Die Erinnerung an Dr. Mohammad Mossadegh – 73 Jahre nach dem Putsch Kontroverse über den Staatsstreich von 1953
73 Jahre nach dem Sturz Mohammad Mossadeghs wird erneut darüber gestritten, ob der 19. August 1953 (28. Mordad 1332) ein Staatsstreich gegen seine Regierung oder ein inneriranischer Aufstand war.
Die Frage spaltet angesichts der heutigen politischen Polarisierung iranische Oppositionskräfte, Anhänger:innen Reza Pahlavis und Exilmedien. Dabei werden von Letzteren historische Forschungsergebnisse und inzwischen freigegebene Geheimdienstunterlagen der USA und Großbritanniens teilweise ausgeblendet.
Olaf Scholz: "Das iranische Dilemma"
Der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz führte während des Iran-Krieges 2026 bei einem öffentlichen Auftritt sinngemäß das „ganze Dilemma im Iran“ auf das Jahr 1953 und den britisch-amerikanischen Sturz Mossadeghs zurück. Dies wird auch in einem Beitrag der Berliner Zeitung vom 14. Mai 2026 dokumentiert. [13]
Der Sturz Mossadeghs stärkte die politische und persönliche Macht des Schahs und leitete eine autoritäre Entwicklung des Pahlavi-Staates ein. Diese Entwicklung gehört zur Vorgeschichte der politischen Krise, die schließlich 1979 in die Islamische Revolution mündete.
Der Weg von 1953 nach 1979 verlief jedoch nicht geradlinig. Politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und religiöse Entwicklungen im Iran sowie geopolitische Faktoren wirkten zusammen. Die Islamische Republik war daher nicht allein eine Folge des Putsches, aber ohne die politischen Veränderungen nach 1953 ist die spätere Entwicklung Irans nicht vollständig zu verstehen.
Das politische Projekt Mossadeghs
Dr. Mohammad Mossadegh wollte die Monarchie im Iran nicht abschaffen. Er wollte den Schah als konstitutionellen Monarchen erhalten, ihm aber die direkte politische Regierungsgewalt entziehen und die verfassungsmäßigen Rechte des Parlaments stärken. [12]
Als liberaler und demokratisch orientierter Premierminister wurde Mossadegh zur führenden politischen Kraft hinter der Nationalisierung der iranischen Ölindustrie im Jahr 1951. Unter seiner Regierung wurde das britische Ölmonopol im Iran gebrochen. Die Kontrolle über die iranischen Erdölressourcen wurde zum zentralen politischen Konflikt zwischen Iran und Großbritannien. Großbritannien zog wegen der Verstaatlichung seine Techniker aus der Raffinerie in Abadan ab und reagierte mit einem internationalen Ölboykott gegen Iran. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag, von Mossadegh angerufen, erklärte sich 1952 für nicht zuständig. Das war ein faktischer Erfolg für ihn und den Iran.
Mossadeghs politische Basis war die von ihm mitgegründete Jebhe-ye Melli, die Nationale Front, ein Bündnis säkular-nationalistischer und liberaler Kräfte. Die Jebhe-ye Melli besteht bis heute, ist jedoch im Iran und in der Diaspora politisch stark zersplittert. [1].
