Die Lehre aus dem Wahltriumph der AfD in Sachsen-Anhalt für die iranische Opposition im Exil
Einige Überlegungen nach dem Wahlsieg der AFD.
Als deutscher Staatsbürger iranischer Herkunft und seit Jahrzehnten im Exil in Deutschland bin ich vom triumphalen Wahlsieg der AfD, des strategischen politischen Partners des Mullah-Regimes, in Sachsen-Anhalt zutiefst schockiert. Ich fühle mich als Fremder abgestempelt und dadurch in Deutschland existenziell bedroht. Mich beunruhigt diese Entwicklung besonders, weil es innerhalb der iranischen Opposition eine bestimmte Strömung der Pahlavist:innen gibt, an deren Demonstrationen iranische und deutsche Sympathisant:innen der AfD teilnehmen und „Javid Shah“ rufen.
Die extreme Rechte unterstützt in Wahrheit niemals die Freiheit der Menschen – weder im Iran noch anderswo. Sie unterstützt immer nur das Prinzip der Unterdrückung, unabhängig davon, ob diese von einem religiösen Autokraten in Teheran, einem Diktator in Moskau oder einem potenziellen Junior-Monarchen im Exil ausgeübt wird.
Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD, die für Nationalismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit steht, autoritäre Vorstellungen vertritt und außenpolitisch Putin, dem Mullah-Regime sowie Trumps MAGA-Bewegung in den USA nahesteht, hat in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlerfolg erzielt.
Propaganda und die stille Achse: Wie das Mullahregime den AfD‑Erfolg instrumentalisiert
Das iranische Regime und seine staatlich gelenkten Medien, darunter die Nachrichtenagentur IRNA, betrachten den jüngsten AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt primär als Symptom einer tiefen Krise der westlichen Demokratien und nutzen das Ergebnis gezielt für ihre Staats- und Auslandspropaganda. In ihrer Berichterstattung stellen sie den Erfolg der AfD als Ausdruck eines unaufhaltsamen innenpolitischen Verfalls Deutschlands dar, der durch wirtschaftliche Instabilität, die deutsche Migrationspolitik und hohe Verteidigungsausgaben für die Ukraine verschärft werde.
Die im Hintergrund immer wieder diskutierten informellen Schnittmengen und strategischen Allianzen zwischen Teilen der AfD, dem Kreml unter Wladimir Putin und der Islamischen Republik spiegeln eine gemeinsame geopolitische Agenda wider. Sowohl Moskau als auch Teheran sehen in der AfD ein nützliches Instrument zur Destabilisierung und Schwächung des politischen Westens und der Europäischen Union. Während das iranische Regime propagandistisch, offiziell auf Distanz zu rechtspopulistischen Ideologien geht, begrüßt Teheran hinter den Kulissen die antiamerikanischen, europaskeptischen und häufig sanktionskritischen Positionen innerhalb der AfD. Sie schwächen die transatlantische Allianz, während die isolationistische Außenpolitik der Partei den geopolitischen Interessen Irans und Russlands in die Karten spielt.
Applaus aus Washington
Elon Musk, der sich zuvor mit Alice Weidel, der Bundessprecherin und Parteichefin der AfD, getroffen hatte, gratulierte der Partei umgehend mit den Worten „Gut gemacht!“ auf X. US-Präsident Donald Trump, der Anführer der MAGA-Bewegung, äußerte sich auf Truth Social lobend über einen „wirklich großen Abend“, ohne die AfD namentlich zu nennen, und brachte deren Wahlerfolg mit der deutschen Migrationspolitik in Verbindung.
Der Sieg der AfD in einem ostdeutschen Bundesland ist ein internationaler Imageschaden und folglich auch ein wirtschaftlicher Schaden für Deutschland. Darüber hinaus stellt der damit einhergehende unaufhaltsame Aufstieg ähnlicher Parteien in Europa eine Niederlage für die liberalen und demokratischen Bewegungen im Westen dar – und zugleich eine Lehre für die demokratische Opposition im Iran.
BSW, CDU, FDP, SPD und Grüne als Wegbereiter
Mit dem Erfolg der AfD hat sich die politische Landschaft in Deutschland verändert. Auch das aus der Linkspartei hervorgegangene, rechtspopulistisch gesinnte BSW hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Es gibt sich als Alternative zur AfD aus, verweigert aber eine eindeutige Abgrenzung von ihr. Damit ist das BSW nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht wirbt bereits dafür, einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt zu wählen. Die Landespartei will diesem Kurs folgen.
