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https://www.jungle.world/artikel/2025/27/nicaraguanischer-oppositioneller-roberto-samcam-ermordet-erschossen-im-exil
Der nicaraguanische Oppositionelle Roberto Samcam wurde in Costa Rica ermordet
Erschossen im Exil
Der nicaraguanische Regierungskritiker Roberto Samcam wurde in Costa Rica in seiner Wohnung ermordet.
Acht Kugeln wurden auf Roberto Samcam abgefeuert. Der pensionierte Offizier und medial sehr präsente Kritiker der Regierung Nicaraguas wurde am 19. Juni in Costa Rica, wo er seit 2018 im Exil lebte, in seiner Wohnung erschossen. Der costa-ricanischen Justizbehörde zufolge näherten sich zwei Männer in einem Fahrzeug früh am Morgen der Wohnung des 67jährigen in Moravia, einem Vorort der Hauptstadt San José. Einer stieg aus, betrat seine Wohnung und feuerte. Danach flüchteten die Täter.
Samcam galt als kenntnisreicher und radikaler Kritiker von Nicaraguas diktatorisch regierendem Langzeitpräsidenten Daniel Ortega und seiner Ehefrau Rosario Murillo, die seit Februar als »Co-Präsidentin« fungiert. In den vergangenen Jahren hatte er mehrere Bücher über die Verhältnisse in Nicaragua veröffentlicht. 2022 erschien »Ortega; Das Martyrium Nicaraguas«. Zwei Jahre später publizierte er ein Buch mit dem Titel »Der Aufbau der Diktatur in Nicaragua – aus erster Hand gesehen, erlebt und angeprangert«. Zudem beriet er als Experte das »Gericht des Gewissens«, das von der Menschenrechtsstiftung Arias organisiert wird, um Zeugenaussagen von Opfern der Repression in Nicaragua zu sammeln.
Der ebenfalls im Exil lebende nicaraguanische Journalist Sergio Marín, der Samcam Mitte Mai in seiner Sendung »La Mesa Redonda« interviewt hatte, sagte, es handle sich um »die Ermordung der wichtigsten Stimme der Opposition« gegen das »kriminelle Regime der Diktatur von Daniel Ortega und Rosario Murillo«. In der Sendung warnte Samcam vor »der Umwandlung der nicaraguanischen Armee in eine Institution, die vollständig der Diktatur von Ortega-Murillo unterstellt ist und sich an den Militärmodellen Russlands, Chinas und Irans orientiert«.
Roberto Samcam hatte den Geheimdiensten des costa-ricanischen Staates gemeldet, dass Drohungen gegen ihn vorlägen und er befürchte, wegen seiner Kritik Opfer eines Attentats zu werden.
Mauricio Boraschi Hernández von der Generalstaatsanwaltschaft Costa Ricas gab einen Tag nach dem Attentat bekannt, Samcam habe den Geheimdiensten des costa-ricanischen Staates gemeldet, dass Drohungen gegen ihn vorlägen und er befürchte, wegen seiner Kritik am nicaraguanischen Regime Opfer eines Attentats zu werden. Die Staatsanwaltschaft wollte die Möglichkeit eines aus Nicaragua gesteuerten Attentats nicht ausschließen. Der Mord an Samcam ist bereits der dritte an exilierten Regimegegnern in Costa Rica. Im Juni 2022 wurde Rodolfo Rojas ermordet, im Oktober 2024 Jaime Luis Ortega Chavarría.
Der Geheimdienst, an den sich Samcam wendete, war die Dirección de Inteligencia y Seguridad (DIS), die dem Präsidenten unterstellt ist. Der DIS wurde bereits in der Vergangenheit Fahrlässigkeit vorgeworfen. Vor einem Jahr, nach dem Anschlag auf den exiloppositionellen Nicaraguaner Joao Maldonado, bestritt sie, dass es Anzeichen für eine von der nicaraguanischen Regierung beauftragte Zelle in Costa Rica gebe, die Attentate plant und durchführt.
Der rechtspopulistische Präsident Rodrigo Chaves sagte der Nachrichtenagentur EFE im Dezember 2023: »Von Zeit zu Zeit berate ich mich telefonisch mit Präsident Ortega und Vizepräsidentin Murillo. Es ist eine äußerst herzliche und konstruktive Beziehung, was die bilateralen Beziehungen angeht.« Damit dies so bleibt, schweigt sich Chaves zur Ermordung von Roberto Samcam und dem naheliegenden Verdacht wohl lieber aus.
Die zuständige Abteilung im US-Außenministerium äußerte sich auf der Plattform X »schockiert« über die Ermordung Samcams und bot Costa Rica Hilfe an, um »die Mörder und ihre Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen«. Auch auf dieses Angebot reagierte Präsident Chaves öffentlich nicht.
Ortega-Murillo-Regime für den Mord verantwortlich gemacht
Nicaraguanische Exilorganisationen machten hingegen schnell das Ortega-Murillo-Regime für den Mord verantwortlich. Die Unión Democrática Renovadora (Vereinigung für demokratische Erneuerung; sie ging in den Neunzigern aus einer Linksabspaltung von der Partei Ortegas, der Frente Sandinista de Liberación Nacional, hervor), teilte wenige Stunden nach dem tödlichen Attentat auf Samcam mit: »Wir beschuldigen das Regime von Daniel Ortega und Rosario Murillo dieses feigen Verbrechens, für das sie in naher Zukunft vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden müssen.« Der Vorsitzende der Partei, Luis Blandón, und seine Stellvertreterin Dulce Porras leben ebenfalls im Exil in Costa Rica. Wie Samcam und Hunderten weiteren Oppositionellen wurde ihnen 2023 von der Regierung Ortega und Murillo die Staatsbürgerschaft aberkannt. Auch das sehr plurale nicaraguanische Oppositionsbündnis Unidad Nacional Azul y Blanco (Nationale Einheit Blau und Weiß) forderte Gerechtigkeit und schrieb die Ereignisse »Spionagezellen und Auftragsmördern des Ortega-Regimes auf costa-ricanischem Boden« zu.
Auch im Inland geht das Ortega-Murillo-Regime weiterhin systematisch gegen Oppositionelle vor. Besonders im Blick hat es dabei – im In- wie Ausland – einstige sandinistische Revolutionäre, die sich gegen das Regime wenden. Zuletzt berichtete die nicaraguanische Zeitung La Prensa, seit 2021 ebenfalls im Exil in Costa Rica, dass der pensionierte Militärangehörige und oppositionelle Sandinist Aníbal Rivas Reed in einem Geheimprozess zu 50 Jahren Haft verurteilt wurde, ohne faires Verfahren und ohne überhaupt die Anklagepunkte zu kennen. Von dem Urteil erfahren hatten seine Angehörigen vergangene Woche, als sie ihn das erste Mal seit seiner Festnahme am 17. Mai besuchen durften.
