Gute Vorsätze und große Koalitionen

Guter Vorsatz

SeSoZu Anfang des Jahres geht es immer auch ein wenig um Aufbruch, ­Revolution und dergleichen. So wie alle abnehmen wollen, soll politisch was passieren. Alle sind ganz rastlos und wildern durch den Alltag in der Hoffnung, endlich die Lösung ihrer Probleme zu ­finden. Dieses Jahr wirklich. Echt. Endlich die langersehnten Veränderungen, bestenfalls mit Magie. Die paar Kilo weniger, mehr Sport, gesünder und organisierter leben, politisch ein fulminanter Auftakt, ein richtiger Start. Oder wenigstens eine Regierung.

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Nach den Enttäuschungen von »Jamaika« Ende des vergangenen Jahres wurde 2018 die deutsche Politik mit einem engagierten Sondierungsquickie eröffnet, dessen trauriges Ergebnis sich wie folgt zusammenfassen lässt: »Alles wie immer, wir lassen die SPD ein bisschen aufschreiben, was sie will, und machen es dann doch nicht. Bätschi.« Dass die Jusos sich gegen eine erneute Auflage einer schwarz-roten Koalition wehren, ist ein ehrenwerter Kampf: Noch einmal durch den Merkel’schen Fleischwolf gedreht zu werden, kann die SPD nicht ernsthaft in Erwägung ziehen.

Aber die Vorsätze haben es trotzdem in sich: Dem Lohndumping in der EU soll beispielsweise der Kampf angesagt werden. Und das, obwohl die SPD und die Union Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum Niedriglohnland gemacht und damit maßgeblich zur Krise der EU beigetragen haben. Solche Beispiele ziehen sich durch das Manifest und lassen den Vorsatzkatalog wie einen makaberen Scherz wirken. Es ist ein wenig wie mit dem guten Kumpel, der jedes Jahr Ende Dezember die ambitioniertesten Vorsätze ankündigt. Bevor das Jahr richtig begonnen hat, sind sie jedoch schon wieder vergessen. Zwar gibt es dann vielleicht eine neue Schnorchelausrüstung im Keller, aber sonst keine Veränderung. Ehe man es sich versieht, ist alles beim Alten und dem Aufbruch folgen schlechte Laune und fünf Kilo mehr dank Jo-Jo-Effekt.

Dennoch sehnen sich Menschen immer wieder nach diesem Moment, in dem ein Funke überspringt und plötzlich alles anders ist. Das ist es, was uns Hoffnung gibt. Dabei geht es wahrscheinlich gar nicht um diesen magischen Anfang, an dessen Ende ewige Glückseligkeit steht. Sondern es geht um Ernsthaftigkeit und Beharrlichkeit. Um das Dranbleiben, egal, was passiert. Und es geht wohl auch darum, ehrlich zu sich selbst zu sein. Wobei das immer gilt, auch ohne pathetische Jahresanfangsvorsätze. Für Revolutionen gilt letztlich wohl Ähnliches. Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit und Beharrlichkeit sind vielleicht sogar revolutionärer als ein revolutionärer Umsturz. ­Besser als eine konservative Revolution allemal. Weil, Revolution mit Nazis macht man nicht. Das mal als Vorsatz für 2018.

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