Jungle+ Artikel 10.09.2026
Denkmalschutz im Krieg gegen die Ukraine

»Es gibt in der Ukraine keinen sicheren Ort mehr«

Die westukrainische Stadt Lwiw liegt Hunderte Kilometer von der Front entfernt, doch auch hier schlagen russische Drohnen und Raketen ein. Denkmalschützer versuchen, das historische Erbe der Stadt vor dem Krieg zu schützen.

Lwiw. An den 24. März erinnern sich Jeli­saweta Bobrowa und ihre Kollegin ­Roksoljana Holowata noch genau. Die beiden Forscherinnen vom Zentrum für Stadtgeschichte Ostmitteleuropas veranstalteten gerade ein Seminar in den Räumen des Instituts in der Innenstadt von Lwiw, als plötzlich die Luft­alarmsirene losheulte. Sie schauten sich damals kurz verwundert an. Luft­alarme waren bis dahin in Lwiw im Westen der Ukraine nur selten zu hören, vor allem tagsüber. Doch dann entschieden sie, in den Schutzraum im Keller des alten Wohnhauses zu gehen. Es sollte die richtige Entscheidung sein.

»Wenig später hörten wir einen ­extrem lauten Knall«, erinnert sich ­Bobrowa zwei Monate später, »und da wussten wir, es muss in der Nähe etwas eingeschlagen sein.« Kurz darauf heulten auch schon Rettungswagen und ­Polizeiautos durch die Lwiwer Innenstadt. Auf sozialen Medien veröffentlichte Videos zeigen, wie eine russische Shahed-Drohne in ein Haus mitten in der Altstadt von Lwiw einschlägt. Nur knapp verfehlt sie die benach­barte St.-Andreas-Kirche aus dem 17. Jahrhundert.

Jaroslaw Basylewytschs gesamte Familie starb, als im September 2024 eine russische Hyperschall­rakete vom Typ Kinschal in ihr Wohnhaus in der Lwiwer Innenstadt einschlug.

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