Reza Pahlavi und die Beschönigung der Schah-Zeit im Iran
Reza Pahlavi wird vielfach als Stimme der Freiheit und als Freund Israels wahrgenommen. Diese Wahrnehmung verdient Aufmerksamkeit, weil sie seinen politischen Kurs sichtbar macht. Zugleich darf sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass autoritäre Kontinuitäten der Pahlavi-Dynastie, historische Belastungen und die politische Verwertung jüdischer Geschichte häufig ausgeblendet werden. Reza Pahlavi distanziert sich nicht von dieser Vergangenheit, sondern stellt die Herrschaft seines Vaters und Großvaters positiv dar. Dieser Beitrag wendet sich gegen die Verwechslung von Symbolpolitik mit Verantwortung und gegen die instrumentelle Nutzung von Erinnerung,
Reza Pahlavi versucht, sich heute als Freund Israels zu inszenieren, indem er und seine Strömung sich demonstrativ israelfreundlich geben. Zugleich sind sie über Jahre hinweg weder dem Antisemitismus noch der antiisraelischen und antizionistischen Staatspropaganda des Mullah-Regimes ernsthaft entgegengetreten. Weder gegen den Al-Quds-Marsch zur Vernichtungsdrohung gegen den jüdischen Staat noch gegen die Holocaustleugnung aus den Machtzentren der Islamischen Republik gab es von dieser monarchistischen Strömung tatsächlich einen konsequenten politischen Kampf.
Anders als viele andere iranische Oppositionspolitiker allerdings hat Reza Pahlavi Israel 2023 einen Besuch abgestattet und auf X (Twitter) erklärt, er wolle damit eine „Freundschaftsbotschaft des iranischen Volkes“ nach Israel bringen, israelische Wasserexperten gegen die Zerstörung der iranischen Umwelt durch das Regime gewinnen und der Opfer des Holocaust an Yom Haschoa gedenken. Während seines Aufenthalts traf er unter anderem den israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog, Premierminister Benjamin Netanyahu und die damalige Geheimdienstministerin Gila Gamliel.
Die Reise diente allerdings auch seiner eigenen politischen Inszenierung und zielte auf internationale Aufwertung seiner monarchistischen Strömung.
Besonders sichtbar wurde das nach dem Iran-Krieg bei monarchistischen Demonstrationen, auf denen „Javid Shah“-Parolen mit Israelflaggen und Slogans wie „Thanks Bibi“ inhaltliche Harmonie suggerieren sollten. Dort wurde nicht (nur) Solidarität mit Israel sichtbar, sondern die politische Instrumentalisierung Israels und insbesondere der Regierung Netanjahu für die eigene Strategie. Gerade darin liegt eine politische Heuchelei dieser Strömung: Israel erscheint nicht als Partner im Kampf gegen Antisemitismus, sondern als Mittel zur eigenen politischen Legitimation und zur Spaltung der iranischen Opposition.
Berliner Selbsterzählung und politische Absicht: Israel und die Juden als Legitimationsinstrument
Reza Pahlavi besuchte am Donnerstag, den 23. April 2026, auf Einladung des Munich Circle, der Europe-Israel Press Association (EIPA) sowie der European Jewish Association (EJA) Berlin. Er bezeichnete sich auf der Berliner Pressekonferenz als „Freund Israels und der Juden“ und sprach von einer angeblich besonderen biblischen Verbindung zwischen Iranern und Juden, verwies auf Cyrus the Great als Befreier der Juden aus dem babylonischen Exil und erinnerte daran, dass Juden im Iran während der NS-Zeit Zuflucht gefunden hätten. Daraus leitete er die Behauptung ab, religiöse Toleranz und der Schutz von Minderheiten gehörten zur historischen Tradition Irans. Gleichzeitig stellte er die Pahlavi-Monarchie als Raum religiöser Freiheit und gesellschaftlicher Offenheit dar.
