Jungle+ Artikel 10.09.2026
Wahl-Inszenierung in Russland

Die Farce der Duma-Wahl

In der kommenden Woche wird in Russland gewählt. Eine unabhängige Wahlbeobachtung findet nicht statt, die zentrale Wahlkommission ist alles andere als unparteiisch. Kritische Kandidaten und die liberale, gegen den Ukraine-Krieg auftretende Partei Jabloko wurden bereits von der Wahl zur Duma ausgeschlossen.

Frontkämpfer dürfen schon seit Ende August ihre Stimme abgeben, der Rest der russischen Bevölkerung muss noch ein paar Wochen warten: Vom 18. bis 20. September findet in Russland die Wahl zum Unterhaus des Parlaments, der Duma, statt. Die bislang letzten Wahlen zur Duma fanden 2021 statt, vor Beginn der Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022. Trotz andauerndem Krieg und heftigen Drohnenattacken besteht die russische Führung zur formalen Legitimierung ihrer Herrschaft auf der Wiederholung dieses alle fünf Jahre abgehaltenen ­Wahlrituals. Gewählt werden gleich­zeitig Parlamente in 39 Regionen, in acht ­Regionen stehen zudem Gouverneurswahlen an.

Von auch nur ansatzweise freien Wahlen zu sprechen, wäre reiner Hohn. Die russische Präsidialverwaltung wird wohl, wie die Male zuvor, dafür Sorge tragen, dass am Ende ein dem Kreml genehmes Wahlergebnis herauskommt. Zur Verfügung steht ihr ein ganzes Arsenal passender Instrumente – von einer willfährigen zentralen Wahlkommission über die Nichtzulassung kritischer Kandidat:innen bis hin zu ­einer fehlenden unabhängigen Wahlbeobachtung. Nicht zu vergessen: die diesmal in über einem Drittel der Regionen vorgesehene digitale Abstimmung, die konventionelle Prak­tiken zur Manipulation von Wahlergebnisse um eine von außen per se nicht nachvollziehbare Form ergänzt. Im ­Übrigen spart der Staat in diesem Jahr bei den Mitteln für die Durchführung der Wahl – das Geld wird für die teure Kriegsführung benötigt. Auch haben die Parteien ihre Ausgaben stark ­gesenkt.

Die Wahlen sollen nach Ansicht der russischen Führung keinesfalls als Anlass dienen, dem in Teilen der Gesellschaft wachsenden Frust über die negativen Folgen des Kriegs Raum zu geben.

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