Neuer deutscher Herbst – der Trend geht zum Braun
Montag, 15 Uhr und damit höchste Zeit, die dieswöchige Kolumne zu verfassen, beziehungsweise dieses Land und seine Leute kaputtzuschreiben. Womit wir zu Marienkäferchen, Bienchen und Blümchen kommen, die bald alle nicht mehr da sein werden, was sehr traurig ist, aber so ist das nun mal im Herbst. Alles tot, und dazu Matschwetter.
Sowie: traditionell scheußliche Herbstmode, im vorliegenden Fall Karoröcke, Schulterpolster, Denim-Optik, das ganze Elend in praktisch allen vorstellbaren abscheulichen Farben.
Bloß keine Butterfeindlichkeit, also nehmen wir einfach hin, dass selbst die FDP gelber ist als die superschicke Butterfarbe.
»Von Schokobraun bis Mokka bleibt Braun die wichtigste Grundfarbe für Mäntel, Hosen und Accessoires«, heißt es dazu in Fashion-Magazinen, wozu es viel zu sagen gäbe, aber bloß keine Schmähkritik, deswegen lassen wir das besser. Womit wir zu den angesagten Rottönen des Herbstes kommen, die im Prinzip nichts mit der knalligen Farbe zu tun haben, die man gemeinhin darunter versteht, sondern, euphemistisch Bordeaux genannt, im Prinzip Rotbrauntöne sind.
Was immerhin gut zur Gesamtsituation passt, aber lieber nicht drüber reden, könnte ja sein, dass irgendjemand es einem übelnimmt, deswegen besser zum trendy Buttergelb kommen. Tztztz, jede Butter mit auch nur rudimentärer Selbstachtung würde sich erschießen, wenn sie so aussähe, aber bloß keine Butterfeindlichkeit, also nehmen wir einfach hin, dass selbst die FDP gelber ist als die superschicke Butterfarbe, gemein zur FDP zu sein, geht nämlich. Oder vielleicht auch nicht?
Egal, kommen wir zu den hippen Grünfarben, die in diesem Jahr aus Khaki-, Olive-, und Moostönen bestehen und die allesamt kein Umgang beziehungsweise kein Anblick sind, weswegen man den Herbst wohl am besten zu Hause oder unter nicht modisch bescheuert gewordenen Leuten verbringt. Draußen sein und durch missfarbene Blätterleichen zu stapfen und wie Blätterleichen angezogene Menschen anzugucken, ist jedenfalls kein guter Herbstvertreib, aber vielleicht wird alles ja im Frühjahr besser, wenn es neue Marienkäferchen, Bienchen und Blümchen gibt.
Und neue Trendfarben.