Repression gegen Bergarbeiter

Nach dem Unfall kommen die Soldaten

Nach einem tödlichen Grubenunglück sind Bergarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo von ­militärischer Repression bedroht – eine Folge mafiöser Strukturen im globalen Rohstoffabbau.
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43 informelle Bergarbeiter wurden bei dem Unfall verschüttet. Eine Terrassenkonstruktion in der offenen Kupfer- und Kobaltmine in Kamoto nahe der Stadt Kolwezi im Südosten der Demokratischen Republik Kongo war vergange­ne Woche zusammengebrochen. Die Betreiber des Bergwerks, die Schweizer Aktiengesellschaft Glencore, machte die informellen Bergarbeiter und ihre »illegalen« Aktivitäten für den Unfall verantwortlich. Man bemühe sich aber, »die Gemeinschaften über die Gefahren des widerrechtlichen Eindringens in eine große industrielle Anlage zu informieren«. Wenige Tage später verlegte die kongolesische Armee Truppen nach Kamoto, um der Informationsvermittlung an die lokalen Gemeinden größtmöglichen Nachdruck zu verleihen.

Neue Städte voller Arbeiter, Abenteurer, zwielichtiger Händler und Prostituierter entstanden, in denen jeder auf hohe Gewinne hofft.

Der informelle Abbau von Bodenschätzen ist im Kongo noch immer eher die Regel als die Ausnahme. In den achtziger Jahren legalisierte Präsident Joseph-Désiré Mobutu die sogenannte handwerkliche Rohstoffausbeutung mittels Spaten und Hacke, nachdem sinkende Weltmarktpreise und Ausplünderung durch Korruption die großen staatlichen Bergbaukonzerne in die Knie gezwungen hatten. Mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten strömten vor allem junge Männer in die vielen Minen des östlichen Kongo, in denen Gold, Diamanten, Coltan, Kupfer, Kobalt und viele andere Bodenschätze für den Weltmarkt abgebaut werden. Die Arbeitsbedingungen waren immer gefährlich, da grundlegende Sicherheitsbestimmungen in den Schächten und im Umgang mit Chemikalien nicht beachtet werden. Neue Städte voller Arbeiter, Abenteurer, zwielichtiger Händler und Prostituierter entstanden, in denen jeder auf den einen großen Fund beziehungsweise hohe Gewinne hofft.

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Die Kriege im Kongo, die 1996 begannen – und seitdem abflauten, aber nicht endeten –, wurden durch die Rohstoffausbeutung mitfinanziert. Im Osten des Landes, dem wichtigsten Kriegs­schauplatz, verdiente eine Vielzahl großer und kleiner Rebellengruppen daran, indem sie Gebühren und Abgaben von den Schürfern kassierten. Die Handelswege wurden hingegen von den Armeen aus Uganda und Ruanda kontrolliert, die die Grenzgebiete einige Jahre besetzt hatten. Um den Krieg gegen sie zu finanzieren, verkauften Präsident Laurent Kabila sowie sein Sohn und Nachfolger Joseph Kabila Ausbeutungskonzessionen über große Gebiete an verbündete Armeen etwa aus Zimbabwe, aber auch an internationale Bergbaufirmen.