Porträt - Carlos Fernando Chamorro, Journalist aus Nicaragua

Guter Sohn

Porträt Von

»Sie kamen herein wie Verbrecher«, berichtet der nicaraguanische Journalist und Verleger Carlos Fernando Chamorro. Die Redaktionsräume der von ihm geleiteten Wochenzeitschrift und Onlinezeitung El Confidencial, die auch die Fernsehprogramme »Esta Semana« (Diese Woche) und »Esta Noche« (Diese Nacht) beherbergen, wurden am Freitagmorgen vergangener Woche von der Polizei gestürmt und durchsucht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medien wurden von der Polizei geschlagen und beschimpft. Jene Medien gehören zu den vehementesten Kritikern der autoritären Regierung von Präsident Daniel Ortega, der sich seit April mit großen Protesten gegen sein Regime konfrontiert sieht. Entzündet haben diese an der Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge. Gegen die Demonstrationen geht die Regierung äußerst repressiv vor; mindestens 325 Todesopfer, Tausende Verletzte und über 600 politische Inhaftierungen soll es bereits gegeben haben. Doch nicht nur unabhängige Medien stehen im Visier Ortegas. Mehreren NGOs wurde ihre Rechtspersönlichkeit entzogen, so auch dem Centro de Investigaciones de la Comunicación (Cinco), dem Chamorro vorsteht. Die Räume mehrerer NGOs wurden ebenfalls am Freitagmorgen durchsucht und verwüstet, Dokumente sowie Technik wurden beschlagnahmt. Der 63jährige Chamorro geht davon aus, dass die Razzien gegen die Medien eigentlich Cinco galten.

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Bereits Chamorros Vater, Pedro Joaquín Chamorro, lehnte sich gegen ein nicaraguanisches Regime auf: gegen die Somoza-Diktatur, gegen die auch Ortega und seine Sandinistische Befreiungsfront (FSLN) kämpften. Pedro Chamorro gab die Oppositionszeitung La Prensa heraus und schloss sich einer konservativen Guerilla gegen die Diktatur an. 1978 wurde er ermordet. Die Tat gilt als Auslöser des Aufstands gegen die Diktatur. Chamorros Mutter, Violeta Barrios de Chamorro, war von 1990 bis 1997 Präsidentin Nicaraguas, als Kandidatin der von den USA unterstützten Opposition gegen die Sandinisten. Carlos Chamorro scheint seinen Eltern zu folgen. Eng werden könnte es für Ortegas Regime nun, wenn der »Nica-Act«, ein US-amerikanisches Sanktionsgesetz, in Kraft tritt, das selbst von Teilen der Opposition in Nicaragua begrüßt wird. Immerhin unterstützen die USA nicht wie einst paramilitärische »Contra«-Gruppen gegen die FSLN-Regierung.

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