Den Grünen eine Gratulation zum Geburtstag

Coole Leute, die was mit Politik machen

Die preisgekrönte Reportage. 40 Jahre Grüne.
Kolumne Von

»Wie können wir den Asylkompromiss soften?« – »Der Robert muss den Hemdkragen weiter aufmachen.« – »Der Winfried will unbedingt mit dem Diesel zum Klimagipfel. Da brauchen wir dringend ein neues Framing: ›Der Geruch von Diesel erinnert ihn an seine Kindheit.‹ Oder so ähnlich.« Es ist ein hektisches Treiben im Kommunikationsbüro der Bundestagsfraktion der Grünen. Über 400 Mitarbeiter sorgen hier täglich dafür, dass die drei präsentablen Bundespolitiker, über die die Partei derzeit verfügt, ständig im richtigen Licht erscheinen. »Und dieses Licht kommt garantiert nicht aus Energiesparlampen«, sagt Finn-Ole Knusper, Head of Media Analytics und persönlicher Fuckability-Consultant von Robert Habeck. ­Natürlich nicht ohne Augenzwinkern.

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40 Jahre sind die Grünen alt. Wäre die Partei ein Mensch, sie käme in die Midlife-Crisis. Lederjacke, jüngere Partner, Schulden. Doch irgendwie schafft sie es, so cool und lässig zu wirken wie ein Physiklehrer, der in der Pause heimlich bei den Oberstuflern mitraucht. »Alles eine Frage der Kommunikation«, sagt Knusper. Während die SPD sogar für die wenigen Verbrechen, für die sie nicht verantwortlich ist, in Haftung genommen wird, als Sandsack den täglichen Uppercut der Unionsparteien einsteckt, nimmt man den Grünen praktisch nichts mehr übel. »Unsere Studien zeigen, dass sich nur mehr zwei Prozent der Leute erinnern, dass die Grünen schon mal an der Regierung waren. Und nur fünf Prozent wissen, dass sie an einem halben Dutzend Landesregierungen beteiligt sind. Dabei soll es bleiben«, sagt Knusper. »Viele Parteien stellen in ihrer Kommunikation ihr Regierungshandeln in den Vordergrund. Ein Fehler.« Denn Regierungshandeln sei grundsätzlich angreifbar. »Wir wollen vielmehr das Gefühl vermitteln: Die Grünen sind nette, coole Leute, die sich in ihrer Freizeit ein bisschen für Politik interessieren.« Eine Strategie, die funktioniert.

Ist die Partei schon bereit, die neue SPD zu simulieren? »Wir werden jedenfalls unsere Werte nicht nach und nach von den Konservativen aufzehren lassen«, sagt Knusper. »Das schaffen wir schon noch selbst!«