Dienstag, 11.08.2026 / 23:02 Uhr

Reuters und Reza Pahlavi: Der Mythos vom Retter des Iran

Gastbeitrag von Kazem Moussavi
Reza

Reza Pahlavi bei einem Interview mit VOA Farsi

Bild:
Voice of America, Wikimedia Commons via Picryl (Bildquelle)

Der Führungsanspruch des Schah-Sohns macht zugleich die Krise der iranischen Opposition sichtbar.

Ein investigativer Reuters-Bericht über Reza Pahlavi zeigt nicht nur seine Grenzen auf, sondern offenbart vor allem die strukturelle Krise der gesamten iranischen Opposition und das Fehlen einer demokratisch legitimierten Alternative zum Mullah-Regime.

Die iranische Opposition befindet sich seit Jahrzehnten in einer tiefen Krise, geprägt von Fragmentierung, Machtkämpfen, persönlichen und ideologischen Rivalitäten und strategischer Orientierungslosigkeit. Zwischen Exilpolitik und den Bedingungen im Iran, zwischen Republikanern, Monarchisten, Mojahedin, Linken, Liberalen sowie ethnischen und regionalen Kräften fehlt es an einer gemeinsamen demokratischen Plattform, an belastbaren Organisationsstrukturen und an einer legitimierten Vorstellung davon, wie das Regime solidarisch miteinander überwunden und ein Übergang nach der Islamischen Republik gestaltet werden soll.

Bereits in Konkret Nr. 4/2026 hat der Verfasser diese Defizite als zentrales Problem der gesamten iranischen Opposition beschrieben, einschließlich Reza Pahlavis Rolle in der Diaspora.

„Frau, Leben, Freiheit“ ohne Führer

Die soziale und politische Bewegung „Jin, Jiyan, Azadî“ im Iran bleibt in ihrer horizontalen Struktur bewusst führungslos, weil sie sich gegen Patriarchat, Kultfiguren und Führerprinzip richtet. Diese Struktur ist eine politische Stärke der Bewegung. Sie schützt vor der Herausbildung einer unantastbaren Führungsfigur und basiert auf dem Kampf gegen autoritäre Herrschaft und politische Personenkulte.

Verschiedene Exilkräfte versuchen deshalb, die Bewegung politisch zu vereinnahmen und ihre zentrale Parole umzudeuten. Aus dem monarchistischen Umfeld wird „Jin, Jiyan, Azadî“ die Parole „Mard, Mihan, Abadi“ – „Mann, Vaterland, Wohlstand“ oder „Fortschritt“ – entgegengesetzt. Die Mojahedin machen aus „Jin, Jiyan, Azadî“ „Frau, Widerstand, Freiheit“ gegenüber.

Pahlavi: Der Gewinner der Schwäche

Die GAMAAN Erhebung des früheren Pahlavi-Unterstützers Ammar Maleki in den Niederlanden zu den Protesten und zum Krieg 2026 macht das Spannungsverhältnis sichtbar: Einer erheblichen Ablehnung der Islamischen Republik und breiten Zustimmung zu oppositionellen Parolen steht weiterhin eine unzureichende politische Organisierung gegenüber.

Reza Pahlavi ist dabei nicht das einzige Problem; seine politische Bedeutung ist vielmehr ein Ergebnis dieser Schwäche. Wo eine breit aufgestellte, demokratisch legitimierte und handlungsfähige Opposition fehlt, gewinnen einzelne Akteure überproportional an Sichtbarkeit und Einfluss.

Die Rückkehr des starken Mannes

Die Zustimmung zu Reza Pahlavi lässt sich bei einem Teil der jungen Generation durch die Enttäuschung über die weitgehend machtlose Opposition erklären. Für viele steht zunächst die Beseitigung des diktatorischen Mullah-Systems im Vordergrund, während die politische Alternative noch unklar bleibt. Hinzu kommen eine Pahlavi-Nostalgie, die die Vergangenheit idealisiert, sowie ein autoritärer und nationalkonservativer Backlash, wie er derzeit auch in westlichen Ländern durch den Aufstieg rechter Bewegungen sichtbar ist. In diesem politischen Klima erscheint Pahlavi manchen als starke Figur, auf die Hoffnungen auf Stabilität projiziert werden.

Der Führungsanspruch auf dem Prüfstand

Pahlavis Aufstieg zur dominierenden Exilfigur ist zugleich Ausdruck der Schwäche der gesamten Opposition – weshalb sein Führungsanspruch kritisch geprüft werden muss.

Der investigative Reuters-Bericht untersucht Pahlavis politischen Anspruch, seine Organisationsversuche, seine Unterstützer, seine politischen Netzwerke und die Widersprüche zwischen seinen öffentlichen Aussagen und den Ergebnissen der Recherche.

Die Kritik an Pahlavi darf nicht als interne Abrechnung mit einer einzelnen Oppositionsfigur verstanden werden.

Die Mojahedin ohne breite Bündnisperspektive

Die organisierten Volksmojahedin waren seit August 1981 eine zentrale Kraft im Aufbau des Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI), der zunächst als breites Bündnis verschiedener oppositioneller Kräfte gegen die Islamische Republik angelegt war. Das Bündnis wurde jedoch zunehmend von den Mojahedin dominiert; zahlreiche ursprüngliche Partner zogen sich später zurück.

Trotz ihres langen Widerstands gegen das Regime und ihrer zahlreichen Opfer haben die Mojahedin aufgrund ihrer islamisch geprägten Ideologie, ihrer Distanz zu „Frau, Leben, Freiheit“ und den Forderungen jüngerer Generationen sowie ihres Anspruchs, die alleinige legitime Opposition zu sein, keine realistische Chance, die heterogenen und islamkritischen Oppositionsgruppen zu bündeln - trotz ihrer Werbung und Position für den Säkularismus.

