Sun Ras »Space Is the Place« auf Blu-ray

Kosmische Emanzipation

Sun Ras intergalaktisches Filmjuwel »Space Is the Place« gilt als Schlüsselwerk des Blaxploitation-Kinos. Doch der Pionier des Afrofuturismus sprengt auch diese Gattung.

Ich landete auf einem Planeten, den ich als Saturn identifizierte«, erzählte Sun Ra über seine angebliche Entführung durch Außerirdische Mitte der dreißiger Jahre, »und sie wollten mit mir reden. Sie rieten mir, das College zu schmeißen, da es bald in den Schulen drunter und drüber gehen werde. Die ganze Welt würde im Chaos versinken. Ich aber könnte durch meine Musik sprechen und die Welt würde mir zuhören. Das haben sie mir gesagt.« Es wäre ein Leichtes, Herman Poole Blount einfach als Spinner abzutun, der sich mit einer Alien-Entführungsstory wichtig tun wollte. Allerdings sind diese Phantastereien nur eine Facette einer komplexen Künstlerpersönlichkeit, die unter dem Namen Sun Ra ihr Alien-Dasein in dieser Welt zelebriert hat.

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Geboren 1914 in Birmingham, Alabama, hatte sich der Jazz-Pianist Herman Poole Blount 1952 eine Identität als außerirdischer ägyptischer Sonnengott zugelegt. In diese Zeit fiel auch die Gründung seines »Arkestra«, das immer mehr war als lediglich eine begleitende Big Band, worauf bereits die Wortschöpfung im Bandnamen hinweist. Wie in einer Arche hatten die Musiker in der afroamerikanischen Kommune zusammen­gelebt, ein in exzentrische Kostüme gewandetes Kollektiv von Künstlern, das die Grenze zwischen Kunst und Leben einreißen wollte.

Bis heute tourt das Arkestra, das seit Sun Ras Tod 1993 vom Saxophonisten Marshall Allen geleitet wird, durch die Welt und trägt mit seinem »Cosmic Jazz« die Weltraumutopie ihres Gründers weiter. Denn um eine Utopie, um den Vorschein einer besseren Welt für die afroamerikanische Bevölkerung, ging es Sun Ra mit seiner Musik, dessen Herkunftsstadt Birmingham Martin Luther King einmal die »Metropole der Rassentrennung« genannt hat.