Im Video‑Transkript der Bundespressekonferenz (30:23–31:42) sagt Reza Pahlavi in etwa:
Frage des Journalisten: „Wir sehen, dass sie mit Hilfe der Lobbygruppe Europa Israel Presseorganisation hier sind. Das ist ja die gleiche Regierung, die ein Angriffskrieg gegen ihr Land mit den USA zusammen angefangen hat. Viele auf der Welt glauben, dass sie für Israel auftreten und in den Händen Israels sind?“
Reza Pahlavi: „Natürlich nicht, aber ich bin ein Freund Israels. Ich bin ein Abkömmling von Cyrus dem Großen. Und wir sind stolz darauf, dass damals schon ein Eckstein für die Menschenrechte gelegt wurde auf einer Schriftrolle, die weltweit zu sehen ist. Das war einer der Grundsätze der Freiheit, der damals schon bekräftigt wurde. Und später erst wurde der Tempel in Jerusalem aufgebaut. Wir haben eine biblische Beziehung, die Iraner und die Juden, das einzige Land, das dies behaupten können. Der Iran war das einzige Land im Nahen Osten, in dem geflohene Juden Zuflucht fanden. Juden, die vor Hitler und seinem Regime flohen. Sie fanden Zuflucht im Iran. Das ist Teil unserer Geschichte, Teil unserer Schutzfunktion für Geflüchtete. Es gab die Revolution von 1954. Da hatten die Menschen sich dafür eingesetzt, ihre Rechte wiederzubekommen. Es geht um den Schutz der Menschen. Dafür trete ich ein und ich brauche nicht Agent von irgendjemand zu sein. Ich bin Vertreter des iranischen Volkes. Ich sitze hier, weil mich viele Millionen gebeten haben, hier ihre eigene Vorstellung von der Zukunft darzulegen.“, 23.04.2026.
Das ist nur keine historische Einordnung, sondern hier werden historische Fragmente selektiv benutzt, um die Pahlavi-Dynastie nachträglich moralisch aufzuwerten. Einzelne Verweise sind historisch keineswegs falsch – etwa die Bedeutung Kyros’ in der jüdischen Erinnerung oder die lange Geschichte jüdischer Gemeinden im Iran. Sie werden jedoch aus ihrem historischen Zusammenhang gelöst und in monarchistische Propaganda verwandelt.
Die Berufung auf Kyros steht dabei in der Tradition des Pahlavi-Nationalismus. Bereits unter Reza Shah und Mohammad Reza Schah wurde das vorislamische Persien systematisch idealisiert, um monarchische Herrschaft historisch aufzuwerten. Persepolis, die Achämeniden und die Figur Kyros’ dienten als Symbole eines imperialen Nationalnarrativs, das an eine vermeintlich glanzvolle vorislamische Vergangenheit anknüpfen und damit die vom Regime propagierte islamische Identität Irans politisch zurückdrängen sollte.
Gerade deshalb ist die heutige Beschwörung einer jahrtausendealten jüdisch-persischen Verbundenheit keine bloße historische Erinnerung. Die jüdische Geschichte im Iran wird hier nicht aufgearbeitet, sondern politisch funktionalisiert – als moralisches Kapital zur nachträglichen Reinigung und Aufwertung der diktatorischen Pahlavi-Dynastie.
Was die Geschichte tatsächlich zeigt
Der Pahlavi-Staat war autoritär, nationalistisch und zentralistisch organisiert. Politische Opposition wurde unterdrückt, verfolgt und ausgeschaltet.
Entscheidend ist nicht nur die Frage physischer Verfolgung, sondern die politische Stellung jüdischer Gemeinden im autoritären Staat. Jüdisches Leben im Iran war nicht durch rechtsstaatlich garantierte Gleichheit abgesichert, sondern durch politisch kontrollierte Duldung innerhalb eines autoritären Systems. Schutz bedeutete nicht Rechte, sondern Akzeptanz unter Bedingungen staatlicher Loyalität.
Zwar bestanden jüdische Gemeinden fort, und Teile profitierten von Urbanisierung, wirtschaftlicher Modernisierung und sozialem Aufstieg. Diese Entwicklung beruhte jedoch nicht auf staatsbürgerlicher Gleichheit, sondern blieb abhängig von politischer Konformität gegenüber der Monarchie. Dass Teile jüdischer, christlicher, bahaiischer oder säkularer Milieus die Pahlavi-Zeit rückblickend als relativ offen beschreiben, ändert nichts am autoritären Charakter des Systems.