Zwar haben sie früh die regionale Expansionspolitik thematisiert und das Atomprogramm des Regimes offengelegt, jedoch den Antisemitismus und die Vernichtungsdrohungen gegen Israel – wie viele linke Organisationen – nicht öffentlich und konsequent verurteilt, was die Mullah-Politik der Unterstützung von Hamas und Hisbollah unter dem Deckmantel der „Befreiung Palästinas“ verharmlost, relativiert.

Die Linke im ideologischen Zwielicht

In den letzten Jahren haben Teile der iranischen Linken sozialdemokratische Positionen angenommen. Ihre politische Lage und die ideologischen Konflikte werden im Gastbeitrag „Ideologische Netzwerke, Exil und Querfront: Die Tudeh-Partei, die deutsche Linke und das iranische Regime“ in der Jungle World – von Tunis nach Teheran diskutiert.

Kurdische Opposition, alte Konflikte

Die kurdischen Kräfte sind ebenfalls von langjährigen inneren Konflikten und organisatorischer Fragmentierung geprägt. Die Bildung eines neuen Bündnisses aus sechs Parteien ist deshalb zwar ein wichtiger Schritt, beseitigt aber nicht automatisch ihre politischen Gegensätze.

Wer organisiert den Übergang?

Ob Kooperation und Übergang gelingen, hängt davon ab, ob die gesamte Opposition in einer Phase der Regimesschwäche ihre Defizite rasch beheben, handlungsfähige Strukturen aufbauen und ein effektives Führungsteam etablieren kann.

Solange Teile der Opposition in autoritären Machtphantasien verharren und jede Kritik als Spaltung oder Defätismus denunzieren, ist ein Machtwechsel im Iran kaum realistisch.

Quellenhinweis zur Analyse

Der Reuters-Bericht „Regime change? Inside Reza Pahlavi’s faltering bid to lead Iran“ sowie das 75-minütige Interview mit Reza Pahlavi wurden am 28. Juli 2026 veröffentlicht. Reuters interviewte mehr als 50 Personen, darunter acht derzeitige und ehemalige Mitarbeiter beziehungsweise Weggefährten Pahlavis, und prüfte Hunderte Seiten juristischer Dokumente sowie Foto-, Video- und Social-Media-Material.

Die nachfolgenden Quellenangaben dienen dazu, dokumentierte Fakten von eigenen politischen Analysen und Bewertungen zu unterscheiden. Wo Reuters eine Behauptung Pahlavis wiedergibt, wird dies ausdrücklich als seine Aussage gekennzeichnet. Wo Reuters eine Behauptung nicht unabhängig überprüfen konnte, wird dies ebenfalls kenntlich gemacht.

Reza Pahlavi und der Anspruch auf Führung

Reuters beschreibt Pahlavi als die bekannteste Oppositionsfigur und hebt zugleich hervor, dass sein wichtigstes politisches Kapital sein Name als Sohn des letzten Schahs ist. [Vgl. Reuters, 28.07.2026]

Während der Proteste von 2022 im Iran, deren internationales Gesicht Jina Mahsa Amini wurde, erhob er den Anspruch, die politischen Forderungen der Iranerinnen und Iraner zu vertreten und als deren Anwalt aufzutreten. [Vgl ebd.]

Im Januar 2026 beanspruchte er dann die Führung der „nationalen Revolution“ und erklärte sich bereit, nach dem Ende der Islamischen Republik eine Übergangsphase zu führen. [Vgl ebd..]

Kurz nach Beginn des Iran-Krieges erklärte Pahlavi auf X: „The Iranian people have called on me to lead the transition after the regime is gone. I have accepted that responsibility.“ [Ebd.]

Inzwischen hat er die „nationale Revolution“ in „Revolution von Löwe und Sonne“ umbenannt. „Löwe und Sonne“ erinnert an die Flagge der gestürzten Pahlavi-Dynastie. Die Flaggen mit dem Löwe-und-Sonne-Symbol, teilweise ergänzt durch die Krone, sind heute das Erkennungszeichen seiner Strömung. [Vgl ebd.]

Bei Demonstrationen seiner Anhängerinnen und Anhänger werden monarchistische Parolen wie „Javid Shah“, „King, King, Reza Pahlavi“, „Dies ist die letzte Schlacht – Pahlavi kommt zurück“, „Eine Flagge, eine Nation, ein Führer“ und „Wir wollen keine Republik – Wir wollen unseren Shah“ skandiert. Zudem werden Bilder von Mohammad Reza Pahlavi und seinem Vaters Reza Schah getragen. [Vgl ebd.]

Krieg, Proteste und die verlorene Dynamik

Anfang Januar 2026 rief Reza Pahlavi zu den Protesten am 8. und 9. Januar im Iran auf und forderte die USA zu militärischer Unterstützung auf. [Vgl ebd.]

Bei diesen Protesten wurden Tausende Demonstrantinnen und Demonstranten vom Regime getötet, verletzt, inhaftiert oder gelten als vermisst. Pahlavi nannte eine Zahl von 40.000 Toten; Reuters zitiert zudem einen iranischen Funktionär mit der Schätzung von mindestens 5.000 Toten. [Vgl ebd.] Für diese Verbrechen ist vor allem das Mullah-Regime verantwortlich.

Erst nach der Niederschlagung dieser Proteste begannen am 28. Februar 2026 die militärischen Angriffe der USA und Israels gegen das Mullah-Regime. [Vgl ebd.]

Krieg, ausländische Intervention und Pahlavis Führungsanspruch

Während des Krieges erklärte Pahlavi gegenüber Reuters, die Niederschlagung der Januarproteste habe seine Haltung zur ausländischen Intervention verändert.

Die Bevölkerung im Iran sei weiterhin die „boots on the ground“, benötige aber ausländische militärische Hilfe. [Ebd.]

Zugleich erklärte Pahlavi, das iranische Volk habe ihn gerufen und er sei bereit, die Verantwortung zu übernehmen. [Ebd.]

