Außerirdische und kosmische Quarantäne

Hallo, jemand da?

Laborbericht Von

Star-Trek-Fans wissen es natürlich: Am 5. April 2063 wird die erste Begegnung der Menschheit mit Außerirdischen stattfinden – die zudem bis auf die spitzen Ohren erstaunlich menschenähnlich aussehen. Zumindest sieht das die Handlung des Films »Star Trek: First Contact« aus dem Universum des Raumschiffs Enterprise so vor. In der Science-Fiction ist es fraglos dramaturgisch hilfreich, das Weltall mit allerhand fremden Wesen zu bevölkern. Die Realität sieht ernüchternder aus: Ufo-Landungen haben bisher nur in der Phantasie etwa eines Erich von Däniken stattgefunden, die seriöse Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenzen hat noch keine Erfolge erbracht.

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Zwei Forscher aus Nottingham glauben nun, zumindest ungefähr beziffern zu können, auf wie vielen Welten in unserer Galaxis Lebensformen existieren, die in der Lage wären, mit uns zu kommunizieren: 36 sollen es sein. Vielleicht aber auch nur vier oder bis zu 211. Die Rechnung beinhaltet nämlich ein beeindruckendes Schätzintervall. Wacklig ist auch die Grundlage, auf der sie basiert: die sogenannte Drake-Gleichung. Diese soll anhand zahlreicher Faktoren wie der Anzahl lebensfreundlicher Planeten oder der Wahrscheinlichkeit, dass dort technisch fortgeschrittene Gesellschaften entstehen, eine Schätzung erlauben, wie viele Zivilisationen das Weltall wohl bevölkern. Mangels verlässlicher Daten ist es jedoch ziemlich beliebig, welche Zahlen man in die Gleichung einsetzt.

Die britischen Forscher sind von dem einzigen sicher bekannten Punkt ausgegangen, also der Erde, und haben beispielsweise die rund vier Milliarden Jahre bis zur Entstehung der Menschheit oder die gut 100 Jahre seit Erfindung der Funktechnik auf die kosmische Nachbarschaft extrapoliert. Das ist durchaus legitim – warum sollten ausgerechnet wir die große Ausnahme im All sein? –, aber eben trotzdem Spekulation.

Sollte die Rechnung stimmen, bleibt die alte Frage: Wo stecken die alle? Darauf gibt es eine Reihe möglicher Antworten. Vielleicht kommunizieren die Aliens gar nicht mittels elektromagnetischer Wellen oder wir suchen einfach noch nicht lange genug. Beliebt ist auch die These, technischer Fortschritt führe zwangsläufig zur Zerstörung der Lebensgrundlagen einer Zivilisation, die ergo höchstwahrscheinlich untergehen würde, bevor man die Technik für ein Ferngespräch entwickelt hätte (was allerdings implizit den Kapitalismus oder ähnlich wachstumsabhängige Systeme zum Naturgesetz erhebt). Vielleicht befinden wir uns aber auch in einer Art kosmischer Quarantäne – angesichts der irdischen Zustände würde das zumindest nicht verwundern – und müssten uns erst einmal besser benehmen, um als kontaktwürdig zu gelten. Oder wenigstens den Warp-Antrieb erfinden, um in den Club der interstellaren Raumfahrtnationen aufgenommen zu werden.