Besonders problematisch ist die Ausblendung der politischen und wirtschaftlichen Nähe Reza Schahs zu Nazi-Deutschland.
Aus politisch kontrollierter Duldung wird im Nachhinein ein Narrativ religiöser Toleranz konstruiert. Entscheidend ist die autoritäre Struktur des Staates.
Diese Struktur zeigte sich in ihren Institutionen. Die SAVAK fungierte als zentraler Sicherheitsapparat zur Überwachung, Einschüchterung und Zerschlagung politischer Opposition. Kritische Stimmen wurden unterdrückt, politische Organisierung verhindert und mit der Rastakhiz-Partei ein faktisches Einparteiensystem etabliert. Politische Abweichung war kein normaler Bestandteil des Systems, sondern wurde als Risiko behandelt und entsprechend sanktioniert.
Die Darstellung der Pahlavi-Herrschaft als freiheitliche Ordnung ist historisch nicht haltbar. Eine klare Distanzierung von dieser autoritären Struktur bleibt aus; stattdessen wird sie in der politischen Selbstbeschreibung der Pahlavi-Strömung nachträglich legitimiert und moralisch aufgewertet.
Reza Schah und die Nähe zu Nazi-Deutschland
Besonders problematisch ist die Ausblendung der politischen und wirtschaftlichen Nähe Reza Schahs zu Nazi-Deutschland. In den 1930er-Jahren suchte der Iran unter dem nationalistischen Herrscher Reza Schah in Berlin gezielt einen strategischen Partner gegen Großbritannien und die Sowjetunion. Diese außenpolitische Orientierung war Teil eines nationalistischen Staatsprojekts und zugleich eine bewusste Entscheidung mit klaren politischen Konsequenzen.
Sie war nicht identisch mit nationalsozialistischer Ideologie, führte jedoch zu einer faktischen Annäherung an ein Regime, dessen antisemitische Weltanschauung und Vernichtungspolitik bereits offen sichtbar waren. In diesem historischen Kontext ist festzuhalten, dass das Schicksal iranischer Jüdinnen und Juden nicht isoliert zu betrachten ist, sondern im Zusammenhang mit der europaweiten Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden im NS-System steht.
Die Orientierung an Berlin folgte machtpolitischen Interessen: der Abwehr kolonialer und sowjetischer Einflusszonen und dem Versuch größerer außenpolitischer Eigenständigkeit. Diese Interessen erklären den Kontext, relativieren jedoch nicht die politische Entscheidung, sich in einem historischen Moment an ein Regime zu binden, dessen Verbrechen gegen Juden bereits erkennbar waren.
Die Annäherung an Nazi-Deutschland stabilisierte politisch die Beziehungen zu einem antisemitischen Vernichtungsregime
Die politische Annäherung blieb nicht auf Wirtschafts- und Machtpolitik beschränkt, sondern zeigte sich auch symbolisch. Zwischen Teheran und Berlin wurden repräsentative Geschenke ausgetauscht. Hitler ließ Reza Schah unter anderem einen Mercedes-Benz 500K überreichen; aus dem Iran gingen wertvolle persische Teppiche nach Deutschland, darunter ein Teppich mit dem Porträt Hitlers. Auch eine signierte Fotografie Hitlers für Reza Schah aus dem Jahr 1936 ist erhalten geblieben. Solche Gesten waren mehr als diplomatische Höflichkeit. Sie standen für die politische Aufwertung der Beziehungen zum nationalsozialistischen Deutschland.
Parallel zur politischen und wirtschaftlichen Annäherung an Deutschland sendete das nationalsozialistische Regime persischsprachige Propagandaprogramme aus Berlin nach Iran. Diese Radiosendungen verbanden antibritische und antisemitische Inhalte mit Elementen der sogenannten „arischen“ Ideologie und erreichten ein breites Publikum im Iran. Sie entstanden im politischen Umfeld der deutsch-iranischen Annäherung unter Reza Schah und waren Teil des ideologischen Einflussversuchs des NS-Regimes in der Region.

