca sagt nichts mehr. Vielleicht war ihre Frage auch ironisch, bei ihr weiß man das nie so genau. Wir tanzen weiter.

Am Ende habe ich mir am Merch-Stand eine Ska-Platte und ein Ska-T-Shirt gekauft, obwohl ich gar kein Ska-Fan bin.

Julias Arbeitskollege Mathias spielt in der Berliner Band Hatless Cat Bass. Um ihn zu unterstützen, sind wir mit weiteren Arbeitskollegen am Freitagnachmittag nach Potsdam ins Kulturzentrum »Archiv« gefahren. Dort hat es mir sehr gut gefallen. Zuletzt war ich vor zwanzig Jahren dort. Überhaupt war der ganze Abend schön. Am Ende habe ich mir am Merch-Stand eine Ska-Platte und ein Ska-T-Shirt gekauft, obwohl ich gar kein Ska-Fan bin.

Die Split-EP von Hatless Cat und Kerjääjät, eine 12-Inch-Scheibe mit acht Songs, ist ein klassisches DIY-Produkt. Die Finnen waren live etwas punkiger und aggressiver als die Berliner, klingen aber auf der Platte überraschend raffiniert und sehr gut produziert. Finnisch ist ja sowieso schon eine Novelty-Sprache. Zusammen mit dem pfiffigen Ska ist das mächtig weird. Das ist abseitige Musik, wie ich sie liebe. Ich bin richtig begeistert! Das Gleiche gilt für Hatless Cat. Sie haben mehrstimmigen Frauengesang und mischen Ska mit Tango. Und mit Schlager. Ska-Schlager!

Zu Hause höre ich ja fast nur noch Schlager. Aber nur Schlager, die niemand kennt, wie zum Beispiel auch eine kleine Sammlung Blue-Beat-Singles der sechziger Jahre. Deutsche Schlager, die auf den ersten Ska-Zug aufsprangen. Mega lustig! Hatless Cat schließen hier an und sind doch vollkommen frei von Traditionalismus.