03.09.2026

Homestory #36/2026

Wir möchten aus gegebenem Anlass an dieser Stelle einen bekannten deutschen Patrioten der Gegenwart zitieren. Im Jahr 2019 sagte er in Markus Lanz’ gleichnamiger Talksendung das, was deutsche Patrioten so sagen: »Die Leute, die Anschläge auf Asylunterkünfte machen, waren überwiegend, jedenfalls die festgestellten Tatverdächtigen, keine Rechtsextremisten, waren keine Nazis. Das waren Leute gewesen, die gehörten eigentlich zur bürgerlichen Mitte, die haben sich radikalisiert.« Wer rechtsextreme Dinge tut, ist also deswegen noch lange kein Rechtsextremer.

Sagen wir es mal so: Das ist eine eigenwillige Sicht der Dinge. Nicht völlig ausgeschlossen, dass unser deutscher Patriot es mit seinem Patriotismus ein bisschen arg weit getrieben hat. Zumindest deuten auch andere Aussagen von ihm darauf hin.

Der Patriotismus unseres deutschen Patrioten ist also, wenn man so will, ein bisschen eskaliert. Das kann ja manchmal schnell gehen hierzulande.

Der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan J. Kramer, warf unserem deutschen Patrioten zum Beispiel sogar einmal die Verwendung »klassischer antisemitischer Stereotype« vor. Überdies ist bekannt: In einem im Jahr 2020 publizierten Aufsatz für das US-Magazin Telos, den unser Patriot mitverfasst hatte, finden sich dem Soziologen und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent zufolge »Kernelemente des intellektuellen Rechtsextremismus«. Und: Unser deutscher Patriot lobt auch schon mal »einen von Verschwörungsideologen geführten Youtube-Kanal«, dessen Betreiber »dem Reichsbürger-Spektrum zuzurechnen sind« (Tagesspiegel). Kurz: Unser Patriot »verbreitet rechte Narrative« (Tagesspiegel) und ist »Teil des neurechten Milieus« (so der Historiker Volker Weiß).

Der Patriotismus unseres deutschen Patrioten ist also, wenn man so will, ein bisschen eskaliert. Das kann ja manchmal schnell gehen hierzulande. So mag sich auch erklären, dass unser Patriot möglicherweise nicht immer ein ruhiges Händchen hat, was die fach- und sachgerechte Einordnung von politischen Phänomenen angeht. Kürzlich erschien auf seiner Facebook-Seite etwa ein überaus wirres Buchstabenkonvolut über »die Antideutschen«. Bei diesen, so erfuhr man dort, handele es sich um oft »aus belasteten Familien« stammende Menschen, die empörenderweise jene Sorte Patriotismus, die unser deutscher Patriot pflegt, ablehnten. Doch die niederträchtige Höllenbrut will nicht nur den deutschen Volkstod, es ist weitaus schlimmer: »Einige der maßgeblichen heute im Mainstream wirkenden ›Rechtsextremismusexperten‹ entstammen nachweislich dieser gefährlichen linksextremistischen Endzeit- bzw. Selbstmordsekte.«

Und nun, liebe Leserinnen und Leser, kommt überraschend Ihre possierliche kleine Lieblingswochenzeitung ins Spiel. Denn, heißt es in dem Post weiter, das mächtige »zentrale Publikationsorgan« dieser Selbstmordsekte sei die Jungle World. Das »menschenverachtende ›Antideutschtum‹«, so heißt es weiter, hätte es von dieser kleinen Redaktion aus »in den Mainstream geschafft«: »Den Zeitungen, bei denen sie heute arbeiten und ihre zerstörerische Ideologie verbreiten, ist bekannt, dass sie bei der Jungle World ihre ­publizistische und ideologische Heimat haben. Das ist offensichtlich egal, man gibt ihnen trotzdem weitreichende Plattformen, von denen aus sie das Land und seine Leute ›kaputtschreiben‹. Das muss aufhören.«

Der engagierte deutsche Patriot, von dem hier die Rede ist, heißt Hans-Georg Maaßen. Von 2012 bis 2018 leitete er das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Wir machen jetzt erst mal im Keller mit dem Bau unseres Bunkers weiter.