(Bild: Treffen des iranischen Parlamentssprechers Hassan Esfandiari mit Adolf Hitler, Bildquelle: Wikimedia Commons)
Nazi-Deutschland versuchte zugleich, nationalistische Bewegungen in der Region strategisch gegen Großbritannien und die Sowjetunion zu instrumentalisieren. Dazu gehörte die Annäherung an arabische Akteure wie den Großmufti Amin al-Husseini, der im Kontext des arabisch-palästinensischen Nationalismus mit dem NS-Regime kollaborierte oder Rashid al-Gailani im Irak.
Die monarchistische Geschichtsschreibung blendet diese Nähe systematisch aus.
Die alliierte Besetzung Irans 1941 und die Abdankung Reza Schahs markieren die unmittelbaren politischen Folgen dieser außenpolitischen Ausrichtung. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie selektiv heutige Deutungen arbeiten, wenn diese Phase ausgeblendet wird und Verantwortung aus der dynastischen Geschichte verschwindet.
Sardari: Retungstat statt dynastischer Legitimierung
Reza Pahlavi sagte in einem jüngsten Interview mit Mathias Döpfner, dem Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags, dass der Iran im Zweiten Weltkrieg Juden Zuflucht gewährt habe. Er verwies dabei auf die Hilfe der Iraner für jüdische Flüchtlinge, darunter auch polnische Juden während des Holocaust, und nannte Abdol Hossein Sardari eine Art „iranischen Schindler“.
Er sagte: „Iran war im Zweiten Weltkrieg das einzige muslimische Land, das Juden aufnahm, die aus Europa flohen. Sie erhielten Zuflucht im Iran, iranische Pässe und die iranische Staatsangehörigkeit. Das ist Teil der iranischen Geschichte im Umgang mit Antisemitismus. Wir hatten in Paris unsere eigene Version von Schindler: einen Diplomaten, der mindestens über tausend Juden in Frankreich die Flucht und die Ausreise in den Iran ermöglichte. Darauf sind wir als Teil unseres Erbes stolz.“
Aus der Rettungstat eines einzelnen Diplomaten wird nachträglich eine dynastische Kontinuität konstruiert, die Reza Schah moralisch entlasten und die Monarchie historisch aufwerten soll.
Sardari war iranischer Konsularbeamter in Paris während der deutschen Besatzung Frankreichs (1940–1944). Er unterstützte eigenständig iranische wie nichtiranische jüdische Flüchtlinge, stellte Schutzdokumente aus und half Verfolgten, der nationalsozialistischen Vernichtung zu entkommen.
Noch vor der Abdankung Reza Schahs wurde Sardari vom iranischen Außenministerium zur Rückkehr nach Teheran aufgefordert. Nach der Abdankung Reza Schahs 1941 blieb Sardari in Paris und setzte seine Hilfe eigenständig fort. Unter erheblichen persönlichen Risiken unterstützte er hunderte Jüdinnen und Juden bei Flucht und Ausreise, teilweise auf eigene Kosten, darunter auch Verfolgte, denen die Ausreise in den Iran ermöglicht wurde.
Sardaris Bedeutung liegt gerade darin, dass seine Rettungsaktionen nicht Teil einer staatlichen Schutzpolitik der Pahlavi-Dynastie waren, sondern die persönliche Entscheidung eines Diplomaten unter den Bedingungen der deutschen Besatzung Frankreichs. Die Monarchisten machen daraus nachträglich dynastische Humanität. Aus individueller Rettung wird monarchistische Selbstlegitimierung.
Nach dem Krieg blieb Sardari zunächst im diplomatischen Dienst, geriet später jedoch in institutionelle und finanzielle Schwierigkeiten, wurde marginalisiert und zog sich schließlich aus dem Staatsapparat zurück. Er starb 1981 in London.