Der Putsch gegen Mossadegh
Der Sturz der Regierung Mossadeghs am 19. August 1953 war kein isolierter inneriranischer Machtkampf. Die britische und amerikanische Intervention, die Beteiligung von Militärs, monarchistischen Kräften, Teilen des religiös-politischen Milieus und pro-schahistischen zivilen Straßenmilizen gehörten zusammen.[1, 3, 4, 5]
Der Putsch wurde von den USA und Großbritannien unterstützt und von der CIA maßgeblich organisiert. Die amerikanische Geheimdienstoperation AJAX beziehungsweise TPAJAX spielte dabei die zentrale Rolle.[3, 4, 5, 6] Der britische Geheimdienst MI6 hatte die Planung ursprünglich vorangetrieben, bevor die USA die Federführung übernahmen. [4, 5]
Die britische Planung trug den Decknamen ‚Operation Boot'. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und Großbritannien 1952 übergab London die Führung an die USA
Kermit Roosevelt Jr. koordinierte auf amerikanischer Seite die geheime Operation. Er arbeitete mit iranischen Akteuren, Militärs und politischen Gegnern Mossadeghs zusammen. Zu den Mitteln gehörten politische Einflussnahme, Propaganda, die Mobilisierung von Demonstranten und die Unterstützung von Kräften innerhalb des iranischen Machtapparats.[3, 4, 5, 6]
Wenige Wochen zuvor hatte Mossadegh per Referendum das Parlament aufgelöst, um mit Notstandsvollmachten zu regieren. Der Schah nutzte dies später als Begründung für seinen Entlassungserlass.
Die Truman-Administration hatte einen Putsch zunächst nicht mitgetragen. Erst unter Präsident Dwight D. Eisenhower, mit Außenminister John Foster Dulles und CIA-Direktor Allen Dulles, wurde die Operation freigegeben. [4, 7, 8] Im Februar 1953 begannen amerikanische und britische Vertreter mit der Ausarbeitung des AJAX-Plans. Die endgültige amerikanische Zustimmung erfolgte im Juni 1953. [8]
General Zahedi
Ein zentraler iranischer Akteur war General Fazlollah Zahedi. Er war ehemaliger Innenminister Mossadeghs, stellte sich gegen dessen Regierung und wurde von den britischen und amerikanischen Planern als dessen Nachfolger vorgesehen. [1] Zahedi arbeitete mit verschiedenen Gegnern Mossadeghs zusammen, darunter Ayatollah Abol-Ghasem Kashani [1, 10], und wurde nach dem erfolgreichen Putsch zum Premierminister eingesetzt.[1]
Der Ablauf des Putsches: erster und zweiter Versuch
Der erste Putschversuch vom 15. August 1953 scheiterte. Der Schah hatte zuvor zwei Erlasse unterzeichnet: Mossadegh sollte als Premierminister abgesetzt und General Fazlollah Zahedi zu seinem Nachfolger ernannt werden.
Oberst Nematollah Nassiri überbrachte Mossadegh den Entlassungserlass und wurde festgenommen. Mossadegh erkannte die Absetzung nicht an. [4, 17]
Anschließend verließ der Schah am 16. August 1953 den Iran und floh zunächst nach Bagdad und anschließend nach Rom. General Zahedi tauchte unter und wurde in einem Versteck der CIA verborgen.
Nach dem Scheitern des ersten Versuchs änderte das CIA-Team seine Strategie. Bereits zuvor hatte die CIA gegen Mossadegh eine umfangreiche Propaganda- und Mobilisierungskampagne organisiert. Artikel, Flugblätter und Gerüchte wurden verbreitet.[4] Führer pro-schahistischer Parteien wurden bezahlt, um Demonstrationen zu organisieren und Unruhe zu erzeugen. Auch Abgeordnete des Parlaments und hochrangige Militärs wurden zur Unterstützung des Putsches gewonnen.
Am 17. und 18. August wurden Demonstrationen organisiert und provoziert. Dabei wurden auch Gruppen eingesetzt, die sich als Anhänger der kommunistischen Tudeh-Partei ausgaben.[17, 18, 19] Die Aktionen sollten die Angst vor einer kommunistischen Machtübernahme und vor einer engen Bindung an die Sowjetunion verstärken und den Eindruck eines drohenden Zusammenbruchs der staatlichen Ordnung erzeugen. Mossadegh und die Tudeh-Partei riefen nach Berichten ihre Anhänger daraufhin auf, den Straßen fernzubleiben.
