Update Iran-Proteste 2026: Gewalt, Schweigen und Verhandlungen
Überall in iranischen Städten sind die Spuren der blutigen Niederschlagung der Proteste zu sehen
Dem Regime ist es gelungen die landesweiten Proteste im Iran vorerst in Blut zu ertränken. Hilfe aus dem Westen kam bislang keine und ob die USA noch militärisch intervenieren ist fraglich.
Traurigerweise muss man einleitend sagen: Im Iran entstand Anfang 2026 eine landesweite, bisher einmalige Protestbewegung, die Bazaris, ethnische Minderheiten, Student:innen, Frauen, Jugendliche und weitere gesellschaftliche Schichten erfasste. Diese Welle wurde durch die massive Gewalt des Regimes am 9. und 10. Januar, die als Verbrechen gegen die Menschheit eingestuft werden muss, zunächst eingedämmt.
Während der fast dreiwöchigen, konfrontativen Massendemonstrationen, auf denen „Nieder mit Khamenei“, „Nieder mit der Islamischen Republik“, "weder Gaza, noch Libanon - meine Leben für die Freiheit des Iran" und „Azadi, Azadi“ gerufen wurde, erklärten die USA zwar anfänglich Solidarität mit den Protestierenden, kündigten aber gleichzeitig an, dass der Iran Gespräche mit den USA suche und die USA dazu bereit seien.
Die Menschen auf den Straßen warteten auf die versprochene Hilfe, die „bereits auf dem Weg“ sei. Durch die Unterlassung konsequenter Unterstützung hielten die USA und Europa an dem menschenverachtenden System fest und blendeten die Proteste der leidenden Bevölkerung aus.
Militarisierung der Repression
Die Antwort des Regimes war von Beginn an die Identifizierung und Festnahme der Demonstrationenführer:innen und später mit militärischen Mitteln: Massenverhaftungen, nächtliche Razzien, Abriegelungen ganzer Stadtteile, Internet- und Stromabschaltungen und de Facto Kriegsrechtszustände.
Sicherheitskräfte setzten Maschinengewehre, Pistolen, Messer, Macheten und nach Berichten sogar aus dem Irak importierte oder im Iran ansässigen Proxy-Kämpfer wie die Hashd-al-Shaabi gegen schutzlose Demonstrierende ein. Willkürlich wurde auf Protestierende, unbeteiligte Passant:innen sowie Menschen auf Balkonen und Dächern geschossen, Geschäfte brannten, Augen wurden verletzt, Verwundete in Krankenhäusern attackiert und auf dem Krankenbett erschossen, Demonstant:innen wurde die Kehle durchgeschnitten. Bewaffnete zivile Regimeanhänger zogen unter religiösen Loyalitätsparolen – „Heidar, Heidar“ – durch Wohnviertel und führten weitere Massenverhaftungen durch. Spätestens nach dem zwölften Tag der Proteste stand ein Großteil der Städte unter vollständiger Kontrolle des Sicherheitsapparates.
Unzählige Opfer
Das Ausmaß der Gewalt ist monströs. Oppositionsberichte sprechen allein für den 9. und 10. Januar von 12.000 bis über 20.000 Toten, nach einzelnen Einschätzungen sogar bis zu 60.000, sowie über 50.000 Verletzte, Festgenommene und Verschwundene. Den Familien der Getöteten wird Geld abgepresst, um die Namen preiszugeben, öffentliche Trauerfeiern sind untersagt. In Iran dauern die Massenverhaftungen an; unabhängige Anwälte haben keinen Zugang zu den Akten der Demonstrant:innen.
Der Teheraner Generalstaatsanwalt, Ali Salehi, wies die Aussagen von Donald Trump über die Aufhebung der Hinrichtung von 800 Demonstrierenden zurück. Er erklärte wörtlich: „Trump redet immer viel Unsinn und grundloses Zeug und soll sich hüten. Unser Vorgehen ist entschlossen, abschreckend und schnell.“
Ein Bericht aus Teheran
Augenzeugenbericht einer Journalistin aus Teheran beschreibt derzeitige Atmosphäre eindrücklich, veröffentlicht auf X:
„Seit ein oder zwei Tagen funktioniert unser VPN nur noch sporadisch, etwa ein halbes bis eine Stunde am Tag, sodass wir uns ins Internet einwählen können. Wir melden, dass wir noch leben. Die Stadt riecht nach Tod. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie gesehen, dass in Teheran Schnee fällt und niemand auch nur lächelt.