Die Beziehungen zu Israel unter Mohammad Reza Schah und die innere politische Struktur
Die Beziehungen zwischen dem Iran unter Mohammad Reza Schah und Israel werden bis heute häufig als Beleg einer liberal-jüdischfreundlichen Monarchie dargestellt. Tatsächlich erkannte Teheran Israel nicht an und hielt an der Politik der Nichtanerkennung fest. Parallel dazu entstand ab den 1950er-Jahren eine verdeckte Kooperation in Sicherheits-, Wirtschafts- und Nachrichtendienstfragen.
Diese Konstellation war von Beginn an doppelt strukturiert: politische Distanz im offiziellen Rahmen, operative Zusammenarbeit im sicherheitspolitischen Bereich. In den 1960er-Jahren intensivierten sich die Kontakte, insbesondere über inoffizielle Kanäle zwischen dem iranischen Geheimdienst SAVAK und dem israelischen Auslandsdienst Mossad.
Im Zentrum standen die Eindämmung arabisch-nationalistischer Bewegungen und die Abgrenzung gegenüber sowjetischem Einfluss. Eine eigenständige pro-palästinensische Außenpolitik entwickelte das Schah-Regime nicht. Die Palästinafrage spielte keine zentrale ideologische Rolle, sondern blieb Teil einer pragmatischen Regionalpolitik im Spannungsfeld zwischen arabischem Nationalismus, israelischer Sicherheitskooperation im Hintergrund und der eigenen Blockfreiheit im Kalten Krieg.
Die Kooperation mit Israel war Teil eines autoritären Sicherheitsstaates. Außenpolitik und innere Repression dienten derselben monarchistischen Machtstruktur.
Die heutige monarchistische Darstellung verklärt diese Politik nachträglich als Liberalismus. Die sicherheitspolitische Kooperation mit Israel änderte nichts am autoritären Charakter der Monarchie. Parallel dazu existierten im Inneren nationalistische und offen faschistoide Milieus, die sich als Teil der monarchistischen Ordnung verstanden.
SUMKA und faschistische Anleihen im monarchistischen Umfeld
Reza Schah herrschte von 1925 bis 1941 über Iran, und Mohammad Reza Schah regierte das Land von 1941 bis 1979. Zwischen den Jahren 1322 bis 1329 des iranischen Kalenders (1943 bis 1950) wurden im Iran mehrere faschistische Organisationen gegründet, die offen antisemitische Positionen vertraten, die sogenannte „arische Rasse“ verherrlichten und sich gegen Mohammad Mossadegh, die konstitutionelle Bewegung sowie demokratische Entwicklungen richteten. Ziel dieser Gruppen war die Umwandlung Irans in eine autoritäre faschistische Monarchie.

(Bild: Davud Monshizadeh mit Hitlergruß, Bildquelle: Iranwire)
Zu diesen Gruppierungen gehörte auch die Organisation SUMKA, deren frühe organisatorische Wurzeln nach verschiedenen historischen Darstellungen bis in die Herrschaftszeit Reza Schahs zurückreichen. Demnach wurde die Organisation bereits im Jahr 1310 des iranischen Kalenders (21. März 1931 bis 20. März 1932) von Mohsen Jahansuz gegründet. Hauptziel der Organisation war die Verbreitung und Förderung der Ideologie der deutschen NSDAP, insbesondere der Vorstellung einer „arischen Rassenüberlegenheit".
Ab dem Jahr 1310 des iranischen Kalenders (1931/32) intensivierte Reza Schah seine politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland. Im Jahr 1318 des iranischen Kalenders (1939/40) soll Reza Schah aufgrund wachsender Spannungen mit Großbritannien und der damaligen Sowjetunion sowie aus Furcht vor politischen Gefahren Mohsen Jahansuz hinrichten lassen haben.
Die SUMKA-Partei („Hezb-e Sosialist-e Melli-ye Kargaran-e Iran“) wurde später im Jahr 1329 des iranischen Kalenders (1950/51), während der Herrschaft Mohammad Reza Schahs, durch Davoud Monshizadeh neu organisiert und wiederbelebt. Monshizadeh galt als überzeugter Bewunderer Adolf Hitlers.