Die Tudeh-Partei und die unterlassene Militärshilfe
Die Tudeh-Partei verfügte über ein weitreichendes Netz von Anhängern innerhalb der iranischen Streitkräfte. [20, 21]
Trotzdem setzte ihre Führung diese Kräfte während des Putsches nicht zur Verteidigung der Regierung Mossadeghs ein. Damit blieb ein Teil des Militärs, der über Tudeh-Anhänger verfügte, gegenüber dem entscheidenden Angriff auf Mossadegh weitgehend passiv.[20, 21] Dies wird immer noch von bestimmten Iraner:innen und Oppositionsgruppen gegen die Pahlavi-Dynastie als ‚Verrat' der Tudeh-Partei bezeichnet und verurteilt.
Ayatollah Kashani und das religiöse Lager
Der schiitische Klerus war keineswegs geschlossen. Ayatollah Abol-Ghasem Kashani war zunächst ein Verbündeter Mossadeghs, stellte sich später jedoch gegen ihn und unterstützte General Fazlollah Zahedi [1, 10] Damit wurde er zu einem wichtigen religiös-politischen Akteur innerhalb der Anti-Mossadegh-Koalition. [1, 10] Auch die islamistische Organisation Fada'iyan-e Islam unter ihrem Anführer Seyyed Mojtaba Navvab-Safavi bekämpfte Mossadegh. [22]
Die damalige Position des Gründers der Islamischen Republik von 1979, Khomeini, wird später behandelt.
Der Putschtag: 19. August 1953
An diesem Tag begann die entscheidende pro-schahistische Mobilisierung. In Südteheran sammelten sich Menschenmengen, darunter auch Personen aus dem kriminellen Milieu und bewaffnete Schlägertruppen.[1] Sie zogen zum Basar und in Richtung Radio Teheran. Mit Knüppeln und anderen Waffen griffen sie Anhänger Mossadeghs an, plünderten politische Büros und Zeitungsredaktionen und setzten Einrichtungen in Brand. Sie riefen:
„Javid Shah, Marg bar Mossadegh-e kha'en“ (Tod dem Verräter Mossadegh) – „Es lebe der Schah!“
Menschen wurden auf den Straßen angegriffen und getötet. Schätzungen zu den Todesopfern schwanken zwischen etwa 200 und 300. [17] Mossadeghs Privathaus wurde geplündert und niedergebrannt. Mossadeghs Außenminister Hossein Fatemi wurde nach dem Putsch gefangen genommen und später von der Regierung Zahedi hingerichtet.[23]
Teile der Polizei und der Armee schlossen sich den Putschisten an. Mehrere wichtige Militäroffiziere wechselten auf die Seite Zahedis. [1] Die bewaffneten Gruppen besetzten strategische Einrichtungen, darunter schließlich Radio Teheran, von wo aus der Sturz der Regierung Mossadeghs verkündet wurde. Nach stundenlangen Kämpfen war der Putsch erfolgreich.
Mossadegh nach dem Putsch
Mossadegh wurde nach dem Putsch vom 19. August 1953 zunächst in einer Kaserne in Teheran festgehalten. Ein Militärgericht verurteilte ihn wegen Hochverrats zu drei Jahren Haft in Einzelhaft, die er in einem Militärgefängnis in Teheran verbüßte.
Im Dezember 1956 wurde er aus der Haft entlassen und zog sich anschließend auf sein Landgut in Ahmadabad in der Provinz Qazvin zurück. Dort stand er bis zu seinem Tod unter Hausarrest und wurde von Agenten des Geheimdienstes SAVAK überwacht.
Mohammad Mossadegh starb am 5. März 1967 im Alter von 84 Jahren an Krebs auf seinem Gut in Ahmadabad. [1]
Sein politischer Einfluss war damit nicht beendet. Die Erinnerung an ihn blieb mit nationaler Souveränität, parlamentarischer Demokratie und der Kontrolle über die iranischen Ressourcen verbunden.
