Porträt - Jorge Arreaza

Schöne Freunde

Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza war in der vergangenen Woche auf Nahostreise und betrieb Freundschaftspflege: Er traf Erdoğan, Assad und Hisbollah-Chef Nasrallah.

Unfreiwillig ehrlich sollte das wohl nicht klingen. »Als Präsident al-Assad die vorangegangenen Schritte beschrieb und die Entwicklungen in der ersten Zeit des Kriegs gegen Syrien, konnten wir sofort Ähnlichkeiten zu dem entdecken, was wir in Venezuela erleben«, sagte der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza vergangene Woche bei einer Pressekonferenz mit seinem syrischen Kollegen Walid al-Muallim der syrischen Nachrichtenagentur Sana. »Es ist derselbe Feind mit denselben Interessen«, fügte Arreaza hinzu. In Syrien begann der Bürgerkrieg 2011 nach der Niederschlagung friedlicher Proteste gegen die Diktatur Bashar al-Assads. Dass Venezuelas Präsident Nicolás Maduro ein Diktator sei und der Feind eine friedlich protestierende Opposition, wollte Arreaza damit allerdings nicht sagen, vielmehr ging es ihm darum, dass einige oppositionelle Kräfte in Syrien später von den USA unterstützt wurden – dem wahren Feind.

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Arreaza befand sich vergangene Woche auf einer Nahostreise. Besucht hatte er unter anderem die Türkei, deren autoritär regierender Präsident Recep Tayyip Erdoğan fest an der Seite Maduros steht. »Wir sind zufrieden, in der Türkei zu sein, ein sich entwickelnder Pol der Macht, eine sich formende Großmacht für die Gestaltung der neuen Weltgeopolitik«, freute sich Arreaza dort. Im Libanon traf er nicht nur den Präsidenten Michel Aoun und den Ministerpräsidenten Sa’ad Hariri, sondern auch den Anführer der Hizbollah, Hassan Nasrallah. Am Donnerstag vergangener Woche traf er schließlich Assad, der ihm zu frischen Ideen verholfen habe: »Wir haben dem Präsidenten al-Assad gesagt, dass die Erfahrungen Syriens uns nützen, sie erteilen uns Lektionen und geben uns auch Ideen, um diesen Krieg zu gewinnen.« Wenn also demnächst nicht nur Stromausfälle und Versorgungsengpässe der venezolanischen Bevölkerung zusetzen sollten, sondern auch Folterer des Regimes, Giftgas und Fassbomben, weiß man, woher die Inspiration kam. Man wolle aber mit Hilfe »unserer Freunde in der Welt« einen Krieg vermeiden, so Arreaza. Schon länger gelernt hat Venezuela, dass Russland ein guter Verbündeter für autoritäre Regime ist. Dass die USA in dieser Hinsicht vor allem in der Vergangenheit und insbesondere in Lateinamerika nicht nachstanden, macht die Sache auch nicht besser.