Buch - Kevin Kwan: Crazy Rich Asians

Yes, Kwan can!

Chick-Lit sind Bücher von Frauen für Frauen. Können Männer sowas eigentlich auch schreiben?

Können Männer eigentlich »Chick-Lit« schreiben? Ja, denn Kevin Kwan hat es mit »Crazy Rich Asians« bewiesen. Nein, denn zu der leicht verächtlich chicken literature genannten Subgattung des Unterhaltungs­romans werden nur Bücher für Frauen von Frauen gezählt. »Crazy Rich Asians«, 2013 in der US-amerikanischen Originalausgabe erschienen, ist der erste Teil einer Trilogie. Das Buch, das bereits verfilmt wurde, ist jetzt auch in deutscher Übersetzung erschienen. Vom Geschlecht des Verfassers abgesehen, erfüllt es alle Kriterien der Gattung. Schauplatz sind New York, Singapur und Paris. Alles dreht sich ums Heiraten und um die Suche der Protagonistin nach der großen Liebe, die Familienglück verspricht, aber auch der Karriere nicht im Weg steht. Unverzichtbare Zutaten von chicken literature sind ausgefallene Designer-Mode, spektakuläre Locations, softe Sexszenen, glamouröse weibliche Charaktere; aber auch das Aschenputtel-Motiv gehört dazu. »Crazy Rich Asians« ­bietet daraus die perfekte Mischung.

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Ein junges New Yorker Paar, Rachel Chu und Nicolas »Nick« Young, beide sind Dozenten der Wirtschaftswissenschaft: Er lädt sie zur Hochzeit seines Cousins nach Singapur ein. Die Hochzeit entpuppt sich als das globale ­Society-Event des Jahres. Milliarden­erbe heiratet Supermodel, Paul McCartney singt ein Liebeslied. Eben saß Rachel, Tochter einer chinesischstämmigen Immobilenmaklerin, noch mit Nick im New Yorker Deli. Jetzt befindet sie sich mitten drin im geheimen Kreis superreicher Familien­clans in Asiens schillernder Stadt Singapur und wird von Nicks versnobter Verwandtschaft feindselig ­beäugt. Seine Herkunft aus der chinesischen Oberschicht hatte der nette Nick seiner Freundin verschwiegen. Im Spiel mit sämtlichen Klischees entfaltet der in Singapur geborene US-amerikanische Autor die menschliche Seite seines Stoffes und lässt Liebe über Vorurteile siegen. Yes, Kwan can!

Kevin Kwan: Crazy Rich Asians. Aus dem Amerikanischen von Anna-Christin ­Kramer und Jenny Merling. Kein und Aber, Zürich 2019, 576 Seiten, 20 Euro

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