Es wird berichtet, dass Mohammad Reza Schah Davoud Monshizadeh nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 beziehungsweise im Jahr 1330 des iranischen Kalenders (1951/52) in den Iran zurückholte.
Das Hauptziel der SUMKA war der Kampf gegen kommunistische und sozialistische Organisationen sowie gegen ethnische, sprachliche, nationale und kulturelle Minderheiten nichtpersischer Herkunft.
Davoud Monshizadeh kam Mitte der 1930er-Jahre zum ersten Mal nach Deutschland, um dort zu studieren. Er lebte, studierte und arbeitete jahrelang an den Universitäten Berlin und München in den Bereichen Iranistik, Indologie und Islamwissenschaft. Französische Medien wie Le Monde berichteten, dass Monshizadeh sich später der NSDAP und der SS anschloss. Außerdem arbeitete er beim deutschen Rundfunk in der persischsprachigen Redaktion.
Monshizadeh orientierte die SUMKA stark an nationalsozialistischen Organisations- und Symbolstrukturen. Ihre Ideologie verband monarchistische Loyalität, radikalen Antikommunismus und ein nationalistisches Selbstverständnis, das sich sichtbar an NS- und faschistischen Vorbildern orientierte.
Die Treffen der Organisation fanden Berichten zufolge in einem Gebäude statt, das als „Schwarzes Haus“ in Teheran bekannt war. Historischen Darstellungen zufolge soll dieses Gebäude von Mohammad Reza Schah für diese faschistische Gruppierung bereitgestellt beziehungsweise gekauft worden sein.
Das Hauptziel der SUMKA war der Kampf gegen kommunistische und sozialistische Organisationen sowie gegen ethnische, sprachliche, nationale und kulturelle Minderheiten nichtpersischer Herkunft. Die politischen Methoden der Organisation bestanden vor allem aus Einschüchterung, Straßenmobilisierung, körperlichen Angriffen und Bedrohungen politischer Gegner.
Die Aktivitäten der SUMKA während der Herrschaft Mohammad Reza Schahs fielen zeitlich mit der Bewegung zur Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie durch Premierminister Mohammad Mossadegh zusammen.
Im Kontext der Eskalation um Mossadegh trat SUMKA als gewaltbereites Umfeld monarchistischer Mobilisierung auf. Die Organisation unterstützte antikommunistische Kräfte, die gegen Mohammad Mossadegh und die damals starke linke Tudeh-Partei agierten, und bewegte sich im Vorfeld und Umfeld des Putsches vom 19. August 1953 im Lager jener Kräfte, die auf die Stabilisierung der Monarchie setzten.
SUMKA agitierte mit einfachen, mobilisierenden Parolen wie „Es lebe der Schah“, „Es lebe der Iran“ und „Nieder mit dem Kommunismus“. Die Anhänger traten in paramilitärisch organisierten Formationen auf und nutzten eine bewusst imitierte faschistische Ästhetik aus dunklen Hemden, Uniformelementen und disziplinierter Straßenpräsenz. Die faschistische Symbolik diente der Einschüchterung und Straßenkontrolle.
SUMKA zeigte, dass faschistoide und ultranationalistische Kräfte Teil des monarchistischen Umfelds waren.
Autoritäre und faschistoide Symbolik im heutigen monarchistischen Umfeld
Auch im heutigen Umfeld radikaler monarchistischer Gruppen treten autoritäre, ultranationalistische und faschistoide Symboliken offen hervor. Besonders sichtbar wurde dies bei mehreren Demonstrationen und Aufmärschen im Jahr 2026.
So trat am 18. April 2026 bei einer Demonstration in Leeds eine schwarz uniformierte Gruppe der sogenannten „Ewigen Garde“ („Garde Javidan“) im Umfeld monarchistischer Mobilisierungen auf. Dort wurden Parolen wie „Javid Shah“ sowie „Tod den Linken und den Mojahedin“ und „Wir sind eine große Nation. Wir erobern den Iran zurück“ gerufen.
Am 9. Mai 2026 wurde bei einem Aufmarsch derselben Gruppierung in Kopenhagen eine militarisierte Inszenierung sichtbar, bei der nach Bildaufnahmen auch ein Handgruß gezeigt wurde, der an den historischen Hitlergruß des nationalsozialistischen Deutschlands erinnerte.