Damit verbindet er den Anspruch auf eine politische Führungsrolle mit der Forderung nach militärischer Unterstützung von außen. Beides ist politisch voneinander zu unterscheiden: Der militärische Druck auf das Regime schafft keine demokratische Legitimation für einen einzelnen Oppositionsführer.

Das verlorene Momentum und fehlende Organisation

Reuters beschreibt Pahlavis politische Haltung als „einknickend“ und berichtet, dass seine Sichtbarkeit nach dem Höhepunkt auf der CPAC-Veranstaltung in Texas an Dynamik verloren habe. [Vgl ebd.] „Auch die Teilnehmerzahlen bei pro-pahlavistischen Demonstrationen in der Diaspora zeigen nicht mehr die Mobilisierung.

Entscheidend ist jedoch nicht allein die öffentliche Sichtbarkeit. Reuters konnte keine massenhaft organisierte Bewegung innerhalb Irans feststellen, die bereitsteht, im Falle eines Zusammenbruchs des Regimes die politische Macht zu übernehmen.

Pahlavi widerspricht dieser Einschätzung. Er erklärt, eine robuste Bewegung aufgebaut zu haben, und spricht von mehr als tausend Gruppierungen innerhalb Irans. Reuters konnte diese Angaben jedoch nicht bestätigen. [Ebd.]

Der Versuch, die Opposition im Exil unter seiner Führung zu vereinen, blieb ohne nachhaltigen Erfolg. Reuters dokumentiert mehrere gescheiterte Versuche, darunter die Georgetown Coalition von 2023. [Ebd.]

Die amerikanische Regierung konnte er nicht davon überzeugen, ihn als künftigen Führer Irans zu unterstützen. [Vgl ebd.]

Damit zeigen sich die Grenzen seines Führungsanspruchs: Pahlavi verfügt über Bekanntheit und Unterstützer im Westen, aber nicht über eine nachweislich organisierte politische Kraft im Iran, die seinen Anspruch auf Führung institutionell absichern könnte.

CPAC, iranisch-amerikanische Geldgeber und die „Brücke zur Demokratie“

Pahlavis größter öffentlicher Erfolg fand im März 2026 auf der (in diesem Jahr spärlich besuchten, der Verfasser) Conservative Political Action Conference (CPAC) in Texas statt. Als er die Bühne betrat, erhielt er eine 45 Sekunden lange Standing Ovation. Ein großer Teil der iranisch-amerikanischen Teilnehmer:innen schwenkte die vorrevolutionäre iranische Flagge aus der Zeit seines Vaters und rief „Javid Shah“. [Ebd.]

Kurz zuvor hatten einflussreiche iranisch-amerikanische Geschäftsleute begonnen, über eine finanzielle Unterstützung seiner politischen Arbeit zu beraten.

Eine WhatsApp-Gruppe von zunächst 15, später 28 einflussreichen iranisch-amerikanischen Geschäftsleuten diskutierte seine mögliche politische Rolle. Die von ihnen vertretenen Unternehmen haben nach Angaben eines Mitglieds zusammen eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar. Am Ende spendeten weniger als zehn von ihnen insgesamt mehr als drei Millionen Dollar. [Vgl ebd.]

Zu den Spendern gehörte Dara Khosrowshahi, der iranischstämmige CEO von Uber. Ein Unternehmenssprecher bestätigte seine Spende, stellte jedoch klar, dass Khosrowshahi kein Monarchist sei. Er habe insbesondere Pahlavis Sicherheitsmaßnahmen und dessen mögliche Rolle als Übergangsfigur unterstützt. [Vgl ebd.]

Andere Geldgeber waren enttäuscht. Einer sagte gegenüber Reuters: „They didn’t have the conviction that this is the right guy.“ [Ebd.]

Bemerkenswert ist, dass diese Zweifel nicht von politischen Gegnern Pahlavis kamen, sondern von Personen, die bereit waren, erhebliche Summen für seine politische Arbeit bereitzustellen.

Die Enttäuschung bezog sich auch darauf, dass Pahlavi während der militärischen Eskalation nicht entschieden gegen Trumps Drohung protestierte, die iranische Zivilisation zu vernichten. [Ebd.]

Die Geldgeber erwarteten von Pahlavi offenbar auch eine stärkere Bereitschaft, auf strategische Ratschläge einzugehen. Reuters berichtet, dass einige Unterstützer ihm geraten hatten, stärker auf eine Vereinigung der Opposition hinzuwirken und Gewalt oder Belästigungen durch radikalere Unterstützer deutlicher zu verhindern und zu verurteilen. Pahlavi allerdings weist die Erwartung zurück, seine politische Mission nach den Vorstellungen einzelner Geldgeber auszurichten. [Ebd.]

Politisch bedeutet dies: Wer eine politische Bewegung finanziell unterstützt und erhebliche Summen zur Verfügung stellt, erwartet nicht automatisch Weisungsbefugnis. Eine solche Unterstützung kann jedoch mit der Erwartung verbunden sein, dass strategische Ratschläge und Kritik ernst genommen werden.

Inzwischen beschreibt Reza Pahlavi sich als „Brücke“ zur Demokratie: „I’m not the destination, I’m a bridge to the destination.“ Er wolle keine persönliche Macht, sondern einen Übergang ermöglichen und anschließend den Iraner:innen die Entscheidung über die künftige politische Ordnung überlassen. [Ebd.]

Das klingt demokratisch. Entscheidend ist jedoch, ob seine politische Praxis, sein Übergangsprogramm und die Machtordnung in seinem Umfeld diesem Anspruch entsprechen.

Bekanntheit ist kein demokratisches Mandat

Das Problem ist nicht, dass Pahlavi eine Übergangsphase nach dem Ende der Islamischen Republik vorsieht. Entscheidend ist vielmehr, wie er zunächst den Sturz des Regimes erreichen will und auf welcher politischen Grundlage er selbst den Anspruch erhebt, diese Übergangsphase zu führen.

Reuters benennt einen entscheidenden Unterschied zu historischen revolutionären Führungsfiguren: Pahlavis wichtigstes politisches Kapital ist sein Name – er ist der Sohn des letzten Schahs. [Ebd.]

Anders als etwa Nelson Mandela oder Lech Wałęsa verfügt er laut Reuters nicht über eine vergleichbare, massenhaft organisierte Bewegung im Iran, die bereitsteht, nach einem politischen Zusammenbruch die Macht zu übernehmen. [Ebd.]

Pahlavi selbst räumt den politischen Wert seines Familiennamens ausdrücklich ein: „Yes, I happen to have the Pahlavi name. And by the way, that's a positive.“ [Ebd.]

Reuters schreibt, er sei seit 48 Jahren nicht mehr im Iran gewesen; er verließ das Land 1978 im Alter von 17 Jahren. [Ebd.]

Gleichzeitig behauptet er, mit „cell leaders“ in mehr als tausend Gruppierungen im Iran verbunden zu sein – aus der Arbeiterschaft, Wissenschaft, Religion und ethnischen Organisationen. Diese Verbindungen sollen im entscheidenden Moment eine politische Mobilisierung ermöglichen. Reuters konnte diese weitreichenden Angaben jedoch nicht unabhängig bestätigen. [Vgl. ebd.]

Genau hier liegt das Problem: Bekanntheit und persönliche Unterstützung sind kein demokratisches Mandat.

Eine Übergangsregierung muss nicht nur politische Unterstützung behaupten, sondern ihre Legitimation durch einen freien politischen Prozess erhalten. Eine solche Legitimation besitzt Pahlavi nicht. Außerdem lässt sich die Behauptung, Millionen Iranerinnen und Iraner hätten Pahlavi zum Führer gerufen, nicht als Tatsache feststellen. Unter den Bedingungen der Islamischen Republik gibt es keine freie Abstimmung darüber.

Die mediale Konstruktion einer Mehrheit

Reuters verweist auf eine Ende Juni 2026 durchgeführte Online-Erhebung des niederländischen GAMAAN Research Institute unter 31.450 Menschen innerhalb Irans. Rund 48 Prozent bewerteten Pahlavi positiv. Reuters weist zugleich darauf hin, dass belastbare Umfragen unter den Bedingungen einer autoritären Gesellschaft schwierig sind. [Ebd.]

Viele Pahlavi-Unterstützer:innen kämpfen nicht für autoritäre Herrschaft, sondern für die Freiheit des Iran. Gerade deshalb ist es politisch problematisch, wenn diese Unterstützung von der Pahlavi-Strömung für eine nationalistisch-autoritäre Agenda instrumentalisiert wird.

Ebenso können Protestvideos in sozialen Medien eine demokratische Legitimation nicht ersetzen. Entscheidend ist vielmehr, welche Parolen tatsächlich auf den Straßen dominierten und wie diese Bilder anschließend von Medien ausgewählt und gewichtet wurden.

Eine Untersuchung des Journalisten und Medienforschers Mazdak Azar liefert hierzu einen wichtigen Hinweis. Sein Forschungsteam analysierte mehr als 9.000 Inhalte, darunter rund 4.500 Videos der Januarproteste 2026.

Nach dieser Analyse machten Parolen mit den Begriffen „Schah“ oder „Pahlavi“ etwa 17 Prozent des Gesamtgewichts der erfassten Parolen aus; rund 83 Prozent entfielen auf andere gegen die Islamische Republik gerichtete Parolen.

Gleichzeitig widmete Iran International TV nach den Ergebnissen der Untersuchung durchschnittlich 81 Prozent seiner Berichterstattung Pahlavi, seinen politischen Vorstellungen, Programmen oder seinem Umfeld. Bei BBC Persian lag dieser Anteil bei etwa 35 Prozent. [Mazdak Azar, „Analysis of Media Performance in Covering the January 2026 Protests in Iran“, Iran Academia Journal, 2026]. Beide Medien und inzwischen das geschlossen Man o To – Fernsehen gelten als Pahlavi-freundlich und verfügen über medialen Einfluss auf die Öffentlichkeit im Iran.

Die Untersuchung zeigt vielmehr eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem in den untersuchten Aufnahmen feststellbaren Anteil pro-pahlavistischer Parolen und dem Umfang der Berichterstattung über Pahlavi. Hinzu kommt, dass die betreffenden Sender laut Beobachtern teilweise auch Protestvideos gefälscht beziehungsweise manipuliert haben.

Auch das ZDF und 15 weitere europäische Medienanstalten haben koordinierte Aktivitäten in sozialen Netzwerken zum Iran-Konflikt untersucht. Dabei stießen sie insbesondere auf systematische pro-pahlavistische Kommentare, wiederkehrende Hashtags und möglicherweise automatisierte Accounts, die den Eindruck einer besonders breiten Unterstützung für Reza Pahlavi erzeugen konnten. Die Recherche belegt jedoch nicht, dass Pahlavi selbst diese Aktivitäten gesteuert hat. Die Untersuchung wurde am 9. Juli 2026 veröffentlicht; ausgewertet wurden Kommentare aus dem Zeitraum vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026.

Mediale Sichtbarkeit darf deshalb nicht mit gesellschaftlicher Mehrheit verwechselt werden.

Der Fall Masood Masjoody

Masood Masjoody, ein iranisch-kanadischer Akademiker, unterstützte zunächst Reza Pahlavi und gehörte zu den Unterstützern der früheren pro-pahlavistischen Gruppe „Farashgard“, die inzwischen in „Hezbe-Iran Nowin“ umbenannt wurde.

Später geriet Masjoody mit Pahlavi und Teilen seines politischen Umfelds in Konflikt. Er zeigte Reza Pahlavi zweimal an und erhob in Gerichtsverfahren Vorwürfe, wonach Pahlavi und Personen aus seinem Führungsteam mit den Revolutionsgarden in Kontakt stünden und für Cyberangriffe auf oppositionelle Aktivisten verantwortlich seien. Pahlavi wies diese Vorwürfe zurück. [Reuters, 28.07.2026]

Am 6. März 2026 wurde Masjoody tot in Vancouver aufgefunden. Zwei bekannte Pahlavi-Anhänger wurden wegen Mordes angeklagt. Reuters fand keinen Hinweis darauf, dass Reza Pahlavi selbst mit dem Mord in Verbindung steht. Pahlavi bezeichnete Masjoodys Tod im Reuters-Interview als tragisch und erklärte, die Verantwortlichen müssten vor Gericht gestellt werden. [Ebd.]

Im Reuters-Interview erklärte Pahlavi, er erinnere sich nicht an ein persönliches Gespräch mit Masjoody. Tatsächlich existiert jedoch ein 2021 veröffentlichtes, rund 18-minütiges Zoom-Gespräch zwischen beiden. Pahlavi erklärte dazu, er könne sich nicht an jedes einzelne seiner Gespräche erinnern. [Ebd.]

Pahlavi und die Revolutionsgarde

In der Vergangenheit behauptete Reza Pahlavi, direkte Kontakte zu Zehntausenden Angehörigen der Revolutionsgarde zu haben.

Im Reuters-Interview vom Juli 2026 fällt diese Darstellung deutlich kleiner aus. Pahlavi spricht nun von einzelnen Angehörigen der IRGC, der Basij und des Militärs, die ihm über soziale Medien Direktnachrichten geschickt hätten und erklärten, das Regime abzulehnen. Einen direkten Kontakt zum Kommando der Revolutionsgarde habe er damit nicht gemeint. [Pahlavi im Reuters-Interview, 14.07.2026; ebd.]

Pahlavi erklärt zugleich, er setze sich seit Jahren für die Einstufung der IRGC als Terrororganisation ein. Er betont jedoch, dass nicht jedes Mitglied der Revolutionsgarde automatisch als Täter behandelt werden dürfe. [Ebd.]

Auch Pahlavis Behauptung, er habe sich seit Jahren für eine solche Einstufung eingesetzt, ist umstritten. Sein früherer Unterstützer Alireza Akhondi widerspricht dieser Darstellung. Akhondi zufolge bat er Pahlavi bereits 2023 um Unterstützung für eine gemeinsame Kampagne und Demonstrationen in Straßburg und Brüssel; Pahlavi habe sich daran nicht beteiligt. [Reuters, 28.07.2026]

Die internationale Einstufung der IRGC als Terrororganisation ist inzwischen weitgehend erfolgt: Die USA, Kanada, Großbritannien, Australien und die EU haben sie entsprechend eingestuft.

Die Frage der individuellen Verantwortung ist davon zu trennen. Wer innerhalb der IRGC oder anderer Sicherheitsorgane Verbrechen begangen hat, muss dafür anhand von Beweisen zur Verantwortung gezogen werden. Das kann nur eine unabhängige demokratische Justiz feststellen – nicht Reza Pahlavi und auch nicht eine politische Bewegung. Zugleich darf dieser Grundsatz nicht dazu dienen, die Verantwortung des repressiven Systems als Ganzes zu relativieren.

Gerade deshalb bleiben Pahlavis deutlich widersprüchliche Darstellungen seiner Kontakte zur Revolutionsgarde problematisch. Zugleich darf die individuelle strafrechtliche Verantwortung einzelner Mitglieder nicht mit der politischen Verantwortung des gesamten Revolutionsgarden-Systems vermischt werden. [Vgl. ebd.]

Washington war nicht Pahlavis Washington

Pahlavi setzte auf militärischen Druck von außen, konnte daraus aber keine Unterstützung Washingtons für seine eigene politische Führungsrolle ableiten.

Bereits zuvor hatte die Jerusalem Post auf die Probleme und inneren Widersprüche der Pahlavi-Strukturen hingewiesen. [Jerusalem Post, 2026]

Washington vermied von Beginn an, Pahlavi als künftigen Führer Irans zu positionieren. Das zeigte sich bereits am 15. Januar 2026, während der Niederschlagung der iranischen Proteste. Der iranisch-amerikanische Menschenrechtsaktivist Ahmad Batebi, der Pahlavi unterstützt, sollte vor dem UN-Sicherheitsrat über die Repression im Iran sprechen.

Nach Angaben zweier mit dem Vorgang vertrauter Personen forderte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, Batebi persönlich auf, Pahlavi in seiner Rede nicht namentlich zu erwähnen.

Waltz bestätigte gegenüber Reuters, er habe Batebi zu einem „engen Fokus“ auf dessen eigene Erfahrungen mit Folter in iranischen Gefängnissen und auf die Brutalität des Regimes geraten. [Ebd.]

Noch eindeutiger wurde diese Distanz, als US-Vizepräsident JD Vance erklärte: „The president of the United States never said that his goal was to install Reza Pahlavi to become the new leader of Iran.“ [Ebd.]

Das im Juni 2026 unterzeichnete Memorandum of Understanding zwischen den USA und Iran sah außerdem weder die Menschenrechtsfrage noch einen Regimewechsel oder Reza Pahlavi als künftigen Übergangsführer vor. Reuters berichtet, dass sich die USA darin zur Achtung der iranischen Souveränität und zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Irans bekannten. [Ebd.]

Pahlavi und seine führenden Mitarbeiter kritisierten das Abkommen anschließend öffentlich. [Ebd.]

Pahlavistische Aktivisten riefen des Krieges und danach in Videos: „President Trump – End the Job!“ und „Thank you Uncle Trump – Thank you Uncle Netanyahu!“

Diese Parolen spiegeln die Erwartung eines Teils seines Umfelds wider, dass der militärische Druck von außen bis zum Sturz des Regimes fortgesetzt werden sollte. Damit standen die Erwartungen eines Teils der Pahlavi-Bewegung und die strategischen Ziele Washingtons im Konflikt.

Donald Trump äußerte sinngemäß, es gebe keine Nation, die darum bitte, ihr eigenes Land bombardieren zu lassen. Im Zusammenhang mit internationalen Konflikten und Militäreinsätzen betonte er, kein verbündeter Staat und kein Volk sei jemals zu ihm gekommen und habe gesagt: „Sir, lassen Sie weiter Bomben abwerfen.“ [17./18. Juni 2026]

Im Mittelpunkt des Memorandums standen die Beendigung der militärischen Eskalation, die iranische Souveränität und die Verhandlungen über den Atomkonflikt – nicht die Einsetzung einer bestimmten iranischen Oppositionsfigur. [Reuters, 28.07.2026]

Israel verfolgt seine Sicherheitsinteressen, Washington seine eigenen. Keine dieser Mächte hat Pahlavi offiziell ein demokratisches Mandat für die politische Zukunft des Iran übertragen.

Militärischer Druck ersetzt keine politische Alternative

Der Reuters-Bericht macht darüber hinaus eine grundsätzliche Gefahr sichtbar. Selbst die militärische Schwächung oder die Beseitigung der Führung der Islamischen Republik schafft nicht automatisch eine demokratische Alternative.

Nach dem militärischen Vorgehen stand keine klar organisierte politische Kraft bereit, die im Falle eines Zusammenbruchs des Regimes die Macht hätte übernehmen können. Nach der Tötung Ali Khameneis überlebte das politische System der Islamischen Republik. [Ebd.]

Militärischer Druck kann ein Regime schwächen. Er ersetzt aber keine politischen Organisationen, keine Institutionen und keinen legitimierten demokratischen Übergang.

Genau deshalb können auch Pahlavis Bekanntheit oder seine Unterstützung für die militärische Intervention kein Ersatz für eine im Iran selbst legitimierte politische Ordnung sein.

Zudem spricht die Haltung vieler Menschen im Iran gegen eine Gleichsetzung von Pahlavis Position mit den Interessen der iranischen Bevölkerung.

Ein am 2. August 2026 von Iran Journal veröffentlichter Bericht über einen geleakten internen Regierungsbericht zeigt, dass 44,3 Prozent der Befragten für die Aufrechterhaltung des Waffenstillstands und die Fortsetzung diplomatischer Gespräche eintreten. 58,1 Prozent lehnen zudem eine weitere Unterstützung der sogenannten „Achse des Widerstands“ ab.

Viele wünschen sich stattdessen eine stärkere Annäherung an Europa; eine engere Orientierung an Russland und China findet deutlich weniger Zustimmung. Die Ergebnisse zeigen, dass für einen erheblichen Teil der Bevölkerung wirtschaftliche Entwicklung, internationale Entspannung und eine Abkehr von der regionalen Konfrontationspolitik wichtiger sind als die Fortsetzung der bisherigen außenpolitischen Linie des Regimes und des Krieges. [Iran Journal, 02.08.2026]

Ein demokratischer Iran als Partner Israels

Die Unterstützung Reza Pahlavis für Israel ist zunächst ausdrücklich zu begrüßen.

Er erklärt darüber hinaus, ein freier Iran werde Israel anerkennen und die Abraham-Abkommen zu sogenannten „Cyrus-Abkommen“ erweitern. Dabei verbindet er seine außenpolitische Vision mit dem historischen Erbe Persiens und Kyros’ des Großen, den er als Symbol für religiöse Toleranz, den Schutz der jüdischen Bevölkerung und für friedliche Beziehungen ausgibt. [Vgl. ebd.]

Ein solcher außenpolitischer Kurs darf nicht mit der Rückkehr zu einer Monarchie gleichgesetzt werden. Die Geschichte Persiens gehört keiner Dynastie allein. Frauen, Jugendliche sowie die verschiedenen ethnischen, religiösen und politischen Gruppen Irans müssen an der Entscheidung über die künftige pluralistische Staatsform notwendig beteiligt sein.

Als iranischer Oppositioneller, Sprecher der Green Party of Iran und in Deutschland politische Vertretung des Bündnisses „Broad Solidarity for Freedom and Equality in Iran“ bin ich davon überzeugt, dass ein demokratischer Iran ein verlässlicher Partner Israels sein kann – politisch, gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich.

Die Anerkennung Israels darf jedoch nicht der Aufwertung einzelner Exilfiguren, Parteien oder politischer Bewegungen dienen. Sie muss Bestandteil einer künftig demokratisch legitimierten iranischen Staatsräson sein, den Interessen der Bevölkerung dienen und verfassungsrechtlich verankert werden. Dazu gehören das Existenzrecht Israels, der Schutz jüdischen Lebens und die entschiedene Zurückweisung von Antisemitismus und Islamismus.

Bei iranischen Oppositionellen, Intellektuellen und Teilen der Linken muss deshalb ein politisches Umdenken in ideologischen Fragen stattfinden. Der zentrale Gegner einer nachhaltigen demokratischen Entwicklung im Iran und in der Region ist nicht der Kampfbegriff „Imperialismus“ oder „Zionismus“, sondern der religiöse Fundamentalismus und das islamistische, repressiv-autoritäre Herrschaftssystem in Teheran.

Um die Ausbreitung des Fundamentalismus und Terrorismus durch das Teheraner Regime in der Region wirksam zurückzuweisen, muss die Existenz und Legitimität Israels von demokratischen iranischen Oppositionskräften verbindlich anerkannt werden. Die Bedrohung Israels durch das antisemitische Regime sowie durch seine verbündeten terroristischen Organisationen wie Hamas und Hisbollah darf nicht länger relativiert oder stillschweigend hingenommen werden.

Ein Grund für das Scheitern: Kritik wird zum Konflikt

Pahlavis Versuche, die unterschiedlichen Strömungen der iranischen Opposition unter dem Dach der „Einheit“ zu versammeln, sind wiederholt gescheitert. Reuters beschreibt mehrere gescheiterte Versuche, die tief gespaltene Opposition zusammenzuführen. [Ebd.]

Die Opposition bleibt politisch heterogen. Sie eint der Widerstand gegen die Islamische Republik. Daraus folgt jedoch keine gemeinsame Vorstellung darüber, was nach ihrem Ende kommen soll. Keine einzelne politische Strömung kann für sich beanspruchen, die gesamte Opposition zu repräsentieren. Das gilt für monarchistische, republikanische, linke, liberale, Mojahedin sowie ethnische und regionale Kräfte gleichermaßen.

Ein konkretes Beispiel ist die von Pahlavi unterstützte Georgetown Coalition von 2023. Sie sollte unterschiedliche Oppositionskräfte zumindest in der Diaspora zusammenführen, zerfiel jedoch. [Ebd.]

Die Konflikte beschränkten sich dabei nicht auf politische Organisationen. Reuters berichtet über den Streit um eine Äußerung von Pahlavis Ehefrau Yasmine Pahlavi, die andere Oppositionelle als „nobodies“ bezeichnet haben soll. Sie bestreitet dies. [Ebd.]

Diese Konfliktkultur zeigt sich auch im Umgang mit kritischen Medienberichten im Exil. Kritiker:innen werden dabei mit sexuellen Obszönitäten beschimpft und bedroht. [Ebd.]

Selbst bei einer Pressekonferenz in Berlin wies Reza Pahlavi 2026 eine taz-Reporterin mit den Worten zurecht, sie stelle zu viele Fragen. Danach wurde sie nach ihren Angaben online von Pahlavisten massiv beschimpft und bedroht.

Pahlavi distanzierte sich von den Tätern. [Ebd.]

Diese Distanzierung muss ernst gemeint sein und darf nicht bei einer allgemeinen Erklärung stehen bleiben. Sie muss sich außerdem konkret im politischen Verhalten seines Umfelds und seiner Unterstützer:innen zeigen. Bislang hatte sie auf das Verhalten vieler seiner Unterstützer:innen offenbar keinen Einfluss. [Ebd.]

Das Problem reicht damit über gescheiterte Bündnisse und persönliche Auseinandersetzungen hinaus. Entscheidend ist die politische Haltung gegenüber denjenigen, die Pahlavi nicht folgen.

Wer eine demokratische Zukunft für Iran beansprucht, muss diese Logik der politischen Feindmarkierung klar zurückweisen.

„Vater der Nation“ und das Erbe der Pahlavis

Reza Pahlavi hat sich im deutschen Fernsehen als „Vater der Nation“ bezeichnet und führt zugleich den Namen sowie die Symbole der Pahlavi-Dynastie politisch weiter. Diese Verbindung verweist auf ein dynastisch und paternalistisch geprägtes politisches Selbstbild, das an die Herrschaft seines Vaters Mohammad Reza Schah Pahlavi anknüpft.

Mohammad Reza Schah war kein demokratischer Herrscher. Das Pahlavi-Regime war eine autoritäre Monarchie. Politische Opposition wurde unterdrückt; die SAVAK überwachte, verhaftete, folterte und ermordete politische Gegner:innen.

Amnesty International dokumentierte in den 1970er Jahren politische Gefangenschaft, Folter und willkürliche Verhaftungen und bezeichnete die Menschenrechtslage im Iran als eine der gravierendsten weltweit.

Während des Schah-Besuchs am 2. Juni 1967 in West-Berlin griffen Anhänger des Schah-Regimes und SAVAK-Personen protestierende Studierende mit Holzstangen und Knüppeln an und verletzten sie.

Bei einer Demonstration, die vor kurzem in Regensburg stattfand, wurden Symbole beziehungsweise Fahnen mit Bezug zur SAVAK getragen; in Leeds marschierten Anhänger:innen uniformiert als „Garde Javidan“. Im Zusammenhang mit der „Garde Javidan“ wurde über militarisierte Symbolik, Drohparolen gegen Linke und Mujahedin sowie ein mutmaßlich an den Hitlergruß erinnerndes Handzeichen auf einer Pahlavi-Demonstration in Dänemark berichtet. Diese Darstellungen sollten jeweils anhand von Bildmaterial und unabhängigen Quellen überprüft werden.

Parviz Sabeti nahm am 11. Februar 2023 an einer pro-pahlavistischen Demonstration in Los Angeles vor dem Rathaus (Los Angeles City Hall) teil. Dort trat auch Reza Pahlavi auf. Sabetis Anwesenheit löste wegen seiner früheren Funktion als stellvertretender SAVAK-Chef erhebliche Kritik aus, da ihm eine Mitverantwortung für die Verhaftung, Folterung und Hinrichtung von Regimegegner:innen im Evin-Gefängnis und in anderen Haftanstalten des Schah-Regimes vorgeworfen wird.

Reuters berichtet zugleich, dass Pahlavi bei einem Treffen mit dem US-Abgeordneten Derrick Van Orden mit der „despicable“ Tätigkeit der SAVAK konfrontiert wurde und die negative Erinnerung vieler Iraner:innen an die Herrschaft seines Vaters anerkannte. [Ebd.]

Diese Anerkennung ist festzuhalten. Sie ändert jedoch nichts daran, dass sich Reza Pahlavi mit dem historischen Erbe der Pahlavi-Dynastie kritisch auseinandersetzen muss.

Jean Améry formulierte dafür die Forderung: „Ihr wusstet nicht oder wart zu jung oder noch nicht einmal auf dieser Welt? Ihr hättet sehen müssen, und eure Jugend ist kein Freibrief. Und brecht mit eurem Vater.“ [Jean Améry, Jenseits von Schuld und Sühne, S. 114]

Gerade darin liegt die Gefahr politischer Verklärung: Die Ablehnung der Islamischen Republik darf nicht dazu führen, die autoritäre Vergangenheit der eigenen politischen Herkunft zu glorifizieren.

Adornos Hinweis auf die „Irrationalität der widerstandslosen und emsigen Anpassung an die Realität“ [Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften 3, S. 230f] trifft hier auf eine mit teuren Kampagnen produzierte projizierte Realität, die mit dem „pursuit of Happiness“ nichts zu tun hat.

Ein demokratischer Iran darf weder die Islamische Republik noch die autoritäre Herrschaft der Pahlavis rehabilitieren.

Von „Frau, Leben, Freiheit“ zur nationalen Frage

„Jin, Jiyan, Azadî“ steht für Frauenrechte, den Kampf gegen patriarchale Herrschaft und Gleichberechtigung. Die iranische Freiheitsbewegung darf nicht in ein Projekt der männlichen Führungsfigur und nationalen Disziplin umgedeutet werden.

Hinzu kommt die nationale Frage. Kurdische, belutschische und anderer Forderungen nach Selbstbestimmung werden aus Pahlavis nationalistischen Kreisen pauschal als „Separatismus“ verurteilt.

Als im Februar 2026 sechs kurdische Organisationen die „Coalition of Political Forces of Iranian Kurdistan“ bildeten, reagierte Reza Pahlavi am 24. Februar auf X mit einer scharfen Erklärung. Er bezeichnete die Parteien als „separatistische Gruppen“, deren Bilanz „in einigen Fällen eine Zusammenarbeit sowohl mit Khomeini als auch mit Saddam Hussein“ umfasse.

Er warnte: „Die territoriale Integrität Irans ist die rote Linie unserer großen und geeinten Nation. Jede Person oder Gruppe, die diese rote Linie überschreitet [...] wird auf die entschlossene Antwort der bewussten iranischen Nation stoßen.“ Zugleich rief er die iranische Armee dazu auf, ihre „national-patriotische Pflicht“ zu erfüllen und Iran „gegen die Islamische Republik und die Separatisten“ zu verteidigen.

Diese Sprache richtet sich nicht nur gegen eine mögliche Abspaltung, sondern auch gegen politische Forderungen nach Selbstbestimmung. Die Gleichsetzung solcher Ansprüche mit „Separatismus“ und der Aufruf an die Armee, gegen „die Separatisten“ vorzugehen, sind mit einem demokratischen Umgang mit Minderheiten nicht vereinbar.

Ein demokratischer Iran muss seine ethnische, sprachliche, kulturelle und politische Vielfalt anerkennen. Kurden, Belutschen, Araber, Aserbaidschaner, Turkmenen und andere Bevölkerungsgruppen müssen rechtlich garantierte gleiche politische, sprachliche und kulturelle Rechte besitzen. Territoriale Einheit und demokratische Selbstbestimmung schließen einander nicht aus.

Übergangsführer und die Gefahr eines neuen Machtmittelpunkts

Während Reza Pahlavi sich als „Brücke“ zu einer demokratischen Ordnung bezeichnet und eine spätere konstitutionelle Monarchie nicht konsequent ausschließt, soll die Staatsform nach dem Übergang von den Iraner:innen bestimmt werden. Dem stehen Rufe wie „Javid Shah“ und „King Reza Pahlavi“ gegenüber, die von vielen als monarchistische Herrschaftsforderung gelesen werden. Noch problematischer ist, dass sich Reza Pahlavi in seinem Übergangsprogramm (Iran Prosperity Project – Emergency Phase Booklet) während der Übergangsphase die Kontrolle über Legislative, Exekutive und Judikative anmaßt.

Das wäre keine Gewaltenteilung, sondern Machtübernahme.

Sein überarbeitetes zweites Übergangsprogramm lässt zentrale Fragen offen; darunter fehlte eine ausdrückliche Garantie für die Rechte der unterdrückten LGBTQ-Community im Iran. Hoffentlich wird das im Übergangsprogram aufgenommen.

Unklar bleibt außerdem, wie unter einer von ihm geführten Übergangsregierung freie Wahlen und eine verfassungsgebende Versammlung gesichert werden sollen. Wenn Pahlavi zugleich als Sohn des Schahs, Symbol der Monarchie und politischer Führer auftritt, sind faire Wahlen für republikanische Parteien, Organisationen und Wähler:innen überhaupt vorstellbar?

Die Antwort kann daher nicht Pahlavi allein sein.

Der Iran gehört keiner Dynastie, keiner Exilfigur und keiner autoritären politischen Strömung, sondern seinen Bürgerinnen und Bürgern.

 

Quellen:

Reuters – investigative Recherche

https://www.reuters.com/investigations/regime-change-inside-reza-pahlavis-faltering-bid-lead-iran-2026-07-27/⁠ 

Reuters – vollständiges Interview: https://www.reuters.com/investigations/reza-pahlavi-speaks-reuters-about-irans-future-2026-07-28/⁠ 

https://gamaan.org/2026/07/27/iranians-attitudes-toward-the-2026-protests-and-war/⁠ 

https://iranacademia.com/agora/text/article/analysis-of-media-performance-in-covering-the-january-2026-protests-in-iran/?lang=en⁠ 

https://www.amnesty.org/en/wp-content/uploads/2021/06/mde130031980en.pdf⁠ 

https://iacouncil.org/iranian-americans-now-oppose-trumps-war-on-iran/⁠ 

https://www.kurdishpeace.org/research/democracy/the-coalition-of-political-forces-of-iranian-kurdistan-risks-and-opportunities/⁠ 

https://taz.de/Pahlavi-Berater-zu-Intervention-im-Iran/!6144635/⁠ 

https://www.dw.com/en/iran-is-reza-pahlavis-political-star-fading/a-78219536⁠ 

https://jungle.world/blog/von-tunis-nach-teheran/2025/09/ideologische-netzwerke-exil-und-querfront-die-tudeh-partei-die⁠ 

https://jungle.world/blog/von-tunis-nach-teheran/2026/06/iran-international-tv-geopolitische-interessen-und-die

https://www.zdfheute.de/politik/ausland/instagram-kommentare-kampagne-bots-hass-iran-100.html