Jungle+ Artikel 17.09.2026
Eine wichtige Stimme für afghanische Queers

Geflohen, um sich zu verstecken

Weil er queer ist, musste Najib Faizi aus seinem Heimatland Afghanistan fliehen. Die Queerfeindlichkeit verfolgt ihn bis nach Deutschland.

Najib Faizi merkte früh, dass er anders war als die Kinder in seinem Umfeld. Er ist in Kandahar, der drittgrößten Stadt in Afghanistan, aufgewachsen und lebt mittlerweile in Hamburg. Im Gespräch mit der Jungle World erinnert er sich, er habe als Kind nicht wie sein Vater, sondern lieber wie seine Mutter sein wollen. Abends habe er heimlich ihren Lippenstift und Kajal aufgetragen; morgens, bevor er in die Schule musste, habe er alles wieder abgewaschen. »Ich habe mich immer so wohlgefühlt, wenn ich geschminkt war.« Eines Morgens habe er vergessen, sein Gesicht zu waschen und sich mit roten Lippen und dickem Lidstrich auf den Weg zum örtlichen Bäcker gemacht – ein Skandal in der Nachbarschaft. Doch die hätte auch davor schon über ihn geredet. »Meine Eltern, die Schule, die Nachbarn, sie alle hatten Probleme mit mir, weil ich so feminin war.« Als er an diesem Tag von der Schule nach Hause gekommen sei, habe sein Vater, ein in der Gegend geachteter Mullah, bereits auf ihn gewartet. Eine Narbe erinnert noch immer an dessen Prügel.

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