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Die Hitze macht wütend, vor allem wenn man arbeiten muss

Tragt mich zum See

Kolumne »Schicht im Schacht« von

Alle sollen hitzefrei haben! Schließlich kommt es bei der positiven Wutbewältigung auf das Wir-Gefühl an, sagt eine Studie.

Hitze und Lohnarbeit bilden eine teuflische Mischung. Mit ihr wird deutlich, was man im Leben verpasst und wie sehr Vergnügen, Genuss und Freude unter den Lasten des Büroalltags zurückstecken müssen.

Während man am Schreibtisch sitzt und nach draußen blickt, stellt man sich vor, wie andere Eis essen oder an den See fahren. Das macht stinksauer – zumindest wenn die Energie bei der Hitze und dem Geschwitze dafür noch ausreicht. Möglicherweise wirkt sich dieser Ärger auf die Arbeitseffizienz auf eine Weise aus, wie sie Friedrich Merz gefallen könnte.

Eine Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart will nämlich jetzt zeigen: Wut am Arbeitsplatz kann überraschend positive Effekte haben. Über zwei Wochen hinweg befragten die Forscher:innen 214 Angestellte in zehn unterschiedlichen Branchen dreimal täglich zu ihren Ärgernissen sowie ihrem Umgang damit und ihren Arbeitsergebnissen.

Mir ist heiß, ich schwitze unter den Armen, meine ­Innenschenkel sind wund und ich will hitzefrei!

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme, dass Wut zwangsläufig die Produktivität beeinträchtige, fanden die Forschenden heraus, dass es darauf ankommt, wie man mit Wut umgeht und wie gut sozial eingebunden sich Beschäftigte fühlen. Im günstigen Fall könne Wut sogar dazu beitragen, berufliche Ziele zu erreichen – vorausgesetzt, sie wird konstruktiv ­bewältigt.

Menschen, die ihren Ärger konstruktiv angehen und offen und respektvoll die Ursache ihres Unmuts ansprächen, könnten die Energie, die durch Wut freigesetzt wird, »produktiv nutzen«, so die Autorin der Studie, Ulrike Fasbender.

Das leuchtet ein. Einfach mal frei raus damit: Mir ist heiß, ich schwitze unter den Armen, meine ­Innenschenkel sind wund und ich will hitzefrei! Was heißt hier ich? Alle sollen frei haben, schließlich komme es bei der positiven Wutbewältigung auf das Wir-Gefühl an, sagen die Forschenden.

Wie wäre es mit einem Hitzestreik?

Doch das Arbeitsrecht kennt das Wort hitzefrei nicht einmal. Die Temperatur in ­Arbeitsräumen soll zwar grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegen, so sieht es die Arbeitsstättenverordnung vor. In besonderen Fällen, zu denen auch heiße Sommertage zählen, müssen Beschäftigte aber auch bei Temperaturen von bis zu 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaß­nahmen ergreifen. Und wenn er das nicht tut?

Dann, so empfiehlt es die Studie: konstruktiv bewältigen. Wie wäre es also mit einem Hitzestreik? Zu empfehlen ist da der gute alte Bummelstreik. Der muss nicht genehmigt werden, ist ziemlich subversiv und bringt ein super Wir-Gefühl.

Oder man führt mindestens einen Badetag pro Woche ein. Tragt mich zum See und meine Wut wird verfliegen. Und hier ist nicht die Rede vom mobilen Arbeiten am Strand. Oh nein. Denn Baden und Arbeit gehören ebenso wenig zusammen wie Hitze und ­Arbeit. Aber wer das nicht versteht, ist wahrscheinlich auch nicht wütend.