Die Zeitung Ham-Mihan wurde nach dreieinhalb Jahren veröffentlichtem Inhalt geschlossen. Wir haben versucht, in den vergangenen Tagen über die Toten und Verletzten zu schreiben – über Malekshahi, über Behescht-e Zahra, Kahrizak und die wartenden Augen der Angehörigen, über Krankenhäuser, Krankenschwestern und Ärzt:innen, die die Katastrophe mit eigenen Augen gesehen haben, geweint haben und alles getan haben, was sie konnten. Es waren harte Tage, und alle sind fassungslos; ein Land trauert, ein Land ist voller Wut, ein Land ist tief erschüttert.“
Reformisten und Hardliner beharren auf Gewalt
Diese Berichte verdeutlichen, dass die Gewalt systematisch ist und nicht nur seitens einer Fraktion des Systems auf einzelne Proteste begrenzt bleibt. Das Regime diffamiert Demonstrierende als „Agenten“ von USA und Israel, um seine Repression zu rechtfertigen. Sogenannte Reformkräfte wie Khatami und Pezeshkian stellten sich hinter Khamenei und legitimierten die Tötungsbefehle, womit erneut klar wird, dass innerhalb des Systems keine alternative Machtoption existiert.
Die Situation der politischen Gefangenen ist besorgniserregend
Vor einigen Tagen warnten die „Narges-Mohammadi-Freiheitskoalition“ gemeinsam mit 40 weiteren Organisationen und Einzelpersonen, dass die Lage und die Sicherheit der besonders schutzbedürftigen Menschen in Haftanstalten und Gefängnissen im Iran nicht in Vergessenheit geraten dürfen.
Menschenrechtsverteidiger:innen, Journalist:innen, Schriftsteller:innen, Künstler:innen sowie alle Personen, die allein wegen der Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit und friedliche Versammlung festgenommen wurden, sind akuten Gefahren ausgesetzt und müssen sofort und bedingungslos freigelassen werden.
Machterhalt um jeden Preis
Damit demonstrieren die Mullahs ihre Bereitschaft, für den Machterhalt auch den letzten verbliebenen Widerstand zu brechen. Wenn Millionen Iranerinnen und Iraner für den Sturz des Regimes auf die Straßen gehen, zeigen die Machthaber, dass sie willens und fähig sind, zum Schutz ihres „heiligen“ Systems jeden Widerstand zu vernichten – notfalls durch Erschießen aus Hubschraubern, Bombardierungen, Verbrennungen.
Internationale Doppelmoral und die Fortdauer des Regimes
Das Europäisches Parlament erließ am 22.1.2026 eine Resolution, in der an die islamistische Republik irrsinnigerweise appelliert wurde, Menschenrechte zu respektieren und den Europarat aufforderte, Sanktionen zu verschärfen, Vermögenswerte einzufrieren und und Visa zu verbieten und die Revolutkonsgarde auf die EU-Terrorliste zu setzten. Diese Forderungen sind jedoch nicht bindend. Eine Terrorlistung scheiterte bislang am Widerstand von Frankreich, Italien und Spanien.
Europas anhaltende Appeasementpolitik sowie die sich widersprechenden Phrasen Trumps, der in Davos sagte, „der Iran will Gespräche und wir werden verhandeln“, und die Passivität der internationalen Gemeinschaft bedeuten eine eklatante mangelnde Unterstützung für demokratische Freiheitsbewegungen.
Sie senden das gefährliche Signal: dass ein brutales Mullah-Regime an der Macht bleiben kann. Ein apokalyptische Regime, das heimlich nach Atomraketen strebt, Putins Invasionskrieg gegen die Ukraine mit Raketen und Drohnen unterstützt und die Hamas und die Hisbollah zur Vernichtung Israels umfassend fördert.
Eine mögliche potenzielle militärische Eskalation
Neben der fortgesetzten inneren Repression mehren sich Berichte über eine wachsende militärische Präsenz der USA und ihrer westlichen Partner in der Region. US-Trägerverbände operieren in Reichweite iranischer Küstenstädte, und Tomahawk-Raketen könnten sowohl Ziele entlang des Südostens als auch strategische Einrichtungen treffen. Einzeljets aus Verbündetenstaaten sind bereits vor Ort, während die iranische Luftabwehr über Esfahan Berichten zufolge vorübergehend deaktiviert ist – ein Faktor, der die Bewegungen von Flugzeugen und Raketen erheblich beeinflusst.
Analyst:innen betonen, dass diese Entwicklungen nicht nur symbolisch sind. Sollten die USA und Israel einen militärischen Eingriff in Erwägung ziehen, scheinen logistische und operative Vorbereitungen bereits weitgehend abgeschlossen. In Verbindung mit der politischen Isolation des Regimes könnte dies das Risiko einer Eskalation deutlich erhöhen. Die iranische Opposition, weder im Inland noch im Exil, scheint auf ein solches Szenario bislang nicht vorbereitet.
Quellen:
https://www.ksat.com
https://www.news/world/2026/01/11/death-toll-in-2-week-old-protests-challenging-irans-theocracy-reaches-116-activists-say/
https://x.com/i/status/2012502608410284496