Gleichzeitig übernehmen CDU und FDP seit Jahren zunehmend Positionen und Begriffe, die von der AfD geprägt wurden. Wer glaubt, damit AfD-Wähler zurückzugewinnen, stärkt, wie Sachsen-Anhalt offenbart hat, letztlich deren politischen Einfluss.
SPD und Grüne tragen ebenfalls Mitschuld. Ihre rhetorische Distanz zur AfD täuscht über ihren politischen Kurs hinweg. Bereits als Teil der Ampel-Koalition verschärfte die Bundesregierung unter Kanzler Scholz (SPD) nach dem Messeranschlag von Solingen im August 2024 die Migrationspolitik: Es kam zum ersten Abschiebeflug nach Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban, zugleich wurden die Grenzkontrollen verschärft. In der Substanz übernahmen SPD und Grüne damit zentrale Forderungen der AfD, während sie sich im Januar 2025 öffentlich moralisch über die Union erhoben, als diese einen Migrationsantrag mit AfD-Stimmen durchsetzte. Scholz bezeichnete dies als „Tabubruch“ – und verschwieg dabei, dass seine eigene Regierung den restriktiven Kurs längst eingeschlagen hatte. Wer selbst abschiebt und die Grenzen dichtmacht, kann sich nicht glaubwürdig als Gegenmodell zur AfD inszenieren. Diese Doppelmoral aus Verschärfung in der Praxis und Empörung in der Rhetorik untergräbt das Vertrauen in die demokratischen Parteien zusätzlich.
Die Linkspartei verdient ebenfalls scharfe Kritik. Sie stellt sich zwar öffentlich gegen die AfD, kooperiert aber auf der Straße und in Teilen ihrer Basis mit Islamist:innen, Antisemit:innen, Antizionist:innen und antiisraelischen Anhänger:innen des Mullah-Regimes – insbesondere bei den angeblich pro-palästinensischen Demonstrationen. Diese Allianzen stärken einen Antisemitismus, der eine offene Tür für die antisemitische AfD darstellt und das Leben der Jüdinnen und Juden hierzulande gefährdet. Wer im Namen des Antifaschismus mit Islamisten marschiert oder gewollt oder ungewollt Muslime pauschal diskriminiert, darunter auch säkulare Muslime, liefert dem Rechtsextremismus die ideologische Munition, die er für seinen Aufstieg braucht.
Wie demokratische Politik den Raum für die AfD öffnet
Der Erfolg der AfD ist vor allem eine Niederlage der Bundesregierungen der vergangenen Jahre. Ihre Politik hat durch den systematischen sozialen Abbau, die Verschärfung der wirtschaftlichen Probleme eines wachsenden Teils der Bevölkerung und nicht zuletzt durch die Annäherung an die Rechtsruck-Entwicklungen in den USA und der EU den Nährboden für diesen Erfolg geschaffen.
Wenn demokratische Parteien gesellschaftliche Forderungen zu lange unterschätzen, mit Beschwichtigungspolitik reagieren, die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst nehmen und sogar ihre eigenen Positionen schrittweise an die AfD annähern, um deren Wählerstimmen zu binden, entsteht ein gefährliches politisches Vakuum. Wenn zugleich Antisemitismus jeder Couleur – ob links, rechts oder islamistisch – sowie der Islamismus in der Gesellschaft fortschreiten, wird dieses Vakuum noch größer. Sein internationaler Pate ist die Islamische Republik im Iran; eine Politik des Appeasements gegenüber Teheran begünstigt seine Verbreitung zusätzlich.
Damit öffnen demokratische Parteien Nationalisten, Rechtsextremen, Antisemiten und Faschisten den politischen Raum. Es entsteht ein Vakuum, das die AfD füllt. Moralische Appelle gegen Faschismus reichen dagegen nicht aus. Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung dürfen durch die Wahlerfolge der AfD nicht gesellschaftlich normalisiert werden.
Die AfD ist keine gewöhnliche rechtspopulistische Partei
Die Gefahren der AfD sind nicht mit denen anderer rechtspopulistischer Parteien und Kräfte in der EU gleichzusetzen.