Die amerikanische Verantwortung
Die amerikanische Beteiligung am Putsch wurde von der US-Regierung zunächst geheim gehalten. Erst die schrittweise Freigabe der Geheimdienstdokumente machte die Rolle der damaligen US-Regierung öffentlich nachvollziehbar.[3, 4]
Besonders wichtig ist die interne CIA-Geschichte The Battle for Iran, die Mitte der 1970er Jahre erstellt und später freigegeben wurde. Sie dokumentiert die Rolle der CIA bei der Planung und Durchführung der Operation sowie die Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst MI6 und iranischen Akteuren.[5, 6]
Unmittelbar nach dem erfolgreichen Putsch stellte die CIA der neuen Regierung Zahedis fünf Millionen Dollar zur Verfügung. Ein CIA-Telegramm vom 19. August 1953 belegt, dass diese Summe zur Unterstützung der neuen Regierung und zur Finanzierung ihrer laufenden Ausgaben bereitgehalten werden sollte. Nach Angaben der Forschung erhielt Zahedi darüber hinaus zusätzlich eine Million Dollar in bar.
http://history.state.gov/historicaldocuments/frus1951-54IranEd2/d286
Eine wichtige öffentliche Anerkennung erfolgte im Jahr 2000. Die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright erklärte, die USA hätten 1953 eine bedeutende Rolle beim Sturz Mossadeghs gespielt. Sie bezeichnete den Putsch als einen Rückschlag für die politische Entwicklung Irans.[9]
2013 wurden zum 60. Jahrestag weitere zuvor geheim gehaltene CIA-Unterlagen veröffentlicht. Darunter befand sich eine zuvor stark geschwärzte Fassung von The Battle for Iran, in der entfernte Passagen über TPAJAX wieder zugänglich wurden. Das National Security Archive dokumentiert darin ausdrücklich die Beteiligung der CIA an Planung und Durchführung des Putsches. [3, 5, 6] In der Forschung ist jedoch umstritten, wie entscheidend die CIA-Operation für den Ausgang war. Historiker wie Ervand Abrahamian betonen stärker innenpolitische iranische Faktoren, andere wie Mark Gasiorowski die zentrale Rolle der CIA-Planung.
Die historische Tatsache dieser amerikanischen Beteiligung steht heute zugleich im Zentrum antiamerikanischer Propaganda des Mullah-Regimes und anderer antiimperialistischer Kräfte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Die historische Verantwortung der USA für 1953 bleibt davon unabhängig eine dokumentierte Tatsache.
Der Schah und die Erinnerung an 1953
Auch Mohammad Reza Shah Pahlavi bewertete den Sturz Mossadeghs eindeutig. Er verteidigte ihn und stellte ihn als nationale Rettung dar. In seinem Buch Mission for My Country rechtfertigte er den Sturz Mossadeghs als ein Ereignis, das Iran vor Mossadegh gerettet habe.
Die Pahlavi-Herrschaft hatte ein widersprüchliches Verhältnis zur schiitischen Geistlichkeit. Reza Shah und später Mohammad Reza Shah gingen gegen Teile der traditionellen Geistlichkeit vor. Gleichzeitig blieb der schiitische Klerus gesellschaftlich und institutionell bedeutend und wurde unter Mohammad Reza Shah teilweise finanziell und institutionell unterstützt.
Mohammad Reza Shah war nach seinen Freunden selbst religiös und konnte oder wollte den politischen Einfluss des Klerus nicht dauerhaft zurückdrängen - vielleicht auch deswegen mit deren Hilfe die Entwicklung der linken Strömungen im Iran zu verhindern. Als Mohammad Reza Pahlavi 1941 den Thron bestieg, gab es nach Berichten des iranisch-amerikanischen Historikers Abbas Milani im Land 300 Moscheen, 1979 waren es 53.000. Für die entsprechende Angabe in der persischen Ausgabe von Negahi be Shah ist die Fundstelle auf Seite 114 heranzuziehen.[15] (ggf. ergänzend [16]
Diese Entwicklung ist für das Verständnis von 1979 wichtig. Die Islamische Revolution entstand nicht aus dem Nichts. Sie entwickelte sich vor dem Hintergrund eines autoritären Staates, der Einparteienherrschaft der „Rastakhiz“ und der SAVAK, die oppositionelle Bewegungen unterdrückten, während religiöse Netzwerke gesellschaftlich weiterbestanden und sich strukturierten.
