„Aber natürlich ist meine Botschaft dass wir Antisemitismus nicht dulden und für die jüdischen Studierenden da sein wollen aber auch für die palästinensischen, die täglich Angehörige verlieren.“
Warum eigentlich dieses Aufwiegen der einen gegen die anderen? Als wäre das Leid der einen mit dem der anderen irgendwie zu verrechnen. Derartiges gegenseitiges Ausspielen soll letztlich vermeintliche Äquidistanz der Hochschulleitung legitimieren, der es wiederum nur um ihre eigenen Befindlichkeiten geht, und lässt die „Botschaft dass wir Antisemitismus nicht dulden“ ins Leere laufen.
Es sind zwei unterschiedliche Sachverhalte, die Rauch hier miteinander verquickt: Auf der einen Seite der Antisemitismus, dem jüdische Studenten und als solche halluzinierte Menschen in der und um die Uni herum ausgesetzt sind, auf der anderen Frust, Ärger und Trauer palästinensischer Studenten (eigentlich auch jüdischer Studenten mit Angehörigen in Israel, nur dass dies gar nicht mehr erwähnt wird!) ob des Todes von Angehörigen in Nahost, die jedoch mitnichten täglich Mobbing, Morddrohungen und potentieller Gewalt an der Uni ausgesetzt sind.
Klar kann man für beide Gruppen - und im übrigen auch für alle anderen Studenten mit wie auch immer gearteten Problemen, die aber bezeichnenderweise nicht erwähnt werden - „da sein“, was auch immer diese kostenlose Phrase konkret bedeuten soll, ob nun in Form von Seelsorgestunden, Gruppentherapieangeboten, Zuschüssen, Kulanz bei zu erbringenden Studienleistungen oder dem Verfügbarmachen von Räumlichkeiten für die gesittete Artikulation des eigenen Leidens. Nur an der Objektivität des Antisemitismus, den man ja bei sich vor Ort nicht dulden möchte, ändert dieser Fokus auf die Befindlichkeiten der einzelnen Gruppen noch keinen Deut. Dafür müsste man aktiv gegen selbigen vorzugehen bereit sein, nötigenfalls auch mit den Mitteln der Autorität.
Wer weiß: Vielleicht möchten die von Antisemitismus Betroffenen lediglich dass menschenwürdige und zivilisierte Zustände, die selbstverständlich sein sollten, wieder (zumindest weitgehend) hergestellt werden, unter denen sie es gar nicht erst nötig haben (so dies überhaupt der Fall sein sollte), dass man für sie „da ist“ und ihnen ganz viel zuhört, bevor dann die nächste Gruppe mit ihren Problemen das Sprechstundenzimmer von Frau Prof. Rauch betritt.