27.08.2026
Erreichbarkeit und Antwortzwang

Homestory #35/2026

Anlässlich einer Störung beim E-Mail-Provider gerät die Redaktion ins Grübeln über die ständige Erreichbarkeit und den Antwortzwang in der digitalen Kommunikation.

»Leistungsprobleme« meldete in der vergangenen Woche Mailbox.org, wenn man versuchte, an sein Postfach zu kommen. Mal ging’s, dann wieder nicht. Kol­leg:in­nen, die den Maildienst benutzen, konnten die Korrespondentenberichte nicht abrufen. Pünktlich zur verabredeten Deadline aus irgendeinem Winkel der Welt verschickt, aber in der Redaktion war der brandheiße Stoff leider nicht verfügbar. Jedenfalls nicht auf Anhieb. Später, vielleicht.

Jemand drohte, vor Wut seinen Laptop gegen die Wand zu werfen. Zügige Kommunikation mit Autor:innen, Verlagen und Pressestellen – fürs Zeitungsmachen so wichtig!

Ignorieren, ghosten, prokrastinieren – wer macht so was überhaupt und warum?

Aber nicht immer ist die Technik schuld, wenn die digitale Kommunikation ins Stocken gerät. »Nicht antworten ist das neue Nein« heißt es in einem alten, aber immer noch ziemlich lustigen und aktuellen Song von Maurice&die Familie Summen über das Elend mit der digitalen Kommunikation. In dem dazugehörigen Video werden luftmatratzengroße Handy-Attrappen durch Berlin getragen und immer verzweifeltere Appelle an die Menschheit gerichtet, bitte mal ans Telefon zu gehen, eine Nachricht zu schreiben, ja oder nein zu sagen oder überhaupt irgendein Feedback zu geben, damit man in der Aufmerksamkeitsökonomie nicht wie der letzte Trottel dasteht.

Ignorieren, ghosten, prokrastinieren – wer macht so was überhaupt und warum? Im Kolleg:innenkreis wird mit der Masse an Mails, Posts, Anrufen unterschiedlich umgegangen. Eine Kollegin wünscht sich kurze Mitteilungen, verflucht alle, die lange Romane schreiben, statt zum Punkt zu kommen, und würde gerne nur noch mit Memes und Emojis kommunizieren. Ein Kollege warnt davor, unangenehme E-Mails einfach liegenzulassen, weil die Konsequenzen noch viel unangenehmer sein können. Eine Flut von Follow-up-Mails ist noch das geringste Problem. »Ich stimme dem Song zu«, meint ein anderer Kollege. »Wenn man lange braucht, um zu antworten, dann will man in der Regel auch nicht.«

Eigentlich hat man hier den Anspruch, freundlich, klar und schnell auf Anfragen zu antworten, aber eine Kollegin gibt zu: »Aufschieben ist manchmal ja die beste Variante, denn oft erledigen sich die Dinge auch von selbst. Dennoch versuche ich, immer auf Mails und Nachrichten zu reagieren.«

In diesem Sinne: Schreiben Sie uns, wir antworten – sofern es nicht gerade, »Leistungsprobleme« gibt.