Die Folgen des Putsches
Wirtschaftlich profitierten davon vor allem amerikanische Ölkonzerne: 1954 entstand ein neues Ölkonsortium, an dem sie erstmals mit 40 Prozent beteiligt waren.
Politisch stärkte der Putsch die Stellung des Schahs entscheidend. Mohammad Reza Pahlavi regierte bis 1979 mit wesentlich größerer Macht [1] und stützte sich zunehmend auf die SAVAK, die zum zentralen Instrument der Repression wurde. [2] Politische Gegner wurden verhaftet, gefoltert, hingerichtet, Medien zensiert. Diese Repression machte auch vor dem Ausland nicht halt: Beim Schah-Besuch am 2. Juni 1967 in West-Berlin griffen SAVAK-Leute protestierende Studierende mit Knüppeln an.
Die Islamische Revolution von 1979 lässt sich daraus allein nicht erklären – politische, gesellschaftliche und religiöse Entwicklungen wirkten über Jahrzehnte zusammen. Der Putsch veränderte aber die Kräfteverhältnisse grundlegend und gehört zu ihrer Vorgeschichte.
Rouhollah Khomeini und Mossadegh
Der Gründer der Islamischen Republik, Ruhollah Khomeini, lehnte den säkularen Nationalismus Mossadeghs ab und stand dem religiös-politischen Lager nahe, das sich gegen dessen Politik stellte.[14] Zu diesem Lager gehörte auch Ayatollah Abol-Ghasem Kashani, der sich später gegen Mossadegh wandte und General Fazlollah Zahedi unterstützte.[1, 10]
Auch nach 1979 zeigen Khomeinis eigene Äußerungen über Mossadegh diese Distanz. Khomeini kritisierte die Nationalisten, einschließlich der Jebhe-ye Melli, dafür, dass sie sich seiner Auffassung nach nicht ausreichend auf den Islam gestützt hätten. Mossadegh durfte aus seiner Sicht nicht zu einer politischen Autorität erhoben werden, die über dem Islam oder einem religiösen Führer stand.[14]
Darin liegt ein historischer Widerspruch: Die spätere Islamische Republik konnte Mossadegh als Symbol des Widerstands gegen ausländische Einmischung vereinnahmen, obwohl das religiös-politische Lager, dem Khomeini angehörte, seinen säkularen Nationalismus ablehnte.
Mossadegh war kein Vorläufer des Khomeinismus. Sein politisches Projekt beruhte auf Parlamentarismus, nationaler Souveränität und der Begrenzung monarchischer Macht. Die spätere Vereinnahmung seiner Person durch die Islamische Republik ändert daran nichts.
Mossadegh und die heutigen Oppositionsgruppen
Mossadegh und seine politische Agenda werden heute von verschiedenen Oppositionsgruppen gewürdigt. Gleichzeitig wird seine politische Bedeutung von Teilen der Pahlavi-Anhänger bestritten. In sozialen Netzwerken wird er als Verräter diffamiert und der 28. Mordad als notwendige Rettung der Monarchie dargestellt. Auch bei manchen Demonstrationen von Reza-Pahlavi-Anhänger:innen in den USA und anderen westlichen Städten wurde der Putsch gegen Mossadegh relativiert oder verherrlicht.
Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Welches politische Iranbild vertreten die heutigen Oppositionskräfte für die Zeit nach der Islamischen Republik? Wer Mossadegh als Verräter bezeichnet und den Putsch als Rettung der Monarchie rechtfertigt, übernimmt im Kern die historische Sicht des Pahlavi-Staates. Wer dagegen in Mossadegh einen Vertreter nationaler Souveränität und eines demokratischen Entwicklungsweges sieht, stellt die politische Selbstbestimmung des iranischen Volkes über die Herrschaft einer autoritären Dynastie.
