Jungle+ Artikel 03.09.2026
65 Jahre »Perry Rhodan«

Deutsche Weltraumphantasien

Die seit 65 Jahren wöchentlich erscheinenden »Perry Rhodan«-Heftromane erreichten lange eine Millionenauflage. Anfangs erinnerte der namensgebende Weltraumheld noch an einen faschistoiden Führer, doch hat sich die erfolgreichste Science-Fiction-Serie der BRD über mehr als 5 000 Romane hinweg immer wieder weiterentwickelt und die Zeitgeschichte gespiegelt.

Als der »Jerry Cotton«-Autor Werner Höber 1996 starb, reminiszierte Harald Schmidt, dass sich sein Schulhof in »Cotton«- und in »Perry Rhodan«-Leser aufgeteilt habe. (Gemeint waren ziemlich sicher nur die Jungs.) Und er, Schmidt, habe Cotton gelesen, die seit den fünfziger Jahren laufende erfolgreichste Pulp-Krimi-Serie der Bundesrepublik. Sein Resümee: »Aus den Cotton-Leuten ist was geworden, die Rhodan-Jünger haben Maschinenbau und Elektrotechnik studiert.«

Der Fernseh-Literaturkritiker Denis Scheck dagegen gestand 2011: »Perry Rhodan ist stärker für meine literarische Sozialisation verantwortlich als alles andere.« Scheck hat weder Maschinenbau noch Elektrotechnik studiert. Man kann ihm freilich attestieren, wie Schmidt hinsichtlich Humor und Geschmack nicht ganz unumstritten zu sein.

Damals waren Romanhefte allgegenwärtig. Sie waren manchmal so schlecht wie ihr Ruf, manchmal nicht.

Was beide auch gemeinsam haben: Ihre Jugend lag in der alten Bundes­republik, zwischen Willy Brandt und Helmut Kohl, als diese Dinge eben wichtig waren. Jerry Cotton oder Perry Rhodan – mit wem hältst du’s?

Damals waren Romanhefte allgegenwärtig. Sie waren manchmal so schlecht wie ihr Ruf, manchmal nicht. Sie erschienen wöchentlich oder alle vierzehn Tage, meist mit wiederkehrenden Titelhelden: John Sinclair, Jerry Cotton, Stefan Frank (der Arzt, dem die Frauen vertrauen). Mancher nannte sie Groschenhefte, aber das war ein Begriff, der noch aufs Kaiserreich zurückging, als vergleichbare Hefte wirklich nur zehn Pfennige kosteten. Gemeint war damit immer: Sie kosten weniger als ein Buch, bieten aber eine vergleichbare Menge Entertainment.

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