Auch in Regensburg trat am 10. Mai 2026 eine uniformierte monarchistische Gruppe mit Symbolen und Emblemen der SAVAK auf ihren T-Shirts öffentlich auf.
Bereits am 15. Februar 2026 wurden im Umfeld der Münchner Sicherheitskonferenz auf einer Kundgebung, auf der auch Reza Pahlavi sprach, Parolen wie „Eine Flagge, eine Nation, ein Führer“ sowie „Tod den drei Verdorbenen – den Mullahs, den Linken und den Mojahedin“ skandiert. Die dort sichtbare politische Symbolik und Sprache verweist auf autoritäre und extrem nationalistische Mobilisierungsmuster innerhalb radikaler monarchistischer Milieus.
Hinzu kommen ethnonationalistische und rassistische Parolen gegen nichtpersische Bevölkerungsgruppen. Kurdische Organisationen und Aktivist:innen, die Selbstbestimmung oder föderale Modelle fordern, werden von radikalen Monarchisten häufig pauschal als „Separatisten“ diffamiert. Auf entsprechenden Demonstrationen wurden zudem Parolen wie „Wir sind Arier“ sowie „Wir verehren keine Araber“ gerufen. Diese Sprache verbindet extremen Nationalismus mit ethnischer Abwertung und verweist auf die Fortdauer völkisch-überhöhter Vorstellungen innerhalb bestimmter monarchistischer Milieus.
Diese Entwicklungen bedeuten nicht, dass die gesamte monarchistische Strömung mit faschistischen Positionen gleichzusetzen wäre. Sie zeigen jedoch, dass autoritäre und ultranationalistische Tendenzen innerhalb bestimmter Teile dieses politischen Spektrums weiterhin präsent sind und öffentlich reproduziert werden- Reza Pahlavi trägt für diese Milieus politische Verantwortung und als deren Kultfigur bündelt sie politisch.
Erinnerungspolitik statt Aufarbeitung
Reza Pahlavi nutzt jüdische Geschichte als politisches Argument. Kyros, die Erzählung von Zuflucht und die Konstruktion einer jahrtausendealten Verbundenheit werden zu Bausteinen einer dynastischen Selbstlegitimierung. Ziel ist die nachträgliche Darstellung der Pahlavi-Dynastie als modern, säkular und moralisch sakrosankt.
Historische Bezüge werden benutzt, um die autoritäre Struktur der Monarchie nachträglich zu entlasten.
Der erklärte Hauptfeind des Regimes ist Israel. Alles, was das Regime als „Auswüchse des Judentums, Israels und Zionismus“ betrachtet, wird im Inneren unterdrückt: das Ablegen des Kopftuchs, Feminismus, Homosexualität, die Bahái-Religion, die nationalen Minderheitsrechte, die Moderne, universelle Menschenrechte und die „Jin, Jiyan, Azadi“-Bewegung.
Diese Instrumentalisierung ist kein exklusiv monarchistisches Muster. Auch die Islamische Republik nutzt seit 1979 Israel, Zionismus und jüdische Geschichte politisch: über die Trennung von „Juden“ und „Zionisten“, staatliche antiisraelische Rhetorik, den Al-Quds-Diskurs und die permanente Aufladung der Palästinafrage.
Die Systeme sind nicht gleich. Gemeinsam ist ihnen die politische Instrumentalisierung historischer Narrative.
Dynastische Kontinuität und politische Gegenwart
Die Berliner Aussagen Reza Pahlavis sind politische Konstruktion. Jüdische Geschichte wird darin zum Material einer nachträglichen Selbstbeschreibung der Dynastie als säkular und modern.
Die selektive Geschichtserzählung verdeckt den autoritären Charakter der Monarchie.
Diese Rahmung umfasst die Staatsbildung unter Reza Schah und Mohammad Reza Schah. Der zentralistische Staat band religiöse Institutionen in seine Ordnung ein. Der schiitische Klerus war Teil dieser Machtstruktur.
