Portät - Isabel Plá, Ministerin für Frauen und Geschlechtergleichheit in Chile

Fehlbesetzung

Porträt Von

Da ist sie gerade einige Wochen im Amt und dann so etwas. Seit dem 11. März ist Isabel Plá Ministerin für Frauen und Geschlechtergleichheit der konservativen Regierung unter Präsident Sebastián Piñera in Chile.

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Am 17. April besetzten Studentinnen in Valdivia die Philosophische Fakultät der Universidad Austral aus Protest gegen den Umgang mit sexualisierter Gewalt auf dem Campus. Die Universitätsleitung ging den gemeldeten Übergriffen kaum nach. Auch an anderen Universitäten Chiles gehören Sexismus und Übergriffe durch Kommilitonen und Universitätspersonal zum Alltag, werden jedoch von der Leitung oft nicht ernst genommen. Die feministischen Proteste und Besetzungen breiteten sich nach und nach auf andere Universitäten des Landes aus; in der Hauptstadt Santiago de Chile und anderen Städten demonstrierten insgesamt Hunderttausende gegen machistische Gewalt und für eine nicht sexistische Erziehung. Über 18 Bildungseinrichtungen werden bestreikt, für Anfang Juni sind weitere Großdemonstrationen geplant.

Plá könnte sich also freuen, dass Feminismus derzeit das Thema in Chile ist. Doch die Politikerin der rechten Partei UDI übt sich in Zurückhaltung. Die Tore ihres Ministeriums stünden den Anführerinnen der Protestbewegung »offen, um über solche Themen zu reden«, sagte sie und sinnierte über die Rolle sozialer Bewegungen in einer Demokratie, die »Themen auf den Tisch zu legen«. Dass diese dann auch im Sinne der Bewegungen aufgegriffen werden, heißt das nicht. Die Protestbewegung kritisierte die bisher vorgestellten Pläne der Regierung zum Thema Geschlechtergerechtigkeit als unzureichend, sie seien nicht dazu geeignet, die strukturellen Ursachen von Sexismus und sexualisierter Gewalt zu beseitigen. Die vehemente Abtreibungsgegnerin Plá hält es zudem für einen »Fehler, Abtreibung ins Zentrum der Politik für rechtliche Gleichheit zu stellen«. Darum geht es zwar nicht zentral bei den derzeitigen Protesten, das Recht auf Abtreibung ist jedoch in Chile, in dem bis vor kurzem ein äußerst striktes Abtreibungsverbot herrschte, eine wichtige feministische Forderung. Mehr über Feminismus könnte Plá sicher auch ganz gut von den streikenden Studierenden lernen.