Diskussion in der Urania: Kurzer Rückblick auf deutsche Iranpolitik der "reinen Diplomatie" mit Antisemiten
In der Berliner Urania wurde am 26.5.2026 moderiert von Constantin Schreiber über den Iran diskutiert, Golineh Atai, Bamdad Esmaili und Ahmad Mansour berichteten nacheinander über den innen- und außenpolitischen Terror der Islamischen Republik.
Mansour sprach die Isolierung der deutschen Außenpolitik in der Region an, die auf der Ignorierung der Fakten vor Ort basiere - man wisse es immer besser. Mansour habe sich ursprünglich aufgeklärte Debatten über Islam und Islamismus in der Bundesrepublik erhofft - stattdessen seien es nun Staaten mit muslimischer Bevölkerung am Golf, die Deutsche und Europäer vor den Islamisten warnten.
Als letztes wurde Christoph Heusgen dazugeladen, 2005 bis 2017 außen- und sicherheitspolitischer Berater von Bundeskanzlerin Merkel. Der Auftritt begann mit der pflichtschuldigen Behauptung, Merkel habe eine Einladung an den Regimepräsidenten Rohani immer abgelehnt – was sie aber nicht daran hinderte, ihn 2019 bei der UNO zu treffen.
Im Weiteren wurde immer unklarer, warum Heusgen Merkels vermeintliche oder wirkliche Distanz zu Rohani überhaupt hervorgehoben hatte, denn er trat als geradezu fanatischer Anhänger der ‚reinen Diplomatie‘ – mit Antisemiten – auf. Auf die Frage von Mansour, ob die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auch die Diplomatie sträflich vernachlässigt hätten, entgegnete Heusgen, man hätte 1936 frühzeitig gegen die Nazi-Remilitarisierung des Rheinlands einschreiten sollen - und merkte gar nicht, dass er damit einer militärischen Intervention das Wort redete, diplomatisch haben Frankreich und England wahrscheinlich völlig folgenlos bei den Nazis protestiert.
Der nächste case für diplomatische Interventionen war dann ausgerechnet der 1953 abgesetzte iranische Premier Mossadegh. Den hätte man gegen die Machenschaften von USA, Großbritannien und den Schah unterstützen müssen. Überhaupt sei die Pahlavi-Zeit vor 1979 eine mindestens so finstere Diktatur wie die Islamische Republik gewesen, und Heusgen musste von Atai und Esmaili wegen diesem Geschichtsrevisionismus zurechtgewiesen werden. Auf immer vehementere Nachfragen nach den Verbrechen der Islamischen Republik wich Heusgen konsistent aus, das völlige Fehlen von auch nur kosmetischer Selbstkritik an der deutschen Iranpolitik hatte zeitweise Züge infantiler Sturheit.
'Das Völkerrecht' entpuppte sich in Heusgens Verteidigung als ein Potemkinsches Dorf, hinter dem sich die deutsche Außenpolitik verschanzt: 'völkerrechtswidrig' sind immer jegliche nichtdiplomatischen Aktionen gegen Islamisten und eliminatorische Antisemiten, die man selbst ablehnt, während angesichts der glaubwürdigen Vernichtungsdrohungen gegen den zweifellos völkerrechtlich legitimierten Staat Israel oder von Fragen nach der 'Völkerrechtskonformität' genozidaler Verbrechen der Islamischen Republik regelmäßig Schweigen oder hohle Floskeln einsetzen.
Auf eine Frage danach, warum arabische Demonstranten womöglich nicht einmal schiitischer Herkunft in Berlin völlig empathielos iranische Opfer des Regimes attackierten, antwortete Ahmad Mansour sinngemäß, es gehe dabei wohl weniger um den Iran selbst als um die Aversion gegen Israel und eine 'anti-imperiale' Haltung gegen die USA. Das wirkte am Ende wie eine Aussage, die auch exakt auf die Ausführungen des ehemaligen Chefberaters der Bundeskanzlerin gepasst hätte.
Dieses Aufeinanderprallen von Positionen, die sonst hierzulande nie in dieser Klarheit öffentlich debattiert werden, ist ein politisches Lehrstück. Es ist zu hoffen, dass die mitveranstaltende WELT, wie von Constantin Schreiber angekündigt, eine - möglichst vollständige und barrierefreie - Aufnahme der Auseinandersetzung öffentlich zur Verfügung stellt.
(Hier ein kurzer Ausschnitt aus der Debatte in einem post von Constantin Schreiber: https://x.com/ConstSchreiber/status/2059566625410400527)