Religiöse Institutionen wurden staatlich kontrolliert und ungleich behandelt. Besonders unterdrückt waren Bahai, Teile der jüdischen Gemeinden sowie sunnitische Bevölkerungsgruppen.
Heute wird daraus rückwirkend ein Bild religiöser Offenheit konstruiert.
Die Reaktivierung dieser Deutung dient der politischen Positionierung der Exilmonarchie. Reza Pahlavi stellt dynastische Kontinuität her, ohne die institutionellen Grundlagen dieser Ordnung zu reflektieren.
Auch internationale Unterstützung folgt politischen Interessen. Benjamin Netanjahu bezeichnete Reza Pahlavi jüngst als „positive Kraft“. Kritiker sehen darin eine verkürzte Einordnung, geprägt von einem Umfeld, das monarchistische Exilnetzwerke unzureichend reflektiert.
Jüdische Geschichte wird in diesem Zusammenhang politisch funktionalisiert.
Demokratische Opposition zwischen Antitotalitarismus und der Ablehnung identitärer Vereinnahmung
Die Pahlavi-Dynastie – und Reza Pahlavi heute – betreibt Erinnerungspolitik, indem jüdische Geschichte und Israel instrumentalisiert werden, um autoritäre Kontinuitäten der Monarchie zu legitimieren.
Die demokratische Opposition im Iran und im Exil müssen sich doppelt abgrenzen: gegen die Islamische Republik ebenso wie gegen nationalistische und monarchistische Vereinnahmungen, um die Befreiung in identitäre oder autoritäre Narrative zu verhindern.
Demokratische Politik kann nur auf universellen Menschenrechten beruhen und setzt eine klare Distanz zu Antisemitismus, Islamismus und ethnischem Nationalismus voraus. Der Kampf gegen das Regime im Iran und für die Sicherheit Israels sind dabei nicht voneinander zu trennen, weil der Antisemitismus des Regimes Teil seiner Herrschaftspolitik ist.
Der erklärte Hauptfeind des Regimes ist Israel. Alles, was das Regime als „Auswüchse des Judentums, Israels und Zionismus“ betrachtet, wird im Inneren unterdrückt: das Ablegen des Kopftuchs, Feminismus, Homosexualität, die Bahái-Religion, die nationalen Minderheitsrechte, die Moderne, universelle Menschenrechte und die „Jin, Jiyan, Azadi“-Bewegung.
Solidarität mit der iranischen Freiheitsbewegung bedeutet daher auch die Zurückweisung jeder Instrumentalisierung jüdischer Geschichte sowie die offizielle Anerkennung Israels durch OppositionsKräfte als politischer Realität im Nahen Osten.
Quellen
Einleitung
https://www.iranintl.com/en/202304176358
Berliner Selbsterzählung und politische Absicht: Die jüdische Frage als Legitimationsinstrument
https://www.qantara.de/artikel/ausstellung-die-geschichte-irans-und-der-juden-licht-und-schatten
Was die Geschichte tatsächlich zeigt
https://www.qantara.de/artikel/ausstellung-die-geschichte-irans-und-der-juden-licht-und-schatten
https://www.britannica.com/topic/SAVAK
Reza Schah und die Nähe zu Nazi-Deutschland
https://www.howardblum.com/blog-posts/reza-shah-and-adolf-hitler-irans-history-with-the-third-reich
Sardari: Rettungstat statt dynastischer Legitimierung
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-muslimische-diplomat-der-ueber-2000-juden-rettet
https://www.yadvashem.org/righteous/stories/sardari.html
Die Beziehungen zu Israel unter Mohammad Reza Schah und die innere politische Struktur
https://www.bbc.com
ews/world-middle-east-16241650
https://www.nytimes.com/2019/01/14/world/middle-east/iran-mossad-savak-cooperation.html
SUMKA und faschistische Anleihen im monarchistischen Umfeld
https://www.britannica.com/topic/SUMKA
https://www.youtube.com/watch?v=_OaHN_g2PTM
Erinnerungspolitik statt Aufarbeitung / Demokratische Opposition
https://www.jpost.com/middle-east/article-778923