Elf Jahre nach ihrer Gründung erhält die AfD in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus in anderen Bundesländern einen derart großen Zuspruch. Besonders besorgniserregend ist diese Entwicklung in einem Land, dessen Geschichte durch die Verbrechen des Nationalsozialismus geprägt ist. Der deutsche Faschismus hat eine verheerende Geschichte. Die nationalsozialistische Herrschaft führte zur systematischen Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden im Holocaust.
Die rechtsextreme Strömung in Deutschland ist keine zufällige Erscheinung. Sie fußt auf einer ausgearbeiteten Ideologie, verfügt über historische Kontinuitäten, personelle Netzwerke und organisationserfahrene Kader aus gegenwärtigen faschistischen und antisemitischen Milieus. Die AfD organisiert und bündelt Teile dieses Milieus und verschafft ihm mit ihren Mandaten in Landesparlamenten und im Bundestag politische Legitimität und Durchsetzungskraft.
Wie Hitler nutzt auch die AfD gesellschaftliche und wirtschaftliche Krisen und benennt angebliche Sündenböcke. Damals waren es „die Juden“, heute sind es „Fremde“ und Geflüchtete. Auch Hitler kam nicht durch einen Putsch an die Macht, sondern wurde 1933 im Rahmen der damaligen verfassungsrechtlichen Verfahren zum Reichskanzler ernannt – getragen von Millionen Wählerstimmen und ermöglicht durch die Kooperation konservativer Eliten.
Vertrauensverlust darf nicht zur Nachahmung der AfD führen
Die demokratischen Parteien müssen sich fragen, warum sie so viel Vertrauen verloren haben. Die Sorgen der Menschen wurden zu oft ignoriert. Gerade beim Kampf gegen Islamismus und Antisemitismus fehlte es an einer konsequenten und sachlichen Politik, die zugleich jede Form von Rassismus ausschließt. Wo demokratische Parteien Probleme nicht von Grund auf erfassen und nicht lösen, überlassen sie den Populisten das Feld.
Die Antwort darauf kann jedoch nicht darin bestehen, die AfD politisch und ideologisch nachzuahmen. Wer ihre Sprache und Forderungen übernimmt, verschiebt die Grenzen des demokratisch Akzeptablen weiter – in einer von der deutschen Geschichte traumatisierten Gesellschaft.
Die AfD darf weder in Sachsen-Anhalt noch in anderen Bundesländern und schon gar nicht auf Bundesebene zu einer normalen Regierungspartei werden.
Es gibt mehrere zivilgesellschaftliche Kampagnen und Initiativen, die von der Politik die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD beim Bundesverfassungsgericht fordern. Ein entsprechender Antrag muss schnellstmöglich gestellt werden. Darüber hinaus müssen durch Bundesförderung Organisationen für eine demokratische Migrations- und Menschenrechtspolitik sowie Organisationen gegen Antisemitismus und staatlichen Antisemitismus, insbesondere den des iranischen Regimes, massiv unterstützt werden.
AfD agiert international
Die Verantwortung der demokratischen Parteien endet jedoch nicht bei einer konsequenten Anti-AfD-Politik. Die AfD agiert längst nicht mehr nur national, sondern ist Teil eines internationalen Netzwerks, das bis nach Moskau und historisch auch nach Teheran reicht.
Deutsch-iranische Verflechtung als Begünstiger
Matthias Küntzel beschreibt in seinem Buch „Die Deutschen und der Iran“ die jahrzehntelange wirtschaftliche und historische Partnerschaft zwischen Deutschland und Iran. Berlin stellte politische und wirtschaftliche Interessen immer wieder über Menschenrechte und eine konsequente Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus des iranischen Regimes. Die machtgierige AfD denkt auch nicht anders.
Der tiefe Widerspruch: Die heimliche Moskau-Teheran-Achse der AfD
Dass die Annäherung der AfD an den Pahlavismus rein opportunistisch und unaufrichtig ist, zeigt ein Blick auf die jüngere Geschichte der Partei. Die Verbindung von Teilen der AfD mit Russland und dem iranischen Regime ist keineswegs eine neue Entwicklung. Wie der Verfasser Kazem Moussavi bereits 2017 in einem hellsichtigen Beitrag (siehe bei Mena Watch) aufzeigte, existiert eine tiefe ideologische Verflechtung über die Idee eines „eurasischen Bündnisses“.
