Freitag, 05.09.2025 / 21:22 Uhr

Iran: Nur das Elend gibt's umsonst

Nach der Islamischen Revolution versprachen die Mullahs den Iranern kostenlose Versorgungsleistungen, doch heute stellen sie astronomische Rechnungen für Gas und Strom aus.

Im Jahr 1979 gab Ayatollah Ruhollah Khomeini mit revolutionärem Unterton ein Versprechen ab, das sich schnell in das Gedächtnis der Iraner einprägte: »Wir werden Wasser und Strom kostenlos zur Verfügung stellen.«  Ein einfacher, leidenschaftlicher Satz, voller Hoffnung für eine Generation, die nach Gerechtigkeit und Wohlstand strebte – und dachte, die schiitischen Islamisten könnten diese bieten. Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, ist dieses Versprechen zu einem bitteren Witz geworden.

Wasser und Strom wurden nicht nur nie kostenlos, sondern zählen mittlerweile zu den teuersten Alltagsgütern. 

Absurd-tragische Situation

In einigen Dörfern steht Wasser mittlerweile nur noch eine Stunde pro Tag zur Verfügung; in den Städten wird die Stromzufuhr täglich für mehrere Stunden abgeschaltet. Die Rechnungen dafür übersteigen mehrere Monatsgehälter. Ein Einwohner von Shahin Shahr, einer kleinen Stadt in der Nähe von Isfahan, beklagte sich: »Letzten Monat betrug meine Stromrechnung 80.000 Toman. Diesen Monat sind es 1,2 Millionen! Ein Nachbar mit einem leerstehenden Haus hat eine Rechnung über mehrere Millionen erhalten. Diese Beträge ergeben keinen Sinn.«

In der Industrie sieht es genauso aus. Ein Fabrikbesitzer, dessen Gasrechnung im letzten Jahr bei etwa dreißig Millionen Toman lag, muss nun für den gleichen Verbrauch etwa zweihundert Millionen bezahlen. Die Folge dieser Preisexplosion war die Schließung von Hunderten Produktionsstätten; sogar CNG-Tankstellen, die komprimiertes Erdgas anbieten, stehen kurz vor dem Bankrott. Laut deren Gewerkschaftsvorsitzender übersteigen die Stromrechnungen mittlerweile die Monatseinnahmen einer Tankstelle. Setzt sich dieser Trend fort, wird der Iran, der über die zweitgrößten Gasreserven der Welt verfügt, täglich fünfzehn Millionen Liter Benzin importieren müssen.

Aus Sicht der Familien ist die Situation noch dramatischer. Ein Familienvater berichtete, dass sein Gasverbrauch von 1.700 Kubikmetern auf 1.500 gesunken, die Rechnung jedoch von zweihunderttausend Toman auf 4,65 Millionen Toman gestiegen sei. 

Dasselbe gilt für die Stromversorgung: Haushalte müssen täglich mit Ausfällen von vier bis sechs Stunden rechnen, dennoch sind ihre Rechnungen um ein Vielfaches höher als im letzten Jahr. Dies hat eine Basisbewegung zur »Verweigerung der Rechnungszahlung« ausgelöst. Ihrer Ansicht nach fördern die Zahlungen an die Regierung die allgemeine Armut auf der einen Seite und die Korruption auf der anderen.

Hinzu kommt, dass die Behörden die Wut der Bevölkerung oftmals mit unpassenden Äußerungen zum Kochen bringen. So empfahl der Chef des nationalen Energieversorgers Tavanir: »Seien Sie nicht zu Hause, dann beträgt Ihre Stromrechnung nur fünfzig- oder sechzigtausend Toman.« 

Nur das Elend ist gratis

Diese bittere Komödie hat ihre Wurzeln in der tiefgreifenden Misswirtschaft und Korruption, denen das ganze Land unterworfen ist. Anstatt in die Infrastruktur zu investieren, gab das herrschende Mullah-Regime Milliarden für regionale militärische und politische Abenteuer aus. Schlecht geplante Staudammbauten ließen Flüsse austrocknen, ineffiziente Projekte zerstörten Wasserreserven, und das Stromnetz wurde jahrzehntelang vernachlässigt.

Ein Iraner fasste diesen Niedergang in ironischen Worten zusammen: »1979 versprachen sie uns kostenloses Wasser und Strom. Nach 46 Jahren haben wir erkannt, dass das Einzige, das in der Islamischen Republik kostenlos ist, das Elend ist.« Diese weit verbreitete Armut ist für Millionen von Iranern Teil des normalen Lebens geworden.

Das alte Versprechen Khomeinis ist nicht mehr inspirierend oder revolutionär, sondern lediglich eine Erinnerung an die große Täuschung, die eine Generation gefangen hielt und die nächste in den Ruin trieb. Im heutigen Iran sind Wasser und Strom nicht nur nicht kostenlos, sondern Symbole eines historischen Zusammenbruchs: Vom Traum von Gerechtigkeit zum endlosen Albtraum von Armut und Korruption.

 

Beitrag zuerst erschienen auf Mena-Watch