Von Reza Pahlavi wäre deshalb eine klare Haltung zu erwarten: Er sollte den Putsch von 1953 öffentlich als Staatsstreich anerkennen, Mossadeghs demokratische und nationale Bedeutung respektieren und sich gegen die Diffamierung Mossadeghs durch seine eigenen Anhänger:innen stellen.
Die Lehre Mossadeghs für die Gegenwart
Die Lehre aus dem Putsch von 1953 darf nicht in der Rückkehr zu einer anderen autoritären Herrschaft liegen. Sie muss in der freien politischen Selbstbestimmung des iranischen Volkes und in einer demokratischen Zukunft Irans bestehen.
Seine Erinnerung steht für einen politischen Anspruch, der heute in der Jin-Jiyan-Azadi-/Frau-Leben-Freiheit-Bewegung weiterwirkt: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, nationale Souveränität, politische Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.
Quellen
1. Encyclopaedia Iranica – „Coup d'État of 1332 Š./1953“
https://www.iranicaonline.org/articles/coup-detat-1953/
2. Encyclopaedia Iranica – „Central Intelligence Agency (CIA) in Persia“
https://www.iranicaonline.org/articles/central-intelligence-agency-cia-in-persia/
3. National Security Archive – „CIA Confirms Role in 1953 Iran Coup“
4. National Security Archive – „The Secret CIA History of the Iran Coup, 1953“
5. National Security Archive – „The Battle for Iran, 1953“
6. National Security Archive – Originaldokument: CIA, „The Battle for Iran“
7. National Security Archive – „Iran 1953: State Department Finally Releases Updated Official History of Mosaddeq Coup“
8. U.S. Department of State – Historical Documents, FRUS 1951–1954, Iran, Dokument 286
http://history.state.gov/historicaldocuments/frus1951-54IranEd2/d286
9. U.S. Department of State / USINFO – Madeleine Albright, „American-Iranian Relations“, 17. März 2000
https://usinfo.org/wf-archive/2000/000317/epf502.htm
10. Encyclopaedia Iranica – „Kāšāni, Sayyed Abu'l-Qāsem“
https://www.iranicaonline.org/articles/kasani-abul-qasem/
11. Encyclopaedia Iranica – „Ala, Hosayn“
https://www.iranicaonline.org/articles/ala-hosayn/
12. Cambridge University Press – „Refracted: Mohammad Mosaddeq and Iranian National Identity“
13. Berliner Zeitung – Beitrag zur historischen Rolle von 1953 und der Aussage von Olaf Scholz, 14. Mai 2026
14. Imam Khomeini – Dokumentation zu Khomeinis Äußerungen über den 28. Mordad
15. Abbas Milani – The Shah / Negahi be Shah
Persische Ausgabe, Seite 114.
16. Universität Freiburg – Dokumentation zu Abbas Milani / The Shah
https://freidok.uni-freiburg.de/files/258484/KakDtP-ZT1SHjTViG/Geschichtspolitik%2Bin%2BIran.pdf
17. Wikipedia (englisch), „1953 Iranian coup d'état": https://en.wikipedia.org/wiki/1953_Iranian_coup_d%27%C3%A9tat
18.: https://kids.kiddle.co/1953_Iranian_coup_d'%C3%A9tat
19. Military Wiki (Fandom), „1953 Iranian coup d'état": https://military-history.fandom.com/wiki/1953_Iranian_coup_d'%C3%A9tat
20. MERIP-Interview mit Fereidun Keshavarz, „Tudeh's Policy Is a Betrayal of the Working Class": https://www.merip.org/1981/07/tudehs-policy-is-a-betrayal-of-the-working-class/
21. Iran Chamber, „State of Paralysis" (Tudeh-Fraktionalismus und der Putsch 1953): https://www.iranchamber.com/history/articles/state_of_paralysis.php
22. Encyclopaedia-Iranica-Artikel „FEDĀʾĪĀN-E ESLĀM" https://www.iranicaonline.org/articles/fedaian-e-esla/
23. Iranica-Artikel („FĀṬEMĪ, ḤOSAYN")
https://www.iranicaonline.org/articles/fatemi/