AfD-nahe Akteure rechtfertigten und suchten jahrelang die direkte Zusammenarbeit mit dem iranischen Mullah-Regime und Russland – oft unter dem zynischen Vorwand eines gemeinsamen Kampfes gegen den IS-Dschihadismus und einer gemeinsamen Frontstellung gegen den liberalen Westen. Die grausamen Menschenrechtsverbrechen des iranischen Regimes sowie die Verbrechen seines damaligen strategischen Partners, des Assad-Regimes in Syrien, wurden von der AfD dabei völlig ausgeblendet.
Dieser fundamentale Widerspruch entlarvt die aktuellen Flirts von AfD-Politikern mit dem Schah-Sohn. Es geht der extremen Rechten weder um die Freiheit der Iraner noch um Menschenrechte. Es geht ihr um das skrupellose Ausspielen geopolitischer Bündnisse nach innenpolitischem Nutzen – verbunden mit derselben tiefen Faszination für das Autoritäre.
Annäherung an die Pahlavi-Strömung
Die derzeitige Annäherung zwischen AfD-nahen Kreisen und insbesondere der Pahlavi-Strömung ist kein Zufall.
Sie wird auch durch die historischen deutsch-iranischen Beziehungen begünstigt. Seit den 1920er Jahren modernisierte Reza Schah Pahlavi den Iran mit deutscher Unterstützung und unterhielt enge Beziehungen zum nationalsozialistischen Deutschland. Deutsche Unternehmen und Institutionen waren am Ausbau von Infrastruktur, Banken, Militär und Industrie beteiligt. Bis 1941 war Deutschland Irans größter Handelspartner.
Nach 1952 wurde die Bundesrepublik unter Mohammad Reza Schah zu einem wichtigen Wirtschaftspartner des Schah-Regimes. Deutsche Unternehmen bauten Straßen, Eisenbahnen und Fabriken und waren am Ausbau der iranischen Industrie beteiligt. Auch nach 1979 blieben deutsche Wirtschaftsbeziehungen, Technik und Industrie für das islamistische Khomeini-System von großer Bedeutung. Rund 80 Prozent der iranischen Industrieanlagen arbeiten derzeit mit deutschen Maschinen.
Sympathien in der iranischen Diaspora und der globale reaktionäre Backlash
Diese Kontinuität nährt auch unter monarchistischen Exiliraner:innen Sympathien für eine „deutsche Lösung“. In Deutschland leben nach den USA die meisten Exiliraner:innen, rund 400.000.
Teile von ihnen sympathisieren aus Nostalgie und im Sog des westlichen Rechtsrucks mit Reza Pahlavi; einige unterstützen dabei auch die AfD, liken und teilen deren Beiträge und werben mit der Behauptung, nur die AfD stelle sich gegen die Islamische Republik. Die Unterstützer:innen Pahlavis sind jedoch heterogen: Sie reichen von monarchistischen Hardlinern über konservative Nationalist:innen bis zu gemäßigten, teils republikanisch orientierten Exiliraner:innen, die ihn primär als symbolische Übergangsfigur sehen.
Dahinter wirkt ein globaler reaktionärer Backlash. Frauen, LGBTQ-Personen und andere marginalisierte Gruppen geraten erneut unter Druck, während patriarchale Rollenbilder politisch aufgewertet werden. Rechtsreligiöse und radikalkonservative Netzwerke propagieren die Rückkehr zu „traditionellen Familienwerten“ – in Russland, Ungarn und Iran, aber auch in den USA. In Deutschland findet diese Ideologie in der AfD ihren offensten Ausdruck, reicht laut ZAFFA-Lagebild Antifeminismus 2025 aber bis in die politische Mitte – auch in das Wahlprogramm von CDU und CSU, in dem Familienpolitik nur nachrangig behandelt wird.
Auch im Iran zeigt sich diese Regression. Teile junger Männer, die im Aufstand zunächst an der Seite der Frauen standen, öffnen sich der globalen „Manosphere“ um Figuren wie Jordan Peterson und Andrew Tate. Auf Kundgebungen der Pahlavi-Strömung heißt es nun: „Mann, Vaterland, Wohlstand“. Diese Parole verdrängt den universalen Anspruch von „Frau, Leben, Freiheit“ durch ein nationalistisches und männlich dominiertes Gesellschaftsbild. Sie spaltet die Geschlechter, kündigt die Solidarität mit dem Kampf der Frauen auf und stärkt damit mittelbar jene Herrschaft, die sie angeblich überwinden will.
