Jungle+ Artikel 27.08.2026
Gelungener Debütfilm von Kai Stänicke

Kein Heimatfilm

Kai Stänickes Spielfilm »Der Heimatlose« ist ein historisches Drama im späten 19. Jahrhundert, das den Konflikt mit der eigenen Herkunft wie im Brecht-Theater verhandelt.

Eine fiktive Insel in der Nordsee gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Hein (Paul Boche) kehrt nach 14 Jahren auf das Eiland zurück, das für ihn Heimat ist. Doch in dem Dorf, dem er den Rücken gekehrt hatte, scheint ihn niemand zu kennen. Die Einwohner, die als eingeschworene Gemeinschaft auftreten, sehen in dem jungen Mann in Festlandstracht einen Fremden. Seine Mutter Mechthild (Irene Kleinschmidt) ist als Zeugin unzuverlässig, da sie an Altersdemenz leidet. Und der Freund aus Kindertagen, Friedemann (Philip Froissant), streitet ab, dass Hein derjenige ist, der das Eiland einst für ein Studium auf dem Festland verlassen hat. Dabei sollen er und Hein stets unzertrennlich gewesen sein. Am ehesten glauben noch Heins Schwester Heide (Stephanie Amarell) und die einst zur Freundin auserkorene Greta (Emilia Schüle) die Geschichte von einem, der ausgezogen war, die Welt zu erobern, und nun zurück ist, um zu bleiben. Jedoch sind die Ehemänner und Familienväter vom Engagement ihrer Frauen für den Auswärtigen wenig angetan.

Trotz der Ablehnung, die ihm entgegenschlägt, meint Hein, dass er ein Recht habe, auf der Insel zu bleiben. Schließlich sei sie seine Heimat. Um die mysteriöse Geschichte aufzuklären, will die Dorfvorsteherin Gertrud (Julika Jenkins) ein dreitägiges Tribunal abhalten. Der freundlich unterbreitete Vorschlag kommt einer Vorladung gleich, der Hein sich nicht widersetzen kann. Durch den Abgleich seiner Erinnerungen mit denen der Dörfler soll er der versammelten Gemeinde beweisen, dass er der­jenige ist, der er zu sein vorgibt. Gelingt ihm das, darf er bleiben, anderenfalls muss er gehen.

Der experimentelle Aufbau verspricht, verallgemeiner­bare Ergebnisse zu einem Thema zu finden, das bewegt wie wenige andere: Es geht um die Frage, was Heimat ist und was sie mit der eigenen Identität zu schaffen hat.

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