Pahlavis rechte Türöffner
Reza Pahlavi präsentiert sich gern als demokratische Alternative zum Mullah-Regime. Ein Blick auf seine politischen Kontakte in Europa und darüber hinaus zeigt jedoch ein anderes Bild. Zu seinen wichtigsten institutionellen Fürsprechern gehören Vertreter rechter und rechtspopulistischer Parteien. Diese Unterstützung kommt nicht nur von einzelnen Abgeordneten, sondern zunehmend von Parteien und Fraktionen, die nationalistische, autoritäre oder offen rechtsextreme Positionen vertreten.
In Deutschland versuchte der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Bleck, Pahlavi in die AfD-Bundestagsfraktion einzuladen. Der Fraktionsvorstand um Alice Weidel und Tino Chrupalla lehnte den Antrag jedoch ab. Der Grund war allerdings keine grundsätzliche Distanz zu Pahlavi oder seiner monarchistischen Politik. Die Ablehnung war Teil eines innerparteilichen Streits über die außenpolitische Linie der AfD gegenüber Iran. Während Bleck Pahlavi als möglichen Partner unterstützte, lehnten insbesondere Abgeordnete des ostdeutschen AfD-Flügels eine ausländische Einmischung und einen von den USA unterstützten Regimewechsel ab. Pahlavi spricht sich offen für ein Eingreifen der USA im Iran aus.
Nach Berichten von FreiLich und Correctiv stimmten rund 95 Prozent der Fraktion gegen die Einladung. Pahlavi fand dennoch eine offene Tür im Bundestag: Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet empfing ihn mit einer überfraktionellen Delegation (ZDFheute).
Auch in Brüssel verfügt Pahlavi über ein rechtes Unterstützernetzwerk. Am 1. März 2023 hielt er im Europäischen Parlament eine Grundsatzrede. Eingeladen wurde er von Charlie Weimers, damals Abgeordneter der Schwedendemokraten in der EKR-Fraktion, gemeinsam mit einem Abgeordneten der EVP. Le Monde bezeichnet die Schwedendemokraten als „a nationalist party with fascist roots“. Weimers entwickelte sich anschließend zu einem der wichtigsten Fürsprecher Pahlavis in Brüssel.
Auch der finnische EKR-Abgeordnete Sebastian Tynkkynen von den Perussuomalaiset setzte sich für Pahlavi ein. Im Plenum forderte er, „the man whose name the people chant in the streets of Iran“, einzuladen. Zugleich empfahl er: „Coordinate attacks with the US to weaken the regime to collapse“ (Iran International). Seine Unterschriftensammlung für eine Einladung Pahlavis erreichte lediglich 35 von 720 Abgeordneten (FPIF).
Im Januar 2026 lehnte das Europäische Parlament mit 387 zu 132 Stimmen einen Änderungsantrag ab, der eine Einladung Reza Pahlavis vorsah. Zuvor waren bereits EKR-Formulierungen zu Pahlavi aus Entschließungsentwürfen gestrichen worden, auch wegen des Widerstands „eines erheblichen Teils der EKR-Fraktion selbst“ (EU Reporter). Dennoch gilt die EKR-Fraktion als Pahlavis institutionell engster Verbündeter in Brüssel (FPIF).
In Belgien fungiert die Abgeordnete Darya Safai als wichtiges Bindeglied zwischen Pahlavi und der politischen Rechten. Am 28. Februar 2023 empfing die belgische Abgeordnetenkammer Pahlavi. Gastgeber waren Safai, die im Iran geboren wurde, und ihr N-VA-Fraktionskollege Theo Francken. Francken veröffentlichte ein gemeinsames Foto mit Pahlavi und schrieb: „Change is coming“ (P-Magazine). Bereits im Dezember 2022 hatte Safai im belgischen Parlament die Löwe-und-Sonne-Flagge der Monarchie gehisst (P-Magazine). Im Januar 2026 schrieb sie auf Persisch: „Heute war ich Gastgeberin von Prinz Reza Pahlavi“ (Iran International).
Auch in Schweden zeigt sich diese Entwicklung. Am 13. April 2026 wurde Pahlavi von der Fraktion der Schwedendemokraten gemeinsam mit den Christdemokraten in den Riksdag eingeladen (TT). Le Monde bezeichnete die Gastgeber als „the far-right Sweden Democrats party and the Christian Democrats“. Eine Initiative zur Anerkennung Pahlavis wurde von zwölf Abgeordneten getragen, elf davon gehörten den Schwedendemokraten an (FPIF).
Keine Randfiguren
Es handelt sich dabei keineswegs nur um politische Randfiguren. Der SD-Abgeordnete Nima Gholam Ali Pour trat am 14. Februar 2026 auf der Großkundgebung auf der Münchner Theresienwiese auf und traf Pahlavi am folgenden Tag (Bulletin.nu, TV4). Parteichef Jimmie Åkesson trat am 5. September 2026 bei einer Iran-Kundgebung im Stockholmer Humlegården auf und versprach Unterstützung für eine künftige Regierung eines „freien Iran“. Belegt ist dies bislang durch parteinahe Medien und einen eigenen Beitrag Åkessons (Nya Dagbladet, Åkesson auf X).
Auch Italien gehört zu diesem Netzwerk. Mitte April 2026 empfing Pahlavi in Rom eine „folta delegazione della Lega“ mit den Abgeordneten Molinari, Pretto, Matone, Zoffili und Candiani sowie weiteren Parlamentariern von Fratelli d’Italia und Forza Italia (Today.it). Initiiert wurde der Empfang von der FdI-Abgeordneten Alessia Ambrosi (Formiche). Bemerkenswert ist, dass die schärfste Kritik aus den eigenen Reihen kam. Der FdI-Senator Giulio Terzi di Sant’Agata bezeichnete Pahlavi als Vertreter „un regime dittatoriale che ha ucciso migliaia di iraniani“ und bezog auch seinen Vater ein: „Tale padre, tale figlio“ (L’Unità).
In den Niederlanden wurde Pahlavi von der liberalen VVD ins Parlament eingeladen. Eine ausdrückliche Unterstützung Pahlavis durch Geert Wilders ist dagegen nicht belegt (NRC, EW Magazine). In Spanien suchten iranische Exilanten vor der Zentrale der rechtspopulistischen Vox die Unterstützung ihres Parteichefs Santiago Abascal. Eine Unterstützungserklärung der Vox für Pahlavi existiert jedoch nicht (El Debate).
Der deutlichste Beleg für Pahlavis Nähe zum internationalen Rechtsaußen-Milieu findet sich schließlich außerhalb Europas. Auf der CPAC-Konferenz trat er vor einem Publikum auf, das Le Monde als „gratin de l’extrême droite internationale“ bezeichnete.
Diese Kontakte sind kein Beweis dafür, dass jeder Unterstützer Pahlavis selbst rechtsextrem ist. Sie zeigen jedoch, welche politischen Kräfte bereit sind, ihm politische Türen zu öffnen und ihm internationale Bühnen zu verschaffen. Gerade deshalb muss die iranische Opposition im Exil genauer hinschauen. Der Kampf gegen die Islamische Republik darf nicht dazu führen, dass Pahlavi und seine rechten europäischen Fürsprecher als demokratische Alternative zu den Mullahs erscheinen.
Wer die Islamische Republik wegen ihrer autoritären Herrschaft bekämpft, sollte keinen Thronprätendenten unterstützen, dessen politische Unterstützung zunehmend aus dem nationalistischen und rechten Lager Europas kommt. Die Alternative zu den Mullahs kann keine erbliche Herrschaft sein. Iran gehört allen Iranerinnen und Iranern – nicht einer Dynastie.
Warum sich AfD, Rechte und Pahlavismus finden
Die AfD und die Pahlavi-Strömung sind nicht gleichzusetzen. Ihre Annäherung ist jedoch kein Zufall zweier beliebiger politischer Lager, die sich aus taktischen Gründen begegnen. Sie beruht auf strukturellen politischen Schnittmengen und geopolitischen Interessen.
Beide definieren Zugehörigkeit ethnisch und nicht staatsbürgerlich. Die AfD definiert das „deutsche Volk“ als Abstammungsgemeinschaft; der Pahlavismus beruft sich auf eine persisch-nationalistische Vorstellung und marginalisiert ethnische Minderheiten.
Beide ersetzen politische Repräsentation durch Führung. Die „Volksgemeinschaft“ der AfD steht im Widerspruch zu einem pluralistischen Gesellschaftsmodell; der Pahlavismus leitet politische Legitimität aus Abstammung und Nachfolge ab, noch bevor Wahlen über politische Macht entscheiden. Slogans wie „Javid Shah“, „Im Iran gibt es keinen Schah – deshalb gibt es dort weder Ordnung noch klare Verhältnisse“ und „Eine Flagge, eine Nation, ein Führer“ zeigen diese politische Vorstellung.
Beide brauchen einen äußeren oder inneren Feind. Bei der AfD sind es Migranten und Geflüchtete, beim Pahlavismus die Islamische Republik und deren angebliche Handlanger sowie politische Gegner und Minderheiten. Der Slogan „Tod den drei Verdorbenen – den Mullahs, den Linken und den Mojahedin“ und die Bezeichnung von Kurden als „Separatisten“ zeigen, wie politische Gegner und Minderheiten zu Feinden erklärt werden. Solche Feindbilder dienen dazu, politische Ausgrenzung zu rechtfertigen und eine autoritäre Konzentration politischer Macht zu legitimieren.
Beide stellen nationale Einheit über Pluralismus. Rechte und rechtsextreme Netzwerke laden Pahlavi ein und würdigen ihn politisch. Auch Teile der FDP unterstützen die Pahlavi-Strömung bei deren Demonstrationen systematisch. Ebenso finden sich dort Sympathisant:innen der AfD.
Die eigentliche Lehre für die iranische demokratische Opposition
Der Pahlavismus stellt mit „Mann, Heimat, Fortschritt“ ein Gesellschaftsbild dar, das dem Leitbild „Frau, Leben, Freiheit“ und dessen Anspruch auf Freiheit und Gleichheit entgegensteht.
Die demokratische Opposition muss sich eingestehen, dass der Aufstieg der monarchistischen und extremistischen Pahlavi-Bewegung außerhalb Irans auch durch ihr eigenes Zögern und ihre Schwäche begünstigt wurde. Ein politisches Vakuum bleibt nicht dauerhaft bestehen. Wenn demokratische Kräfte keine glaubwürdige Alternative anbieten, werden Monarchisten, Nationalisten und autoritäre Kräfte dieses Vakuum füllen – unterstützt von rechten und reaktionären Kräften im Westen und in der Region.
Die iranische demokratische Opposition im Exil braucht deshalb eine klare politische Alternative: Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und politische Beteiligung. Iran braucht nach dem Ende der Islamischen Republik weder einen religiösen Führer noch einen Monarchen noch einen politischen Erben, dessen Anspruch sich aus Abstammung, Blutlinie oder Geschlecht ableitet.
Die politische Zukunft Irans muss durch eine demokratische Verfassung, Gewaltenteilung und freie Wahlen bestimmt werden.
Wer die Islamische Republik durch eine demokratische Ordnung ersetzen will, darf nicht zulassen, dass das entstandene politische Vakuum von Monarchisten, Nationalisten und autoritären Kräften besetzt wird – und schon gar nicht mit Unterstützung der europäischen extremen Rechten. Reza Pahlavi und die Monarchisten müssen ihre Nähe zu den rechten Kräften in der EU, den USA und den Staaten der Region beenden.
Kein Mensch darf über den Menschenrechten, dem Gesetz und dem souveränen Willen der Bürgerinnen und Bürger stehen. Frauen, ethnische und religiöse Minderheiten sowie homosexuelle Menschen müssen gleiche Rechte besitzen.
„Frau, Leben, Freiheit“ weist dafür die Richtung.
Nicht politische Erlöser. Nicht Mullahs. Nicht Monarchen.
Die Zukunft Irans gehört seinen Bürgerinnen und Bürgern.
Quellen:
https://www.tagesschau.de/inland/landtagswahlen/sachsen-anhalt/2026/ergebnisse
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/ticker-news-154,wahl-594.html
https://mena-watch.com/wie-haelt-die-afd-es-mit-dem-iranischen-regime/
https://ecrgroup.eu/article/week_ahead_27_february_3_march_2023
https://europeanconservative.com/articles/news/crown-prince-of-iran-speaks-in-european-parliament/
https://www.iranintl.com/en/202601081303
https://swedenherald.com/article/the-shahs-son-visits-the-riksdag-critics-call-it-very-naive
https://www.jpost.com/middle-east/iran-news/article-891469
https://thehill.com/policy/international/5805935-reza-pahlavi-iran-cpac/
https://www.deutschlandfunk.de/exil-iraner